«Der Ausdruck entscheidet»

Stefanie Zuberbühler ist die frischgebackene Schweizer Meisterin unter den Bäcker-Konditoren. Als solche ist sie morgen im «Kassensturz» zu sehen. Zu Hause tauscht sie Spritzsack und Tortenbödeli gerne gegen Pinsel und Eimerbödeli.

Ursula Ammann
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Stefanie Zuberbühler: «Ich kann mir nur diesen Beruf vorstellen.» (Bild: ua.)

Stefanie Zuberbühler: «Ich kann mir nur diesen Beruf vorstellen.» (Bild: ua.)

GANTERSCHWIL. «Vor Weihnachten ist immer viel los», erklärt Stefanie Zuberbühler, während sie die Flaschen mit den Lebensmittelfarben in die Schublade versorgt. 100 Biber hat sie heute gebacken und garniert. Für ein paar Stunden kehrt nun aber Ruhe ein in der Backstube der Bäckerei Kuhn in Brunnadern. Die Geräte sind verstummt, nur der Kühlraum brummt. Es ist sieben Uhr abends. Feierabend für Stefanie Zuberbühler. Als Lehrling musste sie auch in der Nacht arbeiten. Obwohl, ein Müssen war das nie. «Ich stehe sehr gerne nachts auf», sagt die Ganterschwilerin. Das Aufstehen und Arbeiten in der Nacht sei mitunter ein Grund gewesen, weshalb sie so fasziniert gewesen ist vom Beruf der Bäckerin-Konditorin. Am meisten gefällt ihr aber die Abwechslung und das Kreativsein.

Von Backstube ins Fernsehen

Dass sie einmal den Titel als Schweizer Meisterin gebacken kriegen würde, das hätte sich Stefanie Zuberbühler in den süssesten Träumen nicht ausgemalt. «In erster Linie wollte ich meine Lehre gut abschliessen», sagt sie. Was auch gelang. Mit einer Abschlussnote von 5,5 war sie die Beste des Kantons und qualifizierte sich so erst für die Meisterschaft. Dort wiederum setzte sie sich gegen die Besten der anderen Kantone durch und erlangte den ersten Rang. «Sonst ist aber alles beim alten geblieben», sagt Stefanie Zuberbühler und scheint darüber gar nicht unglücklich zu sein. So steht sie nach wie vor gerne in der Backstube der Bäckerei Kuhn, wo sie schon ihre Lehrzeit verbrachte. Wobei: es sei schon erstaunlich, wer sich plötzlich für einen interessiere, wenn man diesen Titel habe, fügt die 19-Jährige an. Kürzlich wurde sie nämlich vom Schweizer Fernsehen als Expertin aufgeboten. Morgen abend ist sie als Expertin im «Kassensturz» zu sehen, wo sie verschiedene Panettone testet.

Am liebsten pure Schokolade

Sorgfältig legt Stefanie Zuberbühler A4-grosse Fotos vor sich auf den Tisch. Süsse Erinnerungen an die Schweizer Meisterschaft. «Als das erste Produkt gelang, ist mir ein grosser Stein vom Herzen gefallen», erinnert sie sich. Man müsse schon die Ruhe bewahren in solchen Situationen. «Eine Bewegung zu viel, und man verliert wertvolle Zeit.» Innerhalb von fünf Stunden fertigte Stefanie Zuberbühler an jenem 16. November von Grund auf verschiedene Brote, Brötchen, Hefesüssteig- und Blätterteiggebäcke sowie einen Zopf. Zudem garnierte sie Torten, modellierte Marienkäfer aus Marzipan und kreierte Schmetterlinge aus Buttermasse. Verleiden eigentlich Süssigkeiten einer Bäckerin-Konditorin nicht? «Nein», lacht Stefanie Zuberbühler. Doch auf Torten und Crèmeschnitten könne sie auch mal verzichten. Am liebsten mag die Schweizer Meisterin pure Schokolade.

Freizeit: Backofen bleibt kalt

Zu Hause schmeisst Stefanie Zuberbühler den Backofen nur ganz selten an. «Ich backe ja wirklich leidenschaftlich gerne, aber in der Freizeit will ich einfach mal etwas anderes machen», sagt sie. Zum Beispiel Handorgel spielen und Eimerbödeli bemalen. Ihre Spezialität dabei sind Alpaufzüge. Doch auch wenn die Motive auf dem Eimerbödeli etwas andere sind als auf der Torte: Parallelen gibt es dennoch. «Wenn die Ausdrücke in den Gesichtern nicht fröhlich sind, spricht das Werk als Ganzes nicht an», erklärt Stefanie Zuberbühler. Ob das nun beim Senn oder beim Marienkäfer sei. Und nicht zuletzt gilt das auch für die Ganterschwilerin selbst: Wenn Stefanie Zuberbühler vom Backen und Garnieren spricht, strahlt sie wie ein Honigkuchenpferd. «Ich könnte mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen», schwärmt sie. Man könne aber auch als Schweizer Meisterin noch viel lernen. In Stefanie Zuberbühlers Rezept der Zukunft steht deshalb: «Stets neue Erfahrungen und Ideen sammeln.» Die Zutaten Engagement und Begeisterung verstehen sich dabei von selbst.