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Damals: Der Abbruch des alten «Sternen» in Nesslau und weitere bemerkenswerte Ereignisse aus der Toggenburger Geschichte

Viel Prominenz ging einst im «Sternen» in Nesslau ein und aus: General Guisan, Bundesrat Minger und verschiedene Wirtschaftsführer und Politiker. Vor 50 Jahren wurde das einst bedeutende Hotel abgebrochen.

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Vor rund 50 Jahren wurde der «Sternen» in Nesslau abgebrochen. Sogar General Guisan war in diesem zu Gast.

Vor rund 50 Jahren wurde der «Sternen» in Nesslau abgebrochen. Sogar General Guisan war in diesem zu Gast.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

(red) 17. Juli: Bütschwil. Eine aufregende Jagd gab es ausserhalb St.Ottilien auf der Kapfstrasse. Ein Polizist aus dem Kanton Uri begleitete einen «Kurgast» nach der Bitzi, der sich bis zu dieser Strasse ganz harmlos und gefügig zeigte. Sobald er dann aber die «Kurhauslust» immer näher witterte, packte er seine Begleiter, warf ihn die Böschung hinunter und suchte das Weite. Doch: der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. Auf die Hilferufe des Polizisten waren bald einige beherzte Männer zur Stelle, die den Ausreisser, nachdem er verschiedene Hindernisse genommen hatte, festnehmen konnten. Seine «Kur» wird als Belohnung für seine «Bemühungen» dementsprechend verlängert werden.

21. Juli: Wattwil. Ein frecher Einbruch wurde im Hauptlokal des hiesigen Konsumvereins verübt. Der diensttuende Nachwächter bemerkte um ca. 2 Uhr zeitweiliges Licht in den dortigen Kellerräumlichkeiten, worauf er die Hausbewohner alarmierte. Ein gewisser Hug aus dem Luzernischen hatte das Kellerfenster eingedrückt und war eifrig daran, Lebensmittel zusammenzuraffen. Der avisierten Polizei gelang es den Einbrecher festzunehmen, und es wurde konstatiert, dass der Eindringling bereits Weinflaschen, Butter und Sardinenbüchsen eingepackt hatte. Der schon vorbestrafte Verbrecher sitzt nun hinter Schwedischen Gardinen im Gemeindearrest. Man vermutet, dass er mit dem Urheber des in der vorherigen Nacht in der Konsumbäckerei im Bleiken verübten Einbruch identisch ist. Gross ist seine Beute auch in diesem Falle nicht gewesen, da er ausser etwas Kleingeld nur einige Liter Milch mitlaufen lassen konnte.

Vor 50 Jahren

22. Juli: Hemberg. Im Zuge der Rationalisierung im Schulwesen und nicht zuletzt auch als Auswirkung des Lehrkräftemangels, soll im Herbst 1970 die Schule in der Mistelegg aufgehoben werden. Der Lehrer Emil Dürst, 6. Klasse, wird im kommenden Herbst pensioniert. Aus der Geschichte des Schulkreises Mistelegg vermag folgendes zu interessieren: Im Jahre 1902 zählte der Schulkreis Mistelegg als flächenmässig grösster Schulkreis der Gemeinde Hemberg 85 bis 90 Schüler. Das hintere Neckertal wies noch eine recht dichte Besiedelung auf. Zudem gab es durchwegs kinderreiche Familien, und ein Dutzend Kinder pro Familie waren keine Seltenheit. In einem Protokollauszug aus dem Jahre 1860 geht hervor, dass die Bewohner sehr arm waren und die Kinder mangels ordentlicher Kleider keine Examenfeiern besuchen konnten. Im Jahre 1934 zählte die Schule noch 42 Schüler in acht Klassen. Dies war immer noch eine recht schwere Aufgabe für einen Lehrer. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind im Kreis Mistelegg zwölf Haushaltungen eingegangen. Die Familien sind abgewandert und der Bevölkerungsbestand hat sich um 40 Prozent reduziert. Die Liegenschaften wurden fast durchwegs von kapitalkräftigen Leuten aus der Stadt gekauft. Die Häuser werden als Ferienhäuser benützt und der Boden wird verpachtet.

22. Juli: Nesslau. Das ehemalige Hotel Sternen, dessen Abbruch in vollem Gange ist, spielte in der Geschichte von Nesslau eine bedeutende Rolle. Dieser einst führende Hotelbetrieb des Obertoggenburgs wurde im Jahre 1876 von der Familie Grob übernommen. Welche Bedeutung das Hotel für den Fremdenverkehr hatte, geht unter anderem daraus hervor, dass in der Saison öfters 80 bis 100 Gäste gebucht werden konnten, die zum Teil in Privathäusern untergebracht waren. Viel Prominenz ging in den Jahrzehnten im «Sternen» ein und aus, so General Guisan, Bundesrat Minger und verschiedene Wirtschaftsführer und Politiker. Erfreulich ist, dass das neue Hotel, welches im September 1970 eröffnet wird, für den Fremdenverkehr sehr wertvoll ist, dann es wird mit den modernen Einrichtungen auch gehobenen Ansprüchen genügen.

Vor 20 Jahren

20. Juli: Kirchberg. Anfangs August tritt der Schweizer Altrocker Polo Hofer mit seiner Schmetterband am Open Air in Kirchberg auf.

21. Juli: Nesslau. An der rechtsseitigen Bergflanke, am Ijentalerberg, hat sich ein gewaltiger Erdrutsch gelöst. Über 1000 Kubikmeter Steine und Schlamm glitten und stürzten ab und rissen rund 120 Festmeter Bergwald mit sich. Im Toggenburg gehören Erdrutsche und Schlipfe zum Alltag der Schlechtwetter-Perioden. Bergstürze, Erdrutsche in Zusammenarbeit mit dem Wasser, schufen in den vergangenen Jahrtausenden das Aussehen des Thurtals und damit des Toggenburgs.

Vor 10 Jahren

19. Juli: Alt St.Johann. Im Februar war der Spatenstich zum Umbau des Hauses zu Mühle – künftige Klangschmiede und Sitz der Klangwelt Toggenburg. Jetzt ist das Haus ausgeräumt und die Umgebungsbauarbeiten sind im Gange. Zwischen dem Platz und dem Haus plätschert Wasser. Wie einst soll wieder ein Mühlrad für die Produktion der nötigen Energie sorgen. Das neue Mühlrad wird aus Metall hergestellt. «Ein sogenanntes oberschlächtiges Wasserrad, das eine Leistung von 5,4 Kilowattstunden erbringen wird», erklärt Alois Ebneter, Projektleiter der Klangschmiede. Dies mit Wasser, das vom Zwinglipass unter der Erde zu Tal fliesst und einige Meter hinter dem Haus zur Mühle aus einer Quelle sprudelt. Rund 120 Liter Wasser pro Sekunde mit einem Gefälle von 4,6 Meter werden das Wasserrad antreiben. Über Transmissionsriemen werden die Bohrer und Schmiedehämmer in der Werkstatt angetrieben und ein Generator soll Strom erzeugen.

22. Juli: Mosnang. An den Leichtathletik-Schweizer-Meisterschaften in Lugano gewann die U23-Internationale Elisabeth Graf Gold und Bronze. Beim Kugelstossen erreichte sie eine persönliche Bestweite. Schweizer Meisterin Elisabeth Graf führt die Bestenliste von Swiss Athletics im Diskuswerfen mit 48,74 Metern an. In Zukunft wird die U23-Internationale ihre bisherige Spezialdisziplin Diskus im Gegensatz zum Kugelstossen nicht mehr im gleichen Umfang trainieren. Der sportliche Trend geht Richtung Mehrkampf. Diskus gehört nicht zum Wettkampfprogramm. Graf wurde nun bereits für ein internationales Meeting im französischen Lille aufgeboten.