Der EM-Titel ist als Ziel definiert

Voltige Lütisburg beteiligt sich vom 19. bis 23. August als Vertreter des Schweizer Verbandes an der Europameisterschaft in Aachen. Alles haben die Toggenburgerinnen schon gewonnen, nur den EM-Titel noch nicht.

Urs Nobel
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Voltige Lütisburg hat in den vergangenen Monaten alles dem Ziel «EM-Gold» untergeordnet. (Bild: Esther di Maria)

Voltige Lütisburg hat in den vergangenen Monaten alles dem Ziel «EM-Gold» untergeordnet. (Bild: Esther di Maria)

VOLTIGE. Im Oktober vergangenen Jahres, direkt nach Abschluss der Saison 2014, startete das Unterfangen «Gewinn der Goldmedaille» an der Europameisterschaft 2015 in Aachen. Voltige Lütisburg war 2012 Weltmeister, hat an Welt- und Europameisterschaften auch schon Silber und Bronze gewonnen. Jetzt soll es für den mehrfachen Schweizer Meister erstmals eine Goldmedaille an einer Europameisterschaft absetzen. Fähig dazu ist das Team, wenn es ihm gemäss dem Vereinspräsidenten Kurt Bischofberger gelingt, an drei Wettkampftagen dreimal eine Spitzenleistung abzurufen. Spitzenleistungen vom Pferd, der Longenführerin Monika Winkler-Bischofberger und der acht Voltigiererinnen, die vom Schweizer Verband als Vertreterinnen ihres Landes an die EM entsandt wurden.

Erste, aber auch Fünfte werden

Hoffnung, dass es Voltige Lütisburg gelingt, dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, macht die Tatsache, dass die Toggenburgerinnen in derselben Besetzung wie im vergangenen Jahr antreten und so trotz dem noch jungen Alter der Akteurinnen über die notwendige Routine verfügen. Zu einem Selbstläufer wird die EM für Lütisburg aber deshalb nicht, weil auch die Gegnerschaft nicht geschlafen hat. Deutschland wird als Gastgeber garantiert den härtesten Widersacher der Schweizerinnen abgeben. Aber auch Österreich, Frankreich, Italien und Schweden haben in den vergangenen Jahren erstaunliche Fortschritte erzielt. Die Schweizerinnen können gewinnen, ebenso gut aber auch nur fünfte werden.

Ehrgeizig und kämpferisch

Voltige Lütisburg hat in den vergangenen Jahren mit einer Ausnahme bewiesen, dass es an Grossveranstaltungen Kräfte freilegen und über sich hinauswachsen kann. Das Team ist extrem ehrgeizig und kann kämpfen. Die Durchmischung im Team ist ideal. In der Sechser-formation stehen vier routinierten Voltis, von denen während der Saison deren drei auch in der Einzelkategorie an den Start gehen. Die zwei Jüngsten verfügen aber bereits auch schon über WM-Erfahrung. Sie gewannen vor einem Jahr die Silbermedaille und haben den Trubel einer derartigen Grossveranstaltung bereits einmal hinter sich. Dass Voltige Lütisburg schon seit einigen Jahren wegen anderer Turnierteilnahmen nicht mehr in Aachen startete, empfindet Kurt Bischofberger nicht als Nachteil. Höchstens für das Longenpferd Will be Good. Doch der Schimmel ist derart routiniert, dass er mit den Umständen in Deutschland auch zurechtkommen dürfte. «Egal, was uns in Aachen erwartet, wir müssen uns sowieso nur auf uns und unsere Leistung fokussieren», sagt Bischofberger. Er wird vor Ort das Team unterstützen, zusammen mit seiner Frau Heidi, welche als Babysitter ihrer drei Grosskinder dabei sein wird. Wichtig für Voltige Lütisburg wird die Anwesenheit und Unterstützung des Choreographen Michi Gnad. Der Deutsche aus dem Norden ist aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Monika Bischofberger meint sogar, dass sie und ihr Team das aktuelle Niveau ohne die Unterstützung Gnads nicht mehr halten könnten. Der Deutsche wird nicht jubeln, wenn die Deutschen die Schweizerinnen besiegen. Er hat sich seit Jahren in den Dienst von Voltige Lütisburg gestellt und gilt ein wichtiges und vollwertiges Teammitglied.

Nadja Büttiker im Einzel

Nebst Voltige Lütisburg verfügt die Schweiz mit der Einzel-Voltigiererin Simone Jaïser über eine weitere Medaillenhoffnung. Ebenfalls im Einzel zum Einsatz gelangt als zweite Schweizerin, die Lütisburgerin Nadja Büttiker. Ihr Ziel ist, die Ausscheidung zu überstehen und in den Finaldurchgang einzuziehen. «Wenn sie das schafft, traue ich ihr einen Rang unter den Top Ten zu», sagt Kurt Bischofberger. Er weiss aber auch, dass bei der Startnummer-Auslosung etwas Glück nötig ist. Je nach Situation könnten sich die Einsätze mit der Gruppe und im Einzel stressig für die Sportlerin auswirken. Bischofberger ist aber voller Vertrauen: «Nadja hat sich im Technikprogramm hinsichtlich der EM deutlich verbessert und ist in der Pflicht sogar noch stärker als Simone Jaïser einzuschätzen. Es wird also schon gutgehen.»