Den Lesestoff an die Haustür geliefert: Wie Bibliotheken der Region Wil und Toggenburg auf die Coronakrise reagieren

Verschiedene Bibliotheken in der Region haben einen Lieferservice aufgebaut. Das Angebot stösst auf durchweg positive Resonanz.

Tobias Söldi
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Ein Bild vergangener Zeiten: Das Stöbern in der Bibliothek geschieht zur Zeit digital.

Ein Bild vergangener Zeiten: Das Stöbern in der Bibliothek geschieht zur Zeit digital.

Bild: Stefan Kaiser

Wer genug von all den negativen Meldungen rund um die scheinbar unaufhaltsame Verbreitung des Coronavirus hat und stattdessen wieder einmal positive Neuigkeiten hören will, sollte sich an die Bibliotheken in der Region wenden. Da ist unisono die Rede von «grosser Begeisterung», «viel Dankbarkeit» und «glücklichen Kunden».

Der Grund für die freudigen Worte sind die Abhol- und Lieferservices, die zahlreiche Bibliotheken in der Region in den vergangenen Wochen eingerichtet haben. Vielerorts können Bibliothekskunden ihre Medien online oder telefonisch bestellen, danach werden sie zum Abholen bereitgestellt oder sogar vor die Haustüre geliefert.

70 Haushalte mit Büchern beliefert

Eine Institution, die diesen Service anbietet, ist die Bibliothek Ludothek Degersheim. Einmal in der Woche, jeweils am Dienstagabend, geht das Team auf Verteiltour. Leiterin Marianne Hälg erzählt:

«Auf den ersten Auslieferungstermin hin sind wir fast überrannt worden.»

70 Haushalte belieferte das Team am Dienstag vor einer Woche. Aktuell sei die Zahl auf etwa 40 Haushalte gesunken; in diesem Bereich sich die Lieferungen in den nächsten Wochen wohl einpendeln werde, vermutet Hälg.

Auch die Bibliothek OZ Thurzelg in Oberbüren beliefert ihre Kunden mit Lesestoff, dies jeweils am Samstag. «Vergangene Woche haben wir 92 Bücher an elf Personen geliefert. Da war der Kofferraum des Autos ziemlich voll», sagt Bibliotheksleiterin Jeannette Bühler. Nach anfänglicher Zurückhaltung werde das Angebot mittlerweile fleissig genutzt, Tendenz steigend.

«Wir erhalten täglich Reservationen.»

Kinder, die das Lesen für sich entdeckt haben

Andere Bibliotheken bereiten ihre Medien zum Abholen vor. Dafür haben die Verantwortlichen der Bibliothek Mosnang einen Kasten für die Bestellungen und einen für die Rückgaben beim Eingang des Oberstufenschulhauses aufgestellt. Co-Leiterin Andrea Gmür: «Wir erhalten jeden Tag fünf bis sechs Bestellungen, die wir alle zwei bis drei Tage bearbeiten.» Mithilfe von Freiwilligen, vermittelt von der Gemeinde, würde die Bibliothek grundsätzlich auch Auslieferungen vornehmen. Aber: «Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet.»

Gmür ist überzeugt davon, wie wichtig es für die Bevölkerung ist, dass die Bibliotheken ihr Angebot aufrechterhalten können. Einerseits mit Blick auf die vielen freien Stunden, mit denn viele plötzlich konfrontiert sind. «Wir haben Kunden, die in ihrer Freizeit stundenlang lesen. Ich habe auch schon von Kindern gehört, die das Lesen für sich entdeckt haben.» Andererseits aber auch mit Blick auf die Befindlichkeit der Bevölkerung:

«Es geht auch darum, den Leuten zu zeigen, dass nicht alles verboten wird, dass zum Beispiel die Bibliotheken noch etwas bieten können.»

In Quarantäne und zur Desinfektion

Dabei müssen die Bibliotheken verschiedene Massnahmen einhalten, wie eine Mitteilung von Bibliosuisse zeigt. Der Verband der Schweizer Bibliotheken empfiehlt unter anderem, zurückgebrachte Bücher für drei Tage unter Quarantäne zu halten und zu reinigen, bevor sie wieder ausgeliehen werden.

Die hiesigen Bibliotheken halten sich dran. In Flawil, erklärt Leiterin Karin Häfliger, darf nur eine Person den Eingangsbereich betreten, wo die Bestellungen zum Abholen bereitstehen. Und Marianne Hälg aus Degersheim erzählt, wie beim Verpacken und Ausliefern jeweils Handschuhe verwendet werden. Dann aber sollte dem Lesevergnügen nichts mehr im Wege stehen.

Hinweis: Informationen zu den Angeboten der erwähnten und weiterer Bibliotheken finden sich auf deren Websites.