Der Durchgangsverkehr bleibt

WIL. Das kantonale Strasseninspektorat würde die Untere Bahnhofstrasse von der Rudenzburg-Kreuzung abhängen. Die Stadt Wil ist aber dagegen, wegen zusätzlicher Verkehrsbelastung der Mattstrasse.

Silvan Meile
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«Hochkomplex und ganz kompliziert» sei der Bericht des Kantons, der als Resultat aus dem zweimonatigen Verkehrsversuch vom Spätsommer 2012 hervorging, sagt Stadtrat Marcus Zunzer, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr. Doch eins zeigt der Bericht offensichtlich: Wenn die Untere Bahnhofstrasse von der Rudenzburg-Kreuzung abgehängt wird, können auf der Toggenburgerstrasse während der dadurch gewonnenen Grünphase bis zu 40 Prozent mehr Fahrzeuge die Kreuzung passieren. Auch die St. Gallerstrasse profitiert mit mehr Fahrzeugen von 6 bis 38 Prozent, je nach eingespurter Fahrbahn. Zu den Profiteuren gehört auch der Stadtbus.

Und der Stau ging sogar in messbaren Metern zurück. Auf der Tonhallestrasse beispielsweise sei die «mittlere Staulänge» um bis zu 70 Meter reduziert worden. Ein beachtliches und äussert positives Resultat, könnte man in der verkehrsgeplagten Stadt Wil meinen. Doch diese Medaille hat auch eine Kehrseite.

«Der Kanton würde es machen», sagt Stadtrat Zunzer und meint damit das Abhängen der Unteren Bahnhofstrasse von der Rudenzburg. Doch aus Sicht der Stadt Wil verstopfte es die Mattstrasse (zwischen Jupiter- und Rösslikreisel) zu fest, fügt der Stadtrat hinzu. Das habe der Verkehrsversuch eben auch gezeigt.

«Das Risiko ist zu gross»

Diese negative Auswirkung auf die Mattstrasse sei vor allem im Hinblick auf die Entwicklung des ehemaligen Agrar-Areals sehr ungünstig. Denn erst kürzlich habe der Kanton St. Gallen mitgeteilt, dass der Verkehr von den dort entstehenden neuen Wohnsiedlungen nicht auf die Toggenburgerstrasse «entleert» werden dürfe, erklärt Zunzer. Er sieht dadurch für die Zukunft eine noch stärke Belastung der Mattstrasse. «Für Wil ist das Risiko zu gross», sagt Zunzer. Die Untere Bahnhofstrasse werde deshalb als Arm der Rudenzburg-Kreuzung weitergeführt.

Unter schlechtem Stern

Eigentlich sollte die Untere Bahnhofstrasse bereits im September 2011, während des Baus des Fürstenlandkreisels, für einen zweimonatigen Testbetrieb als Sackgasse geführt werden. Das Wegfallen der Grün- und Orange-Phasen der Einbahnstrasse sollte bis zu 50 Prozent mehr Kapazität auf der Toggenburgerstrasse bringen, was der Versuch letztlich sogar fast erreichte.

Doch dieser scheinbar unspektakuläre Verkehrsversuch schlug bereits bei der Ankündigung hohe Wellen. Einzelne Anwohner am betroffenen Strassenabschnitt (ab dem Jupiterkreisel) formierten sich zum erbitterten Widerstand und sprachen in den «Wiler Nachrichten» öffentlich von «Existenzbedrohung» für die ansässigen Betriebe, weil Lieferanten mit ihren Lastwagen nicht mehr wenden könnten. Gar das «heillose Verkehrschaos» wurde prophezeit.

Trotz der Gegenwehr fand der Verkehrsversuch im Spätsommer 2012 mit einem Jahr Verspätung doch noch statt. Eine umständlich beschriftete Tafel wies darauf hin und erlaubte den LKW-Fahrern die Durchfahrt, PWs mussten auf dem extra geteerten Platz vor der Kreuzung wenden. In den ersten Wochen stand sogar noch ein Verkehrskadett dort, der verwirrte Automobilisten mündlich über die Situation aufklären konnte. Im Definitivum hätten auch Lastwagen auf dem Platz wenden können, sagt nun Zunzer.

Alles bleibt beim alten

Die Ergebnisse aus dem Versuch belegen auf beinahe allen Spuren der Kreuzung eine Kapazitätssteigerung. Beinahe so, wie sich das die kantonalen Verkehrsplaner errechneten. Eine Mehrbelastung der Mattstrasse ist nun aber trotzdem das Hauptargument, die Untere Bahnhofstrasse weiterhin als Einbahnstrasse an der Rudenzburg-Kreuzung zu belassen.

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