Den Absprung verpasst

Seitenblick

Urs Nobel
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Vor zwei Wochen bombardierte der Presseverantwortliche von Simon Ammann die Schweizer Medien mit einer gross angelegten Werbekampagne zu Gunsten seines Mandanten. In professioneller Art und Weise brachte er den Sportinteressierten nah, dass die Skisprung-Saison wieder bevorstehe und dass Simon Ammann bestens gerüstet und topmotiviert sei.

Am Montag darauf die eher kurze Meldung, dass es dem Toggenburger in Wisla zusammen mit den anderen Schweizern nicht einmal gelungen sei, in den Final der besten 30 einzuziehen. Dies trotz besten Windverhältnissen.

Was hat Simon Ammann einst die Schweizer Sportbegeisterten bewegt, als er zweimal Doppel-Olympiasieger wurde. Unvergessen jene Siegerehrung, als der kleine sympathische Junge in seinem viel zu grossen silberfarbenen Mantel einen Jubelsprung machte. Doch diese Zeit ist längst vorbei. Simon Ammann hüpft seit einigen Jahren der Weltspitze hinterher. Und wahrscheinlich glaubt auch er nicht mehr daran, nochmals als Aktiver an einer Olympiade teilnehmen zu dürfen. Dafür müsste er sich zweimal unter den ersten 20 klassieren.

Doch warum hört er nicht einfach auf? Warum lässt er sich nicht verdientermassen verabschieden, um nachher irgendeine Tätigkeit beim Verband zu übernehmen? Es macht ganz den Anschein, als ob er schlechte Berater um sich hat. Und wenn es so ist, so muss man mit Simon Ammann Erbarmen haben. Einerseits deshalb, weil er nicht selber entscheiden kann, andrerseits, weil es ihm an jener Selbstständigkeit fehlt, die ein junger gleichaltriger Mann – oder auch gleichaltrige Frau – benötigt, um im täglichen Berufsleben zu bestehen.

Simon Ammann gibt sich immer mehr der Lächerlichkeit preis und das ist ihm wirklich nicht zu gönnen. Er hat seinen Abgang gründlich verpasst und bezahlt nun die Zeche. Bald interessiert es niemanden mehr, wie weit Simon Ammann noch springt und ob er dies mit einer guten Landung geschafft hat. Oder ob er gerade aus Trotz über diese vernichtenden Zeilen am Wochenende in Finnland wieder einmal mit einem Spitzenrang aufwartet? Es ist nicht davon auszugehen, aber es wäre ihm trotzdem zu wünschen.

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzeitung.ch