Der Duftmacher - für seine Maturaarbeit hat Leon Munishi sein eigenes Parfum kreiert

Das Parfum duftet nach Zitrone, Pfeffer und Rosmarin und ist aus ätherischen Ölen hergestellt. Bis Leon Munishi die richtige Duftnote fand, musste er ganz viel pröbeln.

Lara Wüest
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Jean-Baptiste Grenouille, die Hauptfigur aus dem Roman «Das Parfum» von Patrick Süskind, ist von Düften so besessen, dass er für deren Kreationen tötet. Seine Genialität endet im Wahnsinn. Die Geschichte über den Parfümeur, der ohne Eigenduft zur Welt kommt, findet der Kantonsschüler Leon Munishi zwar «etwas unrealistisch». Doch wie viele andere Lesende war auch er von dem Buch begeistert – vielleicht sogar noch etwas mehr als die anderen. Denn Leon Munishi hat mit Grenouille eines gemeinsam: die feine Nase.

Der 18-Jährige aus Bronschhofen liebt Düfte. Meistens sind sie das Erste, was er an anderen Personen wahrnimmt. Oder, wenn er einen Raum betritt. Immer hat er selber einen Duft aufgetragen. Im Sommer einen leichten, dann duftet er nach Zitrusfrüchten und Gewürzen. Im Winter dagegen nach Holz und Vanille. Bei Munishi zu Hause stehen über zehn Flakons mit unzähligen Duftnoten. «Je nach Stimmung und Anlass wähle ich ein anderes Parfüm», sagt der Kantonsschüler. Als er ein Thema für seine Maturaarbeit finden musste, war schnell klar: Er wollte sein eigenes Parfüm herstellen. Wie aufwendig das werden würde, konnte er sich damals nicht vorstellen.

Langes pröblen für den richtigen Duft

Mit zahlreichen Inhaltsstoffen hat Munishi herumgepröbelt. Wie viele genau, weiss er nicht mehr. Doch nichts hat funktioniert. «Aus den Essenzen liessen sich einfach nicht genug ätherische Öle gewinnen», sagt er.

Ein Parfüm besteht aus einer Mischung aus Alkohol und Duftstoffen. Bei diesen handelt es sich in der Regel um ätherische Öle, die synthetisch hergestellt oder aus natürlichen Produkten gewonnen werden. Zum Beispiel aus Pflanzen oder Gewürzen. Mittels Wasserdampfdestillation, Extraktion oder Auspressen können die Öle herausgelöst werden.

Da Munishi nicht über das Equipment für die Herstellung von synthetischen Duftstoffen verfügte, musste er seine ätherischen Öle aus natürlichen Stoffen gewinnen. Die Schwierigkeit dabei war, dass er zu Beginn nicht wusste, welcher Stoff wie viel Öl liefert. Einmal brauchte er zum Beispiel drei Kilogramm Naturalien für fünf Gramm Öl. Welche Pflanzen er dafür verwendete, weiss er nicht mehr. Nur die Zahlen sind in seinem Kopf hängen geblieben. «Das funktionierte nicht», sagt er dazu trocken. Nach einigen Versuchen hatte er dann aber seinen ersten Duftstoff gefunden: die Zitrone. Ihre Schale enthält viel Öl, das sich für die Herstellung von Parfüms gut eignet. Für Munishi war klar, dass die Zitrusfrucht die Kopfnote seines Duftes werden sollte.

Parfümhersteller unterscheiden drei Duftbestandteile: die Basisnote, die Kopfnote und die Herznote. Die Basisnote ist das Fundament eines Parfüms und duftet am längsten, manchmal bis zu mehreren Tagen. Die Kopfnote ist das, was als Erstes in die Nase steigt und auch als Erstes wieder verfliegt, meist nach einigen Minuten. Die Herznote beschreiben Fachleute als «den Charakter» eines Duftes. Sie ist mehrere Stunden zu riechen.

Kurz, nachdem sich Munishi für die Zitrone als Kopfnote entschieden hatte, fand er auch eine passende Basisnote: den Pfeffer. Auch daraus liess sich genügend ätherisches Öl gewinnen. Nur mit der Herznote tat er sich schwer. Erst der Besuch beim Duftexperten Peti Nüesch in Wuppenau brachte ihn einen Schritt weiter. «Er brachte mich auf die Idee, Rosmarin als dritte Essenz zu wählen.» Und so hatte der Kantonsschüler die Stoffe für seine Duftkreation zusammen. Doch auch dann war der Weg zum eigenen Parfüm noch ein weiter. Denn nun musste er die Zitrone, den Rosmarin und den Pfeffer im richtigen Verhältnis mischen. Tropfen für Tropfen erarbeitete er sich seine Kreation.

Vorerst bleibt das   Duftmischen ein Traum

Viele Stunden investierte Munishi in seine Maturaarbeit. Doch das hat sich gelohnt – nicht nur wegen der guten Note. «Das ist mein Duft, den gibt es nur einmal», sagt er und spritzt sich diesen auf die Haut. Ein Geruch nach Zitrone und Rosmarin breitet sich aus und seine Nasenflügel weiten sich. Der Duftmacher ist jetzt in seinem Element.

Düfte sind Munishis Leidenschaft. Vom Parfümherstellen hat er aber erst einmal genug. Nach seinem Abschluss will er als Erstes in der Baufirma seines Vaters arbeiten, dann in die RS. Danach möchte er studieren. Welches Fach, hat er noch nicht entschieden. Ins Duftgeschäft einsteigen will er vorerst nicht. Die Stellen in diesem Berufsfeld sind äusserst rar. Zugleich gibt es in der Schweiz keine reglementierte Ausbildung. Wer Parfüms herstellen möchte, muss einen Job in einem Betrieb finden. Die Ausbildung erfolgt dann nach den Richtlinien der Firma. All das ist dem 18-Jährigen zu unsicher. Ganz aufgeben mag er den Traum vom Herstellen der eigenen Düfte aber nicht. «Vielleicht lasse ich mich, wenn ich älter bin, doch noch zum Parfümeur ausbilden.»