Der EHC Uzwil löst die erste Mannschaft auf

Der Eishockeyclub zieht sich aus der 1. Liga zurück – und spielt nächste Saison nur noch in der 3. Liga. Schulden von knapp 300000 Franken haben es dem Traditionsverein verunmöglicht, ein konkurrenzfähiges Kader für die 1. Liga zu stellen.

Tim Frei
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Alec Jäppinen ist einer der vielen Abgänger beim EHC Uzwil, er spielt in der nächsten Saison für den SC Herisau. (Bild: Ralph Ribi)

Alec Jäppinen ist einer der vielen Abgänger beim EHC Uzwil, er spielt in der nächsten Saison für den SC Herisau. (Bild: Ralph Ribi)

Der Vorstand des EHC Uzwil hat gekämpft – wie die erste Mannschaft auf dem Eis. Schliesslich mussten die Verantwortlichen des Eishockeyvereins einsehen, dass ihr Kampf aussichtslos ist. Der Club zieht sich aus der 1. Liga zurück und spielt künftig in der 3. Liga, wie er gestern mitteilte. Hauptgrund dafür sind seine finanziellen Probleme. Präsident Philipp Herzog sagt gegenüber dem Portal uzwil24.ch:

«Die Schulden von knapp 300000 Franken lasten zu sehr auf unserem Verein.»

«Wir bedauern diesen Entscheid zutiefst, sehen darin aber auch eine Chance für einen geordneten Neuaufbau», sagt Herzog.

Kern konnte nicht zusammengehalten werden

Trotz intensiver Bemühungen in den vergangenen Wochen und Monaten ist es Sportchef Patrick Ammann laut Medienmitteilung nicht möglich gewesen, «die zahlreichen Abgänge, darunter Leistungsträger, zu ersetzen sowie den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten». Zudem schaffte es der Verein nicht, Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft einzubauen. Daraus resultierend habe der Club kein konkurrenzfähiges Team für die 1. Liga zusammenstellen können.

Die finanziellen Probleme überschatteten alles. Die Spieler von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen, war eine Herkulesaufgabe, wie Herzog gegenüber dieser Zeitung sagt:

«Wenn man Spieler die volle Entschädigung nur bis zum Jahresende 2018 zahlen kann und sie auf die nächste Saison auch noch Kürzungen in Kauf nehmen müssen, wird es schwer.»

Der Ruf hat gelitten

Dass sich Akteure unter diesen Voraussetzungen nach anderen Vereinen umschauen – dafür hat Herzog Verständnis. Andere Spieler hätten sich für den Verein ausgesprochen – unter der Bedingung, dass eine konkurrenzfähige Mannschaft gestellt werde. Die Entwicklungen beim Traditionsverein haben sich unter den 1.-Liga-Spielern herumgesprochen. «Wir mussten feststellen, dass unser Ruf gelitten hat – das erschwerte auch die Sponsorensuche.»

Eine weitere Hürde ist das Spieler-Angebot in der Region. «Es gibt einfach zu wenig Kandidaten für so viele Vereine», sagt Herzog, und erwähnt andere 1.-Liga-Clubs wie Wil, Herisau, Rheintal, Frauenfeld und die Pikes Oberthurgau. Hinzu kommen die Eisbären St. Gallen, die in die 2. Liga aufgestiegen sind. Zu den Stadtsanktgallern haben auch Uzwiler Spieler gewechselt.

Lücken im Nachwuchs

Der EHC Uzwil ist ein bekannter Ausbildungsverein im Schweizer Eishockey. Der Traditionsverein hat viele grosse Namen wie etwa Rekord-Nationalspieler Mathias Seger, Lars und Sven Leuenberger, Michel Zeiter und den aktuellen NHL-Spieler Kevin Fiala hervorgebracht.

Davon ist der Club derzeit meilenweit entfernt: Das Nachwuchsproblem geht tief. Es fehlt nicht nur die Elite – es sind gleich mehrere Stufen betroffen. Der höchste Jahrgang ist jener der 14-Jährigen. Dazwischen klafft eine Lücke. «Mit der Nachwuchszusammenarbeit mit Herisau und Wil streben wir an, die Lücke langfristig wieder schliessen zu können», sagt Herzog.

Ungewisse Zukunft

Der Rückzug in die 3. Liga ist für das Vereinsumfeld ein grosser Schock. Das zweite Uzwiler Team, das bereits in der 3. Liga spielt, wird zur neuen ersten Mannschaft. Die Spieler, die beim Verein für die nächste 1.-Liga-Saison unterschrieben haben, werden nicht Teil davon sein. «Ihre Verträge sind nur für die 1. Liga gültig», so Herzog.

Ist es das nun mit der 1. Liga gewesen beim EHC Uzwil? Darauf konnten die Verantwortlichen gestern keine definitive Antwort geben. «Wir haben unsere Strategie zu dieser Thematik noch nicht festgelegt», sagt Herzog. Dies hänge letztlich auch davon ab, wie sich der Nachwuchs in den nächsten Jahren entwickle.

EHC Uzwil: Den Rückzug zum Neuanfang nutzen

Der Eishockeyclub EHC Uzwil hat sich aus der 1. Liga zurückgezogen. Künftig spielt er nur noch in der 3. Liga. Hauptgrund ist die angespannte finanzielle Lage – der Verein ist mit knapp 300 000 Franken überschuldet. Gelingen kann der Neuaufbau nur, wenn die Verantwortlichen ohne Kompromisse auf den Nachwuchs setzen.
Tim Frei

Eishockey: Die Kaderplanungen des EHC Uzwil schreiten voran

Der Club aus der 1. Liga arbeitet am Kader der ersten Mannschaft für die nächste Saison. Nebst Vertragsverlängerungen hat der EHC Uzwil auch sechs neue Spieler verpflichtet. Mit Trainerkandidaten ist Sportchef Patrick Ammann in Gesprächen.
Tim Frei