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Demo statt Schule: Wiler Kanti bleibt strikt bei Klima-Streiks

Die Klimastreikbewegung der Jugendlichen ist auch in der Kantonsschule Wil ein Thema. Für die Rektorin Doris Dietler ist dabei vor allem die Kommunikation mit den Schülern wichtig. Die Regeln sind klar.
Nicola Ryser
Brennende Erde, Dinosaurier und Greta Thunberg auf den Plakaten: Die Jugend marschierte in St. Gallen für den Klimaschutz. Bild: Mareycke Frehner

Brennende Erde, Dinosaurier und Greta Thunberg auf den Plakaten: Die Jugend marschierte in St. Gallen für den Klimaschutz. Bild: Mareycke Frehner

Sie gehen zu Tausenden – zwischen 30000 und 60000 geschätzt – auf die Strassen, in Zürich, Bern und St. Gallen. Sie tragen Plakate mit sich, auf einem steht die Parole «Make the earth cool again», auf dem anderen schreit ein Eisbär um Hilfe. Die Botschaft ist klar: Rettet unser Klima, rettet unseren Planeten. Vor allem junge Menschen partizipieren an den Demos, die bereits als grösste Jugendbewegung der letzten Jahrzehnte gelten.

In jedem Fall eine unentschuldigte Absenz

Die Krux am Appell zu mehr Klimaschutz: Protestieren die Kinder und Jugendliche, bleiben sie teils auch dem Unterricht fern. Und das zieht Diskussionen nach sich. Im waadtländischen Payerne beispielsweise entschieden sich einige Schüler, für das Klima zu streiken anstatt die angekündigte Mathematikprüfung zu schreiben. Zuerst drohte den Abwesenden die Note 1 für den Test, doch nachdem Politiker und der Lehrerverband den Entscheid kritisierten, krebste die Schule zurück. Die Schüler können die Prüfung nun nachholen.

Der Kanton St. Gallen wiederum hat Mitte Januar seine Regeln zu den Protesten modifiziert. Genügte vorher die Unterschrift der Eltern und eine persönliche Stellungnahme als begründete Abwesenheit, gilt nun die Teilnahme an einem Streik während der Unterrichtszeit in jedem Fall als unentschuldigte Absenz und wird als solche im Zeugnis eingetragen. Denn die Streikteilnahme gehe zu Lasten des Schulbetriebs, liess das Amt für Mittelschulen verlauten. Auch andere Kantone orientieren sich nach dieser Richtlinie.

Die Kantonsschule Wil hat die Vorgabe St. Gallens eins zu eins übernommen. «Für uns ist diese Regelung sinnvoll, wir haben das zusammen mit allen Rektorinnen und Rektoren sowie dem Amt für Mittelschulen so entschieden», sagt Doris Dietler, Rektorin der Kanti Wil. Auch habe man den Entscheid an der Schule kommuniziert. «Ich habe den Schülern sogar einen Brief geschrieben, damit sie alle informiert sind und das Thema mit den Eltern besprechen können.»

Proteste vor allem ausserhalb der Schulzeit

Dietler betont aber, dass die Streikbewegung in Wil nicht so hohe Wellen geworfen habe. «Einige Schüler nehmen an den Protesten teil, jedoch an den Wochenenden oder freien Nachmittagen, also ausserhalb der Schulzeit. Wir können nicht verbieten, was sie in der Freizeit machen.»

Lediglich einmal sei es passiert, dass Schüler tatsächlich der Schule fern geblieben seien. «Am Freitag, dem 18. Januar, nahmen einige wenige Schüler an einer Demo teil, hätten jedoch eigentlich im Unterricht sein sollen.» Die genaue Anzahl weiss Dietler nicht, «es waren aber sicher weniger als 10 Schüler».

«Meine persönliche Einstellung zu den Streiks ist irrelevant.»

Sie habe daraufhin mit zwei Mitorganisatoren ein Gespräch geführt. «Wir haben über Möglichkeiten diskutiert, wie die Schülerinnen und Schüler sich engagieren können, ohne dass der Unterricht tangiert wird, oder wie gewisse Themen in den Unterricht miteinbezogen werden können.» Dabei gab sie zu verstehen, dass die Rolle des Schulleiters eine andere ist als die der Schüler. «Meine persönliche Einstellung zu den Streiks ist irrelevant. Ich habe als Schulleiterin Pflichten zu erfüllen.» Die Schüler zeigten sich verständnisvoll und nahmen den Strafeintrag in Kauf. «Ihnen ist der Streik nun mal wichtiger gewesen.»

Der Eintrag ins Zeugnis – im Falle, dass es sich nicht mehrmals wiederholt – sei aber mehr Tadel als Bestrafung, die Streiks müsse man mit einem gewissen Augenmass betrachten. Dennoch: «Die Schule hat einen Bildungsauftrag, deshalb ist der Besuch nicht beliebig und ein unentschuldigtes Fernbleiben muss Konsequenzen haben.»

Weiterer Austausch zur Regelung

An der Regelung hält der Kanton und somit die Kanti Wil weiter fest. Trotzdem wird sich Doris Dietler mit allen Rektorinnen und Rektoren des Kantons sowie dem Amt für Mittelschulen Mitte Monat zur Rektorenkonferenz wieder zusammensetzen. «Da werden auch die Klimastreiks traktandiert.» Man werde sich austauschen, wie die Regelung weitergezogen wird, auch im Hinblick auf den internationalen Streiktag am 15. März.

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