«Demokratie endet am Arbeitsplatz»

WIL. Die SP Wil und Alttoggenburg beging den Tag der Arbeit im Restaurant Gemsli in Wil. Juso-Schweiz-Präsident Fabian Molina erinnerte an die Anfänge der 1.-Mai-Bewegung vor 125 Jahren und ging mit dem demokratischen System hart ins Gericht.

Christoph Heer
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Juso-Schweiz-Präsident Fabian Molina bei seiner Ansprache. (Bild: Christoph Heer)

Juso-Schweiz-Präsident Fabian Molina bei seiner Ansprache. (Bild: Christoph Heer)

WIL. Es herrschte eine gespannte Vorfreude unter den 50 Genossinnen und Genossen im «Gemsli». Juso-Schweiz-Präsident Fabian Molina hatte sich für die 1.-Mai-Feier der SP Wil und Alttoggenburg angekündigt. Der Sozialdemokrat kommt jeweils gerne nach Wil, pflegt er doch mit Stadtrat Dario Sulzer sowie Nationalrätin und SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi einen «regen Kontakt».

Molina erinnerte in seiner Ansprache an die Anfangszeiten der Arbeiterbewegung. «Jedes vierte Kind unter 18 Jahren lebt in Portugal unter der Armutsgrenze. In einem Land, das früher die Meere befuhr und die Welt entdeckte, herrscht heute Armut.» Jeder zweite Portugiese und jede zweite Portugiesin lebten heute im Ausland, weil ihnen ihre Heimat keine Perspektive mehr biete. Vor 125 Jahren, als die internationale Arbeiterbewegung den 1. Mai zum ersten Mal beging, sei die Schweiz an einem ähnlichen Punkt gewesen. «Dass Kinderarmut und Perspektivlosigkeit auch bei uns sehr verbreitet waren, dürfen wir nicht vergessen», sagte Molina.

Die Macht der Arbeiter wächst

Molina betonte das starke Wachstum der Arbeiterbewegung. «Das Machtbewusstsein der arbeitenden Bevölkerung ist seit dem ersten 1. Mai gewachsen. Dies beweist die Tatsache, dass wir den internationalen Tag der Arbeit auf der ganzen Welt mit Millionen von Menschen seit 125 Jahren feiern.» Der 1. Mai spiegle die Geschichte der teils weit verästelten sozialen Bewegungen und Parteien für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte. Dies gelte international und auch für die Schweiz.

Hart ins Gericht ging er mit der Demokratie. Diese ende am Arbeitsplatz. «An dem Ort, an dem wir die meiste Zeit unseres Lebens verbringen, sind wir machtlos und ohne Mitsprache.» Den Entwicklungen des sogenannten «freien Marktes» seien die Arbeitnehmenden völlig ausgeliefert. Der zunehmenden Mechanisierung und dem Druck müssten sie sich anpassen. «Wenn eine junge Frau 20 Prozent weniger verdient als ihr Kollege im selben Beruf, dann kann sie daran direkt nichts ändern. Sie muss es akzeptieren.»

Mehr Wohlstand für die Reichen

In den letzten 20 Jahren seien die Löhne der oberen Zehntausend zwar explodiert, die Löhne der grossen Mehrheit der Menschen hätten sich aber gleichzeitig kaum bewegt. «Heute hält sogar der bürgerliche Bundesrat in einem Bericht fest, dass in der Schweiz die zwei Prozent reichsten Menschen gleich viel besitzen wie die restlichen 98 Prozent», sagte Molina, der sich zum Schluss kämpferisch zeigte: «Halten wir den neoliberalen Demokratiefeinden und der Diktatur des Kapitals mehr Demokratie und den Glauben an eine bessere Zukunft entgegen.» Ebenfalls einige Worte an die Wiler Sozialdemokraten richtete SP-Ständerat Paul Rechsteiner.

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