Der Gegner, der Diplomatische und der Risikofreudige: So positionierten sich die
drei Stadtpräsidiumskandidaten in der
Kathi-Frage

An einem Podium debattierten Dario Sulzer (SP), Hans Mäder (CVP) und Daniel Meili (FDP) über die zukünftige Ausrichtung der Wiler Oberstufen und die Frage, ob oder wie das Kathi weiterhin Teil davon sei soll.

Gianni Amstutz
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Von links: Unter der Leitung von Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter der Wiler Zeitung und des Toggenburger Tagblatt, diskutierten Dario Sulzer (SP), Hans Mäder (CVP) und Daniel Meili (FDP) über die Zukunft des Kathi.

Von links: Unter der Leitung von Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter der Wiler Zeitung und des Toggenburger Tagblatt, diskutierten Dario Sulzer (SP), Hans Mäder (CVP) und Daniel Meili (FDP) über die Zukunft des Kathi.

Bild: Gianni Amstutz

Die politische Vorgeschichte

Im Rahmen des Projekts Schule 2020 soll unter anderem auch die zukünftige Ausrichtung der Wiler Oberstufen geklärt werden. Es kristallisierten sich zwei Lösungen mit je drei Oberstufenschulen heraus: Das Modell B mit Kathi und den zwei öffentlichen Oberstufen Lindenhof und Bronschhofen sowie das Modell D ohne Kathi mit den drei öffentlichen Oberstufen Sonnenhof, Lindenhof und Bronschhofen.

Der Stadtrat sprach sich für das Modell D aus. Das Parlament sah dies jedoch anders und wies das Geschäft an den Stadtrat zurück. Der Auftrag des Parlaments sieht vor, dass der Stadtrat mit dem Kathi eine gemeinsame Lösung erarbeitet.

Die juristische Vorgeschichte

Das Stadtparlament hatte 2016 einen Nachtrag zum Schulvertrag zwischen dem Kathi und der Stadt Wil zugestimmt. Dieser Nachtrag war nötig, weil die Trägerschaft vom Kloster auf die dannzumal neu geformte Stiftung der Schule überging.

Gegen die Rechtmässigkeit des Parlamentsentscheids legten die Jungen Grünen Beschwerde ein. Es folgte ein Hin und Her durch die juristischen Instanzen. Das Departement des Innern wies die Beschwerde schliesslich ab, worauf der Fall wieder vor dem Verwaltungsgericht landete. Dieses gab den Jungen Grünen dann recht mit der Begründung, dass das Kathi als öffentliche Schule gelten müsse, folglich nicht von einer privaten Trägerschaft geführt werden dürfe.

Der Wiler Stadtrat und der Stiftungsrat wollten das nicht hinnehmen und erhoben Einsprache gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts. Nun liegt der Fall beim Bundesgericht.

Dieses muss nun zwei Fragen klären: 1. Darf der öffentliche Bildungsauftrag an eine privat geführte Institution ausgelagert werden? 2. Ist das Kathi trotz einer weitgehenden Finanzierung mit öffentlichen Geldern als Privatschule zu betrachten?

Die Haltungen der drei Kandidaten

Bereits vor dem Podium waren die grundsätzlichen Haltungen der drei Kandidaten zum Kathi bekannt. Dario Sulzer (SP) lehnt eine weitere Zusammenarbeit ab, da diese die Schliessung einer bestehenden öffentlichen Oberstufe - namentlich des «Sonnenhofs» - zur Folge hätte.

Daniel Meili (FDP) hat bei der Abstimmung im Stadtrat ebenfalls für das Modell ohne Kathi gestimmt. Auf der Online-Plattform Smartvote beantwortete er die Frage nach einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Kathi hingegen mit «eher Ja». Dies ist für ihn allerdings an eine Bedingung geknüpft: Die Stadt Wil muss mehr Mitsprache erhalten.

Klar für das Kathi spricht sich Hans Mäder (CVP) aus. Er erachtet es als nicht zweckmässig, eine erfolgreiche Institution zu schliessen. Um zu einer Lösung beizutragen, müsse sich aber auch das Kathi verändern.

Die Debatte

Die Meinungen der drei Kandidaten für das Stadtpräsidium gingen in der Frage, wie die Ausrichtung der Oberstufen der Stadt Wil aussehen sollte, weit auseinander. In zwei Punkten waren sich Dario Sulzer (SP), Hans Mäder (CVP) und Daniel Meili (FDP) aber einig: Es braucht möglichst bald eine Lösung in der Oberstufenfrage und sowohl das Kathi als auch die drei öffentlichen Wiler Oberstufen machen einen guten Job.

Damit endeten die Gemeinsamkeiten der drei Anwärter fürs Wiler Stadtpräsidium. In der Debatte, geleitet von Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter der Wiler Zeitung und des Toggenburger Tagblatt, wurde angeregt diskutiert, durchaus auch einmal angriffig, die Kandidaten blieben jedoch jederzeit sachlich.

Dario Sulzer: «Keine Chancengleichheit mit Kathi»

Dario Sulzer bezog von den drei Podiumsteilnehmern am deutlichsten Position für eine Oberstufenstruktur ohne Kathi.

«Die Schülerinnen und Schüler müssen unabhängig von sozialem Hintergrund oder Geschlecht gleich behandelt werden.»

Chancengerechtigkeit sei jedoch mit einer Oberstufenstruktur mit Kathi nicht möglich, da damit unterschiedliche Bedingungen weiterbestehen würden. Das Problem sei, das eine Durchmischung verunmöglicht werde, da am Kathi nur Mädchen beschult würden. Das führe wiederum dazu, dass an den drei öffentlichen Schulen hauptsächlich Buben unterrichtet würden.

Wenn man wie die Befürworter des Kathi von einer grösseren Wahlmöglichkeit spreche, blende man die Tatsache aus, dass dies nur für die Sekundarschulmädchen, jedoch nicht für Realschülerinnen sowie Oberstufenschüler zutreffe.

Ausgeblendet wurde von Sulzer dabei die Tatsache, dass das Kathi längst signalisiert hat, dass es künftig auch Buben und Realschülerinnen und
-schüler beschulen würde. Als er darauf angesprochen wurde, machte er geltend, dass das Bedürfnis nach einer geschlechtergetrennten Beschulung bei den Knaben nicht nachgewiesen sei. Das führe zu Planungsunsicherheiten bei den öffentlichen Schulen.

Wenn sich dereinst zu wenig Schüler für das Kathi entscheiden würden, sei man wieder in derselben Situation wie heute: Mädchenklassen am Kathi, bubenlastige Klassen an den öffentlichen Oberstufen.

Hans Mäder: «20 Millionen mehr, sind nicht Hauptkriterium»

Hans Mäder sprach sich dezidiert für das Kathi aus. Das Kathi habe seine Qualitäten bewiesen und auch das Bedürfnis der Schülerinnen sei deutlich erkennbar.

Mäder gab sich als «Macher», der das Problem einer raschen Lösung zuführen kann und dafür gewillt ist, gewisse Risiken einzugehen. Bedenken, dass sich dereinst nicht genug Buben für das Kathi entscheiden würden, liess er genauso wenig gelten wie den Einwand, dass die Gesamtplanung des Schulraums durch die angedachte sechsjährige Pilotphase verunmöglicht würde.

«Mit Unsicherheiten muss man in der Politik leben. Wir können nicht alles vorausplanen.»

Die Zusammenarbeit mit einer bewährten Schule wie dem Kathi zu beenden, nur um Planungssicherheit zu haben, sei deshalb falsch.

Wichtigstes Kriterium müsse sein, die qualitativ beste Lösung zu finden. Da dürfe es auch keine Rolle spielen, wenn die Gesamtkosten für den neuen Schulraum letztlich 160 statt 140 Millionen Franken betrügen. Eine Aussage, die bei den anderen Kandidierenden zu Stirnrunzeln führte.

Mäder betonte wiederholt, dass es eine einfache Lösung gebe, bei der alle Beteiligten gewinnen könnten. Wie genau diese Lösung aussehen würde, das blieb jedoch weitgehend unbeantwortet.

Daniel Meili: «Kathi muss stärker eingebunden werden»

Daniel Meil positionierte sich mit seinen Standpunkten irgendwo in der Mitte der anderen beiden Kandidaten. Mit Sulzer war er sich darin einig, dass eine individuelle Ausrichtung der verschiedenen Oberstufen mit einem eigenen Profil auch bei den öffentlichen Oberstufen möglich und bereits Tatsache sei. Vielfalt an den Wiler Oberstufen sei keine Frage, die vom Fortbestand des Kathi abhänge.

Ebenso teilte er Sulzers Bedenken, dass eine sechsjährige Pilotphase, während derer die Schulraumplanung auf Eis liege und teure Provisorien gebaut werden müssten, kein haltbarer Zustand sei. Zudem brauche es gemeinsame Rahmenbedingungen, die für alle gelten müssten, sprich eine stärkere Einbettung des Kathi in die Volksschule.

«Wenn wir als Stadt Wil jährlich rund 2,5 Millionen Franken ans Kathi bezahlen, müssen wir auch mehr Mitsprache haben.»

Gleichzeitig zeigte sich Meili überzeugt, dass eine gemeinsame Lösung mit dem Kathi möglich sei. Der Stadtrat und der Stiftungsrat des Kathi seien dabei, diese zusammen zu erarbeiten. Vielleicht werde dabei auch ein neues Modell gefunden, das für beide Seiten passe. Dafür brauche es sowohl aufseiten der Stadt wie auch bei den Verantwortlichen des Kathi Kompromissbereitschaft.

Fazit: Alle Kandidaten konnten punkten

Als Fazit des Podiums lässt sich sagen, dass keiner der drei Anwärter aufs Stadtpräsidium abfiel. Sie alle konnten auf ihre Weise punkten. Sulzer bei den Kathi-Gegnern, Mäder bei den Befürwortern und Meili wohl ein wenig bei beiden, indem er die künftige Zusammenarbeit mit dem Kathi zwar nicht ablehnte, sie jedoch an Bedingungen knüpfte.

Was jedoch von allen Kandidaten höchstens am Rande erwähnt wurde, ist, dass es für die Zukunft des Kathi kaum eine Rolle spielt, wie sich der Stadtrat nach den Wahlen im Herbst zusammensetzt und wer an dessen Spitze stehen wird. Denn letztlich wird die Kathi-Frage mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Volksabstimmung entschieden werden.

Aufgabe des Stadtrats und des Parlaments wird es jedoch sein, die Abstimmungsvorlage so zu aufzugleisen, dass ein allfälliger Volksentscheid einen klaren Weg aufzeigt, wie es in der Oberstufenlandschaft Wils weitergehen soll.