Den Wahlkampf entpolitisieren

Gemeinderat und Schulräte der Gemeinde Kirchberg haben am Mittwoch zur Informationsveranstaltung zum Thema Einheitsgemeinde in das Mehrzweckgebäude Silberwis eingeladen. Die grösste Diskussion löste die Organisationsform der Schule in der Einheitsgemeinde aus.

Martina Signer
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Werner Messmer, Schulratspräsident Gähwil, Orlando Simeon, Schulratspräsident Kirchberg, und Gemeindepräsident Christoph Häne (von links). (Bild: Martina Signer)

Werner Messmer, Schulratspräsident Gähwil, Orlando Simeon, Schulratspräsident Kirchberg, und Gemeindepräsident Christoph Häne (von links). (Bild: Martina Signer)

GÄHWIL. Am 1. Januar 2017 startet die Gemeinde Kirchberg als Einheitsgemeinde. Die Schulgemeinden Gähwil und Kirchberg werden in die Politische Gemeinde inkorporiert. Dies zieht eine Teilrevision der Gemeindeordnung nach sich. Die Kernfrage ist allerdings folgende: Wie soll die Schule in der Einheitsgemeinde organisiert sein? Um dies zu regeln, schreibt das Gesetz drei Varianten vor (siehe Zweittext). Während sich die drei beteiligten Räte bereits früher für die Variante eines vom Volk gewählten Schulrates ausgesprochen haben, wurden am Mittwoch auch Voten für die Schulkommission vorgebracht.

Fähigkeiten im Vordergrund

Dass es in der heutigen Zeit nicht einfach ist, Mitglieder für Räte zu rekrutieren, darin waren sich wohl alle Anwesenden einig. Dies ist wohl der Hauptgrund, warum sich die Befürworter der vom Gemeinderat gewählten Schulkommission für ebendiese Variante aussprachen. Vor allem die Parteien stünden vor neuen Amtsdauern immer in der Pflicht, Kandidaten zu suchen. Dies will beispielsweise die CVP ändern, wie deren Parteipräsident Thomas Feller ausführte. «Die Bereitschaft, sich für ein Amt zur Verfügung zu stellen, scheitert immer wieder daran, dass sich die Personen nicht exponieren wollen.» Ebenfalls wollen sich viele nicht für eine Partei entscheiden. Aber es sei doch völlig egal, ob jemand einer Partei angehöre oder nicht. Die Hauptsache sei, dass sich die Person mit Schulfragen auskenne und sich für Bildungsbelange einsetzen wolle. Unter diesen Aspekten sieht er die Schulkommission als bessere Organisationsform. Ausserdem ist er der Meinung, dass man die Kandidatensuche nicht nur den Parteien zuschieben dürfe. «Dorfvereine sollten ebenso in die Pflicht genommen werden, geeignete Personen zu suchen.» Doch deshalb auf die Schulratsform zu verzichten, wäre in Willy Schönenbergers Augen der falsche Weg. «Dorfvereine können auch nach Mitgliedern für einen Schulrat suchen und diesen im Wahlkampf unterstützen», ist sich der ehemalige Schulratspräsident sicher.

Volkswahl verpflichtet eher

Simon Seelhofer, der zurzeit für den Schulrat kandidiert, sieht es ähnlich wie Willy Schönenberger: «Dorfvereine sind auch bei der Rekrutierung von Schulratsmitgliedern gefragt.» Der Stellenwert eines Schulrates sei zudem höher als der einer Schulkommission. Wer sich nur vor dem Gemeinderat rechtfertigen müsse, könne ausserdem schneller aus einer Kommission aussteigen, wenn die Motivation einmal etwas kleiner ist als ein vom Volk gewählter Schulrat.

Jedes Dorf ein Schulrat?

Dass in einer Gemeinde mit fünf Dörfern irgendwann die Frage auftauchen würde, ob die einzelnen Dörfer in einem Schulrat oder einer Kommission genügend vertreten sein würden, war vorauszusehen. In einem reinen Volksentscheid sei die Vertretung der Dörfer weniger gewährleistet, so eine weitere Meinung. Ob es überhaupt noch neun Schulräte brauche, wollte Linus Thalmann, Präsident SVP Kirchberg, wissen. Wenn es so schwierig sei, Leute zu rekrutieren, könne man mit der Anzahl runterfahren. Dagegen spricht allerdings laut Orlando Simeon und Werner Messmer, dass die zeitaufwendigen Aufgaben eines Schulrates auf neun Mitglieder besser verteilt werden können und die Vertretungen aus allen Dörfern eher gegeben seien. Ausserdem machte Schulrätin Liliane Kurmann klar, wie wichtig der Besuch an den Schulen für Schulräte sei, auch wenn es einige Zeit in Anspruch nehme.