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Anwohner kämpft gegen Deponie in Schutzgebiet in Oberbüren: «Ich muss mich gegen diese Idee wehren»

Manfred Moser ist gegen die Aufnahme des Gebiets Thurhof als Deponiestandort in den Richtplan. Er hat seine Gründe.
Zita Meienhofer
Das Gebiet zwischen dem Thurhof und dem Geissberg soll als Deponiestandort Thurhof in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden. Gegen dieses Vorhaben wehrt sich Manfred Moser. (Bilder: Zita Meienhofer)

Das Gebiet zwischen dem Thurhof und dem Geissberg soll als Deponiestandort Thurhof in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden. Gegen dieses Vorhaben wehrt sich Manfred Moser. (Bilder: Zita Meienhofer)

Das gehe doch nicht, habe er sich gedacht, als er erstmals davon Kenntnis erhielt, dass das Gelände neben dem Thurhof in Oberbüren als Deponiestandort in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden soll. Manfred Moser kennt das Gebiet sehr gut. Er bewirtschaftete während Jahren den Hof Ehrenzell, der unterhalb des Geissbergs liegt, auf der Grenze der Gemeinden Oberbüren und Niederhelfenschwil. Auf diesem Hof ist er aufgewachsen und wohnt seit 50 Jahren dort.

Von seinem Küchenfenster sieht er über den Klosterstich auf die Thurebene nach Oberbüren und Uzwil bis zum Alpstein. Ein herrlicher Ausblick. Er weiss deshalb, dass der Standort dieser allenfalls künftigen Deponie in der Landschaftsschutzzone liegt, er weiss, dass in diesem Gebiet eine geschützte Hecke steht. «Ich war deshalb schon sehr erstaunt, dass eine Deponie an diesem Standort auf politischer Ebene plötzlich möglich sein soll – und dass das Vorhaben zudem von den Naturschutzorganisationen unterstützt wird», sagt er.

Schützenswertes Gebiet wird zur Deponie

Die Befürworter argumentieren, dass die Nutzflächen nach der Auffüllung des Wieslandes für die Landwirtschaft besser zu bearbeiten seien. Manfred Moser ist da anderer Meinung: «Da terrassiert aufgefüllt wird, werden die Anbauflächen kleiner, jene Flächen wohlverstanden, die auch als Fruchtfolgeflächen ausgeschieden sind.» Es erstaunte ihn auch, dass ein Richtplan, der für mindestens 20 Jahre Gültigkeit haben sollte, bereits wieder angepasst werden kann.

«Das Gebiet wurde 2012 als Landschaftsschutzzone aufgenommen, nun soll dieses Vorgehen wieder nichtig sein», fragt er sich.

Unbegreiflich ist für ihn, dass sich auch Naturschutzorganisationen für dieses Projekt ausgesprochen haben. «Dass sie bei solchen Eingriffen keine Bedenken haben, ist für mich unverständlich. Entweder schützen sie die Natur, oder sie haben diesen Namen nicht verdient.»

Der Untergrund ist eine Wundertüte

Manfred Moser, der Jahrzehnte das Land am Klosterstich bewirtschaftete, die Begebenheiten bei der Klosterstich-Sanierung im Detail mitverfolgte, kennt den Untergrund, das Gestein dieses Gebietes. Seiner Ansicht nach eignet es sich auch aus geologischen Gründen nicht, im Gebiet Thurhof eine Deponie zu erstellen. «Alle 50 Zentimeter befindet sich eine andere Gesteinsart. Einzelne Sondierungen, wie sie bislang gemacht wurden, nützen nichts», erklärt er. Der Klosterstich sei ein Moränenhügel, aus diversem Gestein gemischt.

Ebenso bemängelt er, dass eine Deponie in diesem Ausmass über längere Zeit das Gewässer verschmutzen könne. «Einerseits durch den Ölverlust von Maschinen, anderseits durch die Beigabe von chemischen Mitteln, die zur Verfestigung des Aushubes eingesetzt werden», so Moser. Er hat sich darüber bei kantonalen Stellen eingehend informiert und weiss deshalb, dass diese Mittel erlaubt sind. «Trotzdem», sagt er, «kann ihre Wirkung in der Nähe von fliessenden Gewässern nicht ungefährlich sein.»

«Die Strassen zwischen Klosterstich und Uzwil sind jetzt schon oft stark überlastet. Hinzu kommt künftig die Mehrbelastung der Fahrzeuge, die vom neuen Logistikzentrum der Firma Fust hin- und wegfahren», so Moser.

Er denkt da vor allem an die Velofahrer, an die Schulkinder, die vom Sonnental nach Oberbüren fahren. Beeinträchtigt ist bei einer allfälligen Deponie auch die Wanderroute von Oberbüren/Uzwil auf den Geissberg, die sehr rege benutzt wird. Der Wanderweg verläuft quer durch die Deponie, eine alternative Route in der Nähe existiert nicht.

Manfred Moser geht es um den Schutz der Landschaft, um den Erhalt einer geschützten Zone. Das betont er immer wieder. Doch noch mehr geht es ihm auch um seinen eigenen Schutz. «Es geht mir gesundheitlich nicht gut und daraus mache ich auch kein Geheimnis», sagt er. Sein Zustand ist fragil, er muss sich konzentrieren, damit er das, was er sagen möchte, sagen kann. Er hat es stichwortartig notiert. Doch, was er letztlich sagen möchte, das sagt er deutlich: «Ich muss mich gegen die Idee, dass das Gebiet Thurhof als Deponiestandort in den kantonalen Richtplan aufgenommen wird, wehren.» Ein Schreiben an die entsprechende Stelle des Kantons hat er vorbereitet.

Seine Erkrankung machte ihn lärmempfindlich

Von einem Burn-out vor einigen Jahren hatte er sich noch immer nicht erholt. Musste seinen Landwirtschaftsbetrieb verpachten. Seine Psyche ist instabil. Vor einem Jahr traf ihn ein weiterer Schicksalsschlag: Krebs wurde diagnostiziert. Nach einer Chemotherapie geht es ihm besser. Doch er muss auf seinen Körper achten, darf auch seine Psyche nicht überlasten. Und: Er ist lärmempfindlich geworden. «Ist die Grastrocknungsanlage in Uzwil in Betrieb, stresst mich der Lärm sehr», erklärt er. Auch die Bauarbeiten auf der Grossbaustelle Fust in Oberbüren sind auf dem Hof Ehrenzell gut zu hören. Den Baulärm ertrage er fast nicht, erklärt er. Falls die Deponie Thurhof Realität wird, erwägt Moser sogar einen Wegzug: «Ich halte den Lärm nicht aus, wenn alle zwei bis drei Minuten ein Lastwagen seine Ladung kippt.»

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