Der EHC Uzwil in finanziellen Schwierigkeiten

Die 78. Hauptversammlung des arg gebeutelten Eishockey-Traditionsvereins hatte es in sich. Die Schuldfrage scheint offensichtlich: Die Mitglieder sehen den ehemaligen Vorstand in der Verantwortung.

Marco Enzler
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Über 80 Stimmberechtigte folgten der Einladung zur HV. (Bild: Marco Enzler)

Über 80 Stimmberechtigte folgten der Einladung zur HV. (Bild: Marco Enzler)

Eine gemütliche Hauptversammlung stellt man sich anders vor. Als Philipp Herzog, Präsident des EHC Uzwil, am Mittwochabend die Mitglieder zur HV begrüsste, dürfte er schon geahnt haben, dass es kein einfacher Abend wird. Die akute finanzielle Krise gipfelte ja schliesslich darin, dass der Verein anfangs April seine erste Mannschaft aus der 1. Liga zurückziehen musste.

Bedrückende Finanzlage

Die Stimmung war spürbar angespannt als Roger Hadorn, der als Treuhänder beigezogen wurde, die Jahresrechnung präsentierte. Er erläuterte die aktuelle Lage und fand deutliche Worte, als er die Eröffnungsbilanz aus dem Jahr 2018 als «schlichtweg falsch» bezeichnete. Seien beispielsweise die Kreditoren mit rund 157000 Franken aufgeführt worden, so hätte eigentlich fast das Doppelte zu Buche stehen müssen. Trotzdem wurde letztes Jahr empfohlen, die Jahresrechnung zu genehmigen.

Der Schuldige für die aktuelle Krise ist – so der Grundtenor der Anwesenden – im ehemaligen Präsidenten Ugur Uzdemir schnell gefunden. Unter der alten Führung habe es grosse Missstände gegeben. Exemplarisch hierfür: Weil in den Steuererklärungen vergangener Jahre trotz Verlusten Gewinne von bis zu 42000 Franken ausgewiesen wurden, plagen den EHC Uzwil zusätzlich Steuerschulden.

Betreibungen wurden eingeleitet

Aufgrund nicht eingehaltener Abmachungen werden Uzdemir und die ihm nahe stehende Motivo AG zudem auf insgesamt mehrere hunderttausend Franken vom EHC Uzwil betrieben. Aktuell steht der Verein aufgrund einer Überschuldung von rund 330000 Franken mit dem Rücken zur Wand.

Zwar konnte für die Saison 2018/19 ein Gewinn von gut 5000 Franken erwirtschaftet werden, allerdings nur unter der Annahme, dass ein Teil der genannten Forderungen auch tatsächlich bezahlt werden. Ein Revisionsbericht wurde gar nicht erst zur Abstimmung unterbreitet. Es würden einfach noch zu viele konkrete Zahlen fehlen, hiess es. Für das kommende Geschäftsjahr wird ein Gewinn von gut 130000 Franken erwartet.

Die sportlichen Aspekte mussten an der diesjährigen HV leider hinter die finanziellen zurücktreten. Nach dem Entscheid des Vorstandes, die erste Mannschaft zurückzuziehen, war die Enttäuschung zwar gross, angesichts der prekären finanziellen Situation stiess die Entscheidung aber dennoch auf Verständnis. Zum Schluss sagte Präsident Philipp Herzog:

«Wir müssen auch wieder das Positive sehen.»

In sportlicher Hinsicht erhofft man sich eine solide Saison und will insbesondere wieder mehr Nachwuchsmitglieder gewinnen; finanziell soll der Verein wieder gesunden. Die Verantwortlichen wissen: «Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn Rechnungen wieder bezahlt werden können.»