Den Kopf frei machen für unsere Konsensgesellschaft

«Die Schweiz blickt nach Wil», Ausgabe vom 16. Mai

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Jetzt wurde sie eingeweiht, die mit 300 Einsprachen bekämpfte und viel angezweifelte Moschee der albanischen Gemeinschaft Wil: mit dem Aufmarsch von Tausenden von Moslems aus der ganzen Schweiz und auch einigen Schweizstämmigen. Jede Menge Würdenträger hielten Festreden auf Albanisch (?). Auch Vertreter aus Deutschland, Österreich, Dänemark waren angereist. Die Presse scheint recht sprachlos vor Bewunderung oder ob des Aufmarsches? Die Wiler Regierung förderte von Anfang an die Überbauung dieses recht «gefangenen» Grundstücks. Die Sonderregelung für nur 50 Parkplätze zeigt sich als klug. Man mag sich nicht vorstellen, was nach einem Fest bei 100 zusätzlichen Autos auf dem Rasen hinter der Moschee los wäre um Mitternacht. Das wird sozial auf die nähere Umgebung verteilt. Bekim Alimi spricht in der Broschüre von Förderung der Integration durch Beratung der Behörden und umliegenden Kliniken und Spitäler in religiösen Angelegenheiten. Die Moslems können aufatmen: endlich lernt ihr Gastland den richtigen Umgang mit ihnen. Die Vizepräsidentin des Dachverbands der islamischen Gemeinden der Ostschweiz zitierte – immerhin in Deutsch – den Iranstämmigen Navid Kermani, der es so gut verstanden hat, sich linksintellektuelle, deutsche Argumentationsweise zu eigen zu machen, dass er sogar als deutscher Bundespräsident gehandelt wurde. Sinngemäss etwa so: «Wer meint, sich integrieren zu müssen, liegt falsch. Man muss die eigene Kultur lieben und die andere respektieren . . . dann mussten Kopftuchtragende Frauen auch Weihnachtslieder singen.» Bekim Alimi könnte solche Zweiflerinnen ermuntern, den Hijab zu Hause zu lassen, um den Kopf frei zu machen für unsere wunderbare, liberale, säkulare Konsensgesellschaft, der Basis des Friedens und Wohlstands hier. Viele Muslimas tun es schon.

Urte Furrer, Zuzwil