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Der anonyme Mensch

Seitenblick
Jonas Manser
Das in die Jahre gekommene Häxähuus beim Stadtweier darf bis auf weiteres nicht für Jugendanlässe genutzt werden. (Bild: Jonas Manser)

Das in die Jahre gekommene Häxähuus beim Stadtweier darf bis auf weiteres nicht für Jugendanlässe genutzt werden. (Bild: Jonas Manser)

Im Internet kann jeder Nutzer seiner Meinung freien Lauf lassen – dies in mehr oder weniger vollständiger Anonymität. Endlich die Gelegenheit, einmal so richtig die Sau rauszulassen. Anstand? Kann man das essen? Zivilisiertes Diskutieren? Eher gegenseitiges Beschimpfen. Es herrscht (noch) komplette Narrenfreiheit. Konsequenzen für sein missliches Verhalten gibt es keine. Darum sehen die meisten auch keinen Grund, sich zusammenreissen zu müssen.

Beschimpfungen, Mobbing und allgemein fragwürdiges Verhalten wird an den Tag gelegt. Ein überaus reales Problem unserer digitalen Gesellschaft. Der Umgang mit Mitmenschen, oder besser gesagt den «Usern», geht verloren. Seit einigen Jahren muss beispielsweise in Südkorea hinter jedes Forum-Benutzerkonto eine Identität hinterlegt werden. Es gab bereits Fälle, in denen Personen für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen worden sind. Da überlegt man sich zweimal, ob ein Kommentar angemessen ist, oder nicht.

Wenn Sie jetzt denken: «Das tangiert mich nun mal überhaupt nicht! Ich benutze das Internet für solchen Mist nicht», so frage ich Sie: Wie verhalten Sie sich denn im Strassenverkehr? Im Mikrokosmos der eigenen Sardinenbüchse sind Sie nur eine Nummer im System des Strassenverkehrsamtes. In Ihrer kleinen Welt sind Sie die Pächter der Wahrheit und der korrekten Fahrweise. Alle anderen sind schuld daran, dass sich vor Ihnen ein Stau bildet. Da wird geflucht und gehupt. Sobald alle Sebastian Vettel des normalen Strassenverkehrs einmal ihre Rennboliden parkiert haben, kehrt wieder Normalität ein: Immer schön höflich sein.

Im «echten» Leben ist man nicht anonym. Einen Leserbrief zu schreiben oder an öffentlichen Podien zu diskutieren, das benötigt eine Portion Mut oder eine gewisse Narrheit – wie man es nimmt. Man exponiert sich und seine Meinung, ob richtig oder falsch. Im vollen Bewusstsein, dass Ihr Verhalten Konsequenzen haben könnte: Würden Sie weiterhin den gleichen Umgang im Internet pflegen? Wahrscheinlich nicht. Zeigt sich unser wahrer Charakter erst in der Anonymität? Vieles spricht dafür.

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

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