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Degersheimer Schülerin folgt
Wegweiser "Zum Meer"

Sina Manharts Abschlussarbeit ist alles andere als gewöhnlich: Begleitet von ihren beiden älteren Schwestern folgte die Oberstufenschülerin dem Taabach bis ans Meer. Unterwegs waren die drei zu Fuss, mit dem Boot und mit dem Velo.
Angelina Donati
Sechs Tage lang war Sina Manhart im Faltboot unterwegs. Bei der Präsentation ihrer Arbeit stellte sie es im Schulhaus aus. (Bild: Angelina Donati)

Sechs Tage lang war Sina Manhart im Faltboot unterwegs. Bei der Präsentation ihrer Arbeit stellte sie es im Schulhaus aus. (Bild: Angelina Donati)

«Ich mag Herausforderungen», schickt die 15-jährige Sina Manhart aus Degersheim vorweg. Und sie sei zielstrebig. Projekte, die sie interessieren, lassen sie nicht mehr los. Deswegen nahm die Oberstufenschülerin ihre Abschlussarbeit bereits vor eineinhalb Jahren in Angriff. «Ich wollte unbedingt etwas Originelles machen.» Für ihre Arbeit gingen gar ihre Ferien und zahlreiche Wochenenden drauf. Was die Schülerin allerdings nicht bedauert. «Ganz im Gegenteil. Ich habe so vieles erlebt, neue Leute kennen gelernt und Neues entdeckt. Es war eine richtig tolle Zeit.»

Doch von vorne: Alles begann mit dem Wegweiser «zum Meer», der den Dorfplatz in Degersheim ziert. Immer mal wieder wird wild spekuliert, in welches Meer der Bach mündet. So etwa hiess es vor mehreren Jahren in einem Zeitungsbericht, dass die Reise des kleinen Dorfbachs in Genua ende. «Als ich zu recherchieren begann, stellte ich fest, dass diese Richtung nicht stimmen kann. Sondern, dass der Bach in die Nordsee fliesst», erzählt Sina Manhart. Plötzlich war die Idee geboren, den Gegenbeweis in einer umfassenden Abschlussarbeit zu liefern. Mit dem Ziel, dem Wasser bis zur Mündung an der Nordsee zu folgen.

Fasziniert vom Wasser und vom Meer

Die aussichtsreiche Belohnung, nach getaner Arbeit ins Meer springen zu können, hatte Sina Manhart stets im Hinterkopf. «Das Meer hat mich schon immer fasziniert», sagt sie und strahlt. Bis zu ihrem zweiten Lebensjahr habe sie zusammen mit ihren beiden älteren Schwestern und ihren Eltern auf einem Segelschiff gelebt. Die beiden jüngeren Geschwister seien dann aber auf dem Festland aufgewachsen. Die älteren Schwestern waren es auch, welche die Schülerin auf ihre abenteuerliche Reise begleitet haben. «Ganz alleine hätte ich nicht reisen dürfen. Das ist nicht erlaubt», sagt Sina Manhart. Ohnehin kam ihr die Gesellschaft der 17-jährigen Noemi und der 18-jährigen Anina gelegen. Schliesslich handelte es sich um eine langwierige Angelegenheit.

Die Strecke von über 1000 Kilometern war so lang, dass sie dreigeteilt werden musste. Zu Fuss, ausgestattet mit Wanderschuhen und mit Rucksack, machten sich die Mädchen auf, um dem Taabach von Degersheim nach Lütisburg zu folgen. Rund sieben Stunden waren sie unterwegs, ehe sie einen Haken unter das erste geschaffte Teilstück setzen konnten. Eine Reise mit reiner Muskelkraft Eine Steigerung in Sachen Action folgte mit der zweiten Etappe. Während sechs Tagen liessen sie sich in einem Faltboot auf der Wasseroberfläche von Lütisburg nach Birsfelden treiben. Eine nicht immer ganz ungefährliche Reise, wie sich zeigen sollte. Angelangt bei Kraftwerken mussten Sina Manhart und ihre Schwestern aus dem Boot aussteigen, es ans Ufer ziehen und zu einer anderen Stelle tragen. Äusserst vorsichtig mussten die Mädchen auch bei Stromschnellen sein.

Unvorgesehenes gab es in dem Sinne aber nicht, wie die Schülerin betont. Sie hat die Reise detailliert geplant und alles Mögliche vorbereitet. Dazu gehörte auch eine Packliste. «Und ich überlegte mir, was wir jeweils essen möchten.» Übernachtet haben die Abenteurerinnen im Zelt in Ufernähe. Das Rudern und das Ein- und Aussteigen aus dem Boot verlangte dem Trio einiges ab. Von der langen Fahrt begann der Rücken zu schmerzen und beim Streifen der Steine im Wasser schürften die Beine auf. «Mir aber lag viel daran, die Reise mit reiner Muskelkraft zu bewältigen.» Ans Aufgeben habe sie nie gedacht. «Klar waren wir mit der Zeit müde. Aber wir haben uns einfach durchgebissen», sagt sie.

Grossartige Unterstützung erfahren

Von der dritten Etappe bleiben der Schülerin vor allem die schönen Begegnungen mit Leuten in Erinnerung. Innert 13 Tagen radelten die Mädchen von Basel nach Rotterdam. Ohnehin sei der Zuspruch grossartig. Um sich die Reise mit all den Ausgaben für Camping, Essen und Rückreise finanzieren zu können, suchte sie Sponsoren und wurde schnell fündig. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen haben die Schülerin grosszügig unterstützt. «Was überhaupt nicht selbstverständlich ist», freut sie sich. «Heutzutage schaut doch jeder nur für sich.» Ein Betreiber eines Campingplatzes drückte ihr sogar 500 Euro in die Hand. «Zuerst konnte ich es nicht glauben.»

Täglich legten die Jugendlichen mit dem Velo 60 bis 80 Kilometer zurück. «Zudem haben wir uns einmal ziemlich verfahren», sagt Sina Manhart und schmunzelt. Dennoch verlief praktisch alles so, wie sie geplant hatte. «Dass wir plötzlich die Verantwortung für uns selber getragen haben und nicht wie sonst unsere Eltern, war schon etwas ungewohnt.» Endlich in Hoek van Holland angekommen, sprangen die Mädchen ins acht Grad kalte Meerwasser. Tags darauf wartete mit einer 15-stündigen Busfahrt eine lange Heimreise auf sie.

Reisen am liebsten ohne Zeitdruck

Für ihre Arbeit erhielt Sina Manhart von ihrer Lehrerin eine glatte Sechs. Die Reise würde sie sofort wieder antreten. «Schade war einzig, dass wir unter Zeitdruck standen.» Am schönsten sei es, wenn man es gemütlich nehmen und möglichst vieles auch ansehen könne. Dass sie naturverbunden ist, spiegelt sich auch in ihrem Alltag. Sie möchte Schreinerin werden. Das habe sie schon Ende der ersten Sek gewusst. Zum einen arbeite sie gerne handwerklich, zum anderen sei Holz ein lebendiges und erneuerbares Material. «Im Reisen sehe ich vor allem Erholung.» Demnach war es nicht ihr letztes Abenteuer.

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