Dem einen Speise, dem anderen Gift

Der Samariterverein hatte am Dienstagabend zu einem Vortrag über Allergien eingeladen. Karin Stalder vom aha! Allergiezentrum Schweiz informierte umfassend. Auch kleine Tricks mit grosser Wirkung waren ein Thema.

Carola Nadler
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NIEDERUZWIL. «Sind Allergien eine Modeerscheinung oder ernstzunehmende Krankheiten?» Diese Frage stand über dem Vortrag im Feuerwehrdepot Niederuzwil. Der Begriff «Modeerscheinung» wurde im Laufe des Abends zwar nicht angesprochen, doch Karin Stalder stellte klar heraus, dass der Anteil an Allergiebetroffenen in der Bevölkerung steigt. Ernst zu nehmen sind diese Allergien durchaus, denn zum Teil kann es zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen, die einen Notfalleinsatz erforderlich machen.

Pollen und Nahrungsmittel

Unter Allergien versteht man einerseits eine Überempfindlichkeit auf harmlose Stoffe aus der Umwelt. Andererseits können Allergene, wie sie beispielsweise bei Katzenhaaren vorkommen, eine starke Immunreaktion auslösen.

Unter den zahlreichen Allergien treten die Pollenallergien (Heuschnupfen) und Nahrungsmittelallergien am häufigsten auf, bei Letzteren kann es auch «nur» zu Intoleranzen kommen, denen meist Probleme im Verdauungstrakt zugrunde liegen. Des Weiteren sind Allergien gegen Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengifte, Zusatzstoffe in Kosmetika und Lebensmittel, Medikamente und auch Zimmerpflanzen, hier vor allem der Ficus, zu nennen.

Eigenverantwortung

Beobachtungen haben zu Theorien geführt, nach welchen Landkinder, die im Gegensatz zu Stadtkindern nicht in einer hygienisch-sterilen Umgebung aufgewachsen und nicht der Feinstaubbelastung einer Stadt ausgesetzt sind, weniger häufig an Allergien erkranken.

Der Schutz vor Allergien beginnt mit der Eigenverantwortung: Übergewicht erhöht das Allergierisiko, das Wohnen an stark befahrenen Strassen sollte vermieden werden, überhaupt fördert eine gesunde Lebensweise ein starkes Immunsystem. Die Wirkung von Impfungen ist bezüglich Allergien umstritten. Behandelt werden sollten Allergien auf jeden Fall, um chronische Erkrankungen zu vermeiden. So kann eine unbehandelte Pollenallergie zu Asthma führen.

Erleichterung verschafft man sich gerade bei Pollenallergien mit kleinen Tricks mit grosser Wirkung: Kleidung nicht im Freien aufhängen, Sonnenbrillen tragen, Haare gut ausbürsten, Pollengitter an Fenstern anbringen und vor Auslandsreisen sich über die Pollenbelastungen der Destination informieren. Ein umfangreiches Informationsportal befindet sich auf www.pollenundallergie.ch, für das europäische Ausland www.polleninfo.org.

Ersatzprodukte

Auch medikamentöse Therapien sind möglich: Sie reichen von einfachen Nasensprays über Augentropfen und Tabletten bis zu Notfallspritzen, die besonders Gefährdete stets auf sich tragen. Längerfristig kann eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden, bei welcher das Immunsystem «trainiert» wird. Die Erfolgschancen dabei liegen zwischen 80 und 90 %.

Bei Nahrungsmittelallergien oder -intoleranzen treten am häufigsten die Laktoseintoleranz sowie die Glutenunverträglichkeit auf. Hier hilft nur, diese Nahrungsmittel zu vermeiden und auf Ersatzprodukte auszuweichen.

Ein Hoffnungsschimmer blieb zuletzt: Allergien können unvermutet auftreten, aber auch wieder verschwinden, wie Karin Stalder am Ende ihres Vortrages erwähnte.