Der ganze Bericht ist mehr als geschönt

«Lernschwache Kinder sollen in Regelklassen bleiben», Ausgabe vom 4. Mai

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Der Stadtrat hat das neue Förderkonzept der Stadt Wil genehmigt und damit den Weg freigemacht für die Abschaffung der Kleinklassen. Gemäss der Medienmitteilung der Behörden haben sich alle beteiligten Gruppen – Schulrat, Schulleitungen, Arbeitsgruppe Sonderpädagogik, Begleitgruppe der Lehrpersonen aus den verschiedenen Schuleinheiten – unisono für diesen Weg ausgesprochen. Es habe eine Vernehmlassung stattgefunden und die konstruktiven Rückmeldungen seien dann in die Bearbeitung des Projekts eingeflossen.

Als Aussenstehender gewinnt man beim Lesen dieses Berichtes höchstwahrscheinlich den Eindruck, dass die Neuorientierung ganz im Sinn der Wiler Lehrerschaft verlaufen sein müsse und sich kaum jemand dagegen ausgesprochen habe – ausser vielleicht dieser renitente Kleinklassenlehrer aus dem Mattschulhaus. Er versichert aber, dass dem nicht so ist. Der ganze Bericht ist mehr als geschönt. Die Lehrerschaft wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Bei der Vernehmlassung und den Teamrückmeldungen ging es nur noch darum, kosmetische Korrekturen anzubringen. Leider hat der Schulrat nie den Mut aufgebracht, eine Umfrage bezüglich dieses Projektes durchzuführen. Ich gehe davon aus, dass eine solche Umfrage eine satte Mehrheit zu Gunsten der Kleinklassen zu Tage gefördert hätte.

Ich bin enttäuscht, dass die Behörden nicht wenigsten dazu stehen, alleine entschieden zu haben. Sie verstecken sich lieber hinter einem vermeintlich basisdemokratischen Meinungsbildungsprozess – leider hat dieser nie auch nur ansatzweise stattgefunden.

René Walcher, Wil

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