Der ernste Bach wirkte tänzerisch

FISCHINGEN. Das Jugendorchester «Il Mosaico» trat zur Eröffnung seines Jubiläumsjahres mit einem Festprogramm in der Bibliothek des Klosters Fischingen auf. Unterstützt wurde es von den mehrfach preisgekrönten Schwestern Bomi und Hani Song.

Peter Küpfer
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Die beiden Soloviolinistinnen Hani und ihre Schwester Bomi Song zusammen mit dem Streichensemble beim Eröffnungstitel. (Bild: Peter Küpfer)

Die beiden Soloviolinistinnen Hani und ihre Schwester Bomi Song zusammen mit dem Streichensemble beim Eröffnungstitel. (Bild: Peter Küpfer)

Das Jugendorchester der Kantonsschule Wattwil und der Musikschule Toggenburg gibt es seit nunmehr 25 Jahren. Mit einem festlichen Programm unter dem Titel «Bach goes Brazil» startete es in das Jubiläumsjahr. Es intonierte in seiner «kleinen» Besetzung als Streicher-Ensemble in der Bibliothek des Klosters Fischingen Werke von Johann Sebastian Bach sowie brasilianischer Komponisten.

Der Schuss brasilianisches Temperament, der dem Programm beigesellt war, wirkte sich offensichtlich auf die Spielweise der jungen Musikerinnen und Musiker aus. Der ernste Bach wirkte unter ihren bestimmt, aber leicht und elegant angeschlagenen Bogen oft tänzerisch.

Schon bei der Eröffnung mit Bachs Konzert für zwei Violinen schlug Dirigent Hermann Ostendarp ein dynamisches Tempo an, dem das Ensemble und die beiden jungen Solistinnen, Bomi und Hani Song, gewachsen waren. Die mehrfach preisgekrönten Schwestern spielten sich die Bälle zu wie beim Pingpongspielen. Das Streicherensemble überzeugte schon im ersten Stück durch eine variantenreiche, anhaltend präzise Modulation und eine akzentuierte Rhythmisierung.

Melodien mit Echos

Die Qualitäten des Ensembles kamen auch im zweiten Bachwerk zum Tragen, Bachs Konzert in d-Moll (BWV 1063). Il Mosaico spielte das von Bach ursprünglich für drei Cembali geschriebene Werk in einer Bearbeitung für Violine, Flöte und Oboe als Soloinstrumente.

Zwischen die Werke von Bach hatte Hermann Ostendarp zwei brasilianische Komponisten programmiert. Zunächst erklang die sehnsüchtige «Aria» aus Heitor Villa-Lobos' «Bachiana Brasileira». Solist Isaac Duarte entlockte seiner weich, oft auch leidenschaftlich und dann wieder melancholisch angeblasenen Oboe d'amore einen ganzen Strauss von Melodien. Viele davon erklangen in schnellen Läufen, auf welche die beiden anderen Soloinstrumente entsprechende Echos gaben.

Komponistin im Publikum

Mit «Cordas vocals» nahm Il Mosaico ein Werk wieder auf, welches die in Sao Paolo lebende brasilianische Komponistin Silvia de Lucca im Jahr 1992 eigens für das Wattwiler Jugendorchester komponiert hatte. Die Komponistin befand sich am Konzert im Kloster Fischingen im Publikum und zeigte sich von der Aufführung begeistert.

Das Konzert endete mit einem weiteren melodiösen Werk von Bach, der ersten Orchestersuite in C-Dur. Das festliche, zeitweise in triumphalem Duktus intonierte Werk vereinigte noch einmal die Vorzüge des Ensembles und der Solisten und riss das Publikum zu einem begeisterten Schlussapplaus hin.