Dem Traum von einem Kulturzentrum in Wil einen Schritt näher: Parlament überweist Motion

Einer überparteilichen Kulturgruppe aus dem Parlament ist es gelungen, die Weichen in Richtung eines Kultur- und Musikschulzentrums in der Liegenschaft «zum Turm» zu stellen.

Gianni Amstutz
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Seit Anfang 2018 ist der Turm im Besitz der Stadt. Jetzt soll dort ein Kulturzentrum entstehen.

Seit Anfang 2018 ist der Turm im Besitz der Stadt. Jetzt soll dort ein Kulturzentrum entstehen.

Bild: PD

Die Idee eines Kulturzentrums ist in Wil nicht neu. Bereits Mitte der 80er Jahre und Anfang der Nullerjahre engagierten sich verschiedene Vereine dafür, die Initiativen waren jedoch jeweils nur teilweise von Erfolg gekrönt.

Mit dem Kauf der Liegenschaft «zum Turm» durch die Stadt im Jahr 2013 erhielt das Vorhaben neuen Aufschwung. Der Traum vom Kulturzentrum im «Turm» blieb bis heute jedoch unverwirklicht.

Deshalb wurde die überparteiliche parlamentarische Kulturgruppe aktiv und reichte eine Motion ein, mit dem Ziel im «Turm» ein Kultur- und Musikschulzentrum zu errichten.

Stadtrat will sich noch nicht festlegen

An der Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstagabend wurde die Motion behandelt. Der Stadtrat hatte in seiner Antwort empfohlen, den Vorstoss nicht erheblich zu erklären.

Stattdessen sollte ein Kredit in der Höhe von 100'000 Franken für die Erarbeitung eines Raum- und Betriebskonzepts genehmigt werden, wobei die Nutzung der Liegenschaft noch nicht definiert wäre.

Befürworter werfen Stadtrat Untätigkeit vor

Erstunterzeichner Sebastian Koller (Grüne Prowil) stellte sich im Namen der parlamentarischen Kulturgruppe auf den Standpunkt, dass die Stadt genug Zeit gehabt habe, ein Konzept für die Nutzung des «Turms» zu erstellen. Bereits 2011 sei klar gewesen, dass die Liegenschaft Ende 2017 in den Besitz der Stadt übergehen werde. Koller sagte:

«Es ist unfassbar, dass wir ein so grosses Potenzial nicht nutzen. Hier hat die Politik versagt.»

Zudem sei das Raum- und Infrastrukturproblem für Kulturschaffende noch immer nicht gelöst. «Wenn wir bei diesem Thema innert nützlicher Frist weiterkommen wollen, müssen wir den Weg über das Parlament wählen», begründete Koller das Motiv für den Vorstoss.

Da auch die Musikschule ein Infrastrukturproblem beklage, habe man die Zusammenarbeit mit ihr gesucht. Der Turm soll nun sowohl kulturschaffenden Vereinen als auch der Musikschule eine Heimat bieten. 

Der Wortlaut der Motion wurde angepasst: Auch damit soll mit einem Kredit in der Höhe von 100000 Franken ein Raum- und Betriebskonzept erarbeitet werden. Im Gegensatz zum Stadtrat soll dies aber nicht völlig ergebnisoffen geschehen. Stattdessen sind die Hauptnutzungen bereits definiert. Im Kern geht es um Kultur- und Musikschulräume, aber auch Übernachtungsmöglichkeiten, schulische und gastronomische Nutzungen sollen berücksichtigt werden.

Zuspruch bekam Koller von Erwin Böhi (SVP). Auch er kritisierte die bisherige Untätigkeit des Stadtrats:

«Es ist höchste Zeit, dass entschieden wird, wie es mit dem Turm weitergeht.»

Dieser Stossrichtung schloss sich auch Marcel Malgaroli (FDP) an. Er stellte einen Vergleich zum Sport an und merkte an, dass für Sportvereine - beispielsweise mit dem Bau des Sportparks Bergholz - viel Geld in die Hand genommen werde. Kulturvereine müssten hingegen bisher hinten anstehen. 

Auch Christof Kälin (SP) sprach sich für die Schaffung eines Kulturzentrums aus. Die SP werde die Erheblichkeitserklärung einstimmig unterstützen.

Bürgerliche Parteien teilweise gespalten

Adrian Bachmann (FDP) stellte sich im Namen eines Grossteils seiner Fraktion gegen die Motion. Sich zu früh auf eine Richtung festzulegen, erachte die FDP als falsch. Damit würden andere - vielleicht bessere - Ideen bereits im Vornherein ausgeschlossen. 

Dass die SVP nicht geschlossen hinter dem Kulturzentrum stand, zeigte das Votum von Pascal Stieger. Er lehnte die Motion ab und nannte das Projekt der Kulturgruppe «eine Geldvernichtungsmaschine», das zu Lasten der Steuerzahler gehen werde. 

Auch die CVP war geteilter Meinung, wobei ein grosser Teil sich hinter die Motion stellte. Reto Gehrig kritisierte aber, dass der Vorstoss zu wenig ergebnisoffen formuliert sei. Zudem wies er auf die Kosten für den Umbau hin, die zehn Millionen Franken bei weitem überschreiten würden. «Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir dereinst solche hohen Beträge sprechen.»

Befürworter setzen sich durch

In der Schlussabstimmung setzten sich die Befürworter eines Kultur- und Musikschulzentrums im «Turm» klar durch. 25 Parlamentarier stimmten für, 9 gegen eine Erheblichkeitserklärung der Motion. 

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