Den Launen der Natur ausgesetzt: Trotzdem sind die Bauern aus der Region zuversichtlich

Der Hitzesommer mit der anhaltenden Trockenheit fordert die Bauern heraus. Das bedeute aber nicht, dass sie deswegen ihre Betriebsstrategie ändern müssten, sagen zwei Fachleute vom landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen.

Martin Brunner
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Christoph Gämperli (links) und Richi Hollenstein sind beeindruckt, wie gut die Bauern mit der Natur umgehen. (Bild: Martin Brunner)

Christoph Gämperli (links) und Richi Hollenstein sind beeindruckt, wie gut die Bauern mit der Natur umgehen. (Bild: Martin Brunner)

Der Hitzesommer 2018 hat mit seiner anhaltenden Trockenheit die Landwirtschaft und somit die Bauern fest im Griff. Verdorrende Maispflanzen, ausgetrocknete Äcker und braune Wiesen sind der Beweis dafür. «Auch in unserer Region trifft es die meisten Bauernfamilien sehr hart», sagen Christoph Gämperli (Ackerbau) und Richi Hollenstein (Obstbau) vom landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Flawil. «Da unser Gebiet vom Futterbau geprägt ist, fehlt den Landwirten jetzt schon viel Futter für ihre Tiere. Diese Situation wird sich kaum entschärfen, weil Tierfutter in ganz Europa sehr knapp geworden ist.»

Sicher ist für Christoph Gämperli und Richi Hollenstein, dass die Bauern nichts falsch gemacht haben. «Wie keine andere Branche sind die Bauern den Launen der Natur ausgesetzt», sagen die beiden. «Sie bestimmt zu einem grossen Teil über Erfolg oder Misserfolg. Das zeigt sich einmal mehr eindrücklich. Noch eindrücklicher aber ist, wie gut die Landwirte damit umgehen. Sie wissen, dass sie die Natur nicht steuern können.»

Nicht gleich alles in Zweifel ziehen

Richi Hollenstein erwähnt dabei das Jahr 2016, als die Nässe von April bis Ende Juni kaum mehr zu ertragen war. 2017 trafen der Blütenfrost und der starke Schneefall Ende April viele Bauern hart. «Solche Ereignisse belasten die Bauernfamilien extrem stark, denn Momentaufnahmen sind immer schlimm. Unsere Kontakte mit ihnen zeigen aber immer wieder, dass sie letztendlich nicht überreagieren. Sie machen ihre Abrechnung über mindestens ein, wenn nicht über mehrere Jahre.» Auch Christoph Gämperli erklärt zustimmend: «Nach einem einmaligen Ereignis ist es nicht nötig, gleich alles in Zweifel zu ziehen. Denn unsere Böden mit ihren Naturwiesen sind und bleiben aufgrund der langfristigen klimatischen Bedingungen ideal für Natur- und Kunstwiesen sowie Mais- und Getreideanbau.»

Und Gämperli kommt nicht umhin zu erwähnen, dass es in der Region für die Maisaussaat oft sogar zu feucht sei. Was bedeute, dass sich die Bauern in diesem Jahr sehr wohl Gedanken machen würden, wie sie ihre Tiere im nächsten Winter satt bringen können. Auch Zweifel wären durchaus verständlich. Aber gleich ihre ganze Betriebsstrategie über den Haufen zu werfen, sei nicht nötig. Gleichzeitig sei es gut möglich, dass der eine und andere Bauer in Zukunft Futterüberschüsse vermehrt einlagere, statt sie zu verkaufen, um künftig gewappnet zu sein.

Auf die Zukunft vertrauen

Als Fazit müssen die Bauern darauf vertrauen, dass sich die Wetterkapriolen nicht jedes Jahr wiederholen werden. «Sie wissen, dass im Fürstenland der Futteranbau über viele Jahre gesehen optimal funktioniert», erklären Christoph Gämperli und Richi Hollenstein. «Das ermutigt sie hoffentlich, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.» Und sie weisen auf ein einigermassen neues Phänomen hin: «Wir Menschen sind uns gewohnt, dass jedes Produkt überall und ziemlich schnell zu haben ist. Noch kaum je aber waren wir in der Situation, dass wie im Moment das Tierfutter nicht oder kaum verfügbar ist.»