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DEGERSHEIM: Wenn Gott eine Frau gewesen wäre

Mit seinem Soloprogramm «Satiere mit Herz» beschliesst der selbsternannte Dichter und Denker Renato Kaiser die Saison des Kulturpunkts. Die Vorstellung fand wie schon gewohnt im Brockenhaus statt.
Michael Hug
Künstler aus der Poetry-Slam-Szene zum Schluss des Kulturpunkt-Jahresprogramms haben fast schon Tradition. Dieses Mal war Renato Kaiser zu Gast im Degersheimer Brockenhaus. (Bild: Michael Hug)

Künstler aus der Poetry-Slam-Szene zum Schluss des Kulturpunkt-Jahresprogramms haben fast schon Tradition. Dieses Mal war Renato Kaiser zu Gast im Degersheimer Brockenhaus. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

Bereits zum vierten Mal – oder wars schon das fünfte? – musste das Degersheimer «Brocki» als Event Location herhalten. Der Betriebsleiter des Brockenhaus, Alain Litera, scheint ein Liebhaber von gediegener Kleinkultur zu sein, und so stellt er denn jeweils im späten Herbst zum Saisonschluss des Kulturpunkts die Haupthalle des Brocki zur Verfügung. Ein Zufall ist es nicht, dass dabei jedes Mal Künstler aus der Poetry Slam-Szene auftreten. Es scheint zur ebensolchen Tradition geworden zu sein, dass der Verein Kulturpunkt sich zur letzten Veranstaltung des Jahresprogramms einen Dichter (und Denker) einlädt. Lara Stoll war schon hier, Richi Küttel, Manuel Stahlberger (nicht wirklich ein Poetry Slammer) und nun der Schweizer Meister des Genres von 2012.

Viele junge Menschen in den Zuschauerreihen

Was so ein Schweizer Meister kann, nahm am Freitagabend doch einige wunder, erfreulicherweise auch viele junge Menschen. Poetry Slam ist ein junges Genre mit jungen Künstlern und einem ebenso jungen Publikum. Doch mit reiner Poetry scheint kein Staat mehr zu machen sein, zumindest nicht auf dem Land, da ist das sich dafür interessierende Publikum dann doch eher begrenzt.

Das weiss längst auch Renato Kaiser, und ausserdem tritt man als Poet ja nie alleine auf, sondern im Wettstreit – dem «Slam» – mit anderen Jungdichtern, die bei dieser Gelegenheit folgerichtig zu «Slammern» werden. Wild mit Texten um sich schlagende Wortartisten also.

Renato Kaiser schlägt auch solo mit Worten um sich. Doch er tut dies bedächtig und gut vorbereitet. So braucht er denn auch kein Manuskript, das beim Poetry Slam üblich und Merkmal ist.

Nichts gegen Lehrer und Ausländer

Ein Umstand, der in der Ursache gründet, dass Slam-Texte oft erst am späten Vorabend des Slams entstehen, nachdem erstmal stundenlang über die Inhalte sinniert, erdacht und diskutiert wurde. So spricht Kaiser, der Denker und Dichter sowie Schweizer Meister, viel und langfädig über Gott, der, wenn er eine Frau gewesen wäre, gewiss die Geburt des Menschen anders gestaltet hätte. Oder über Lehrer, gegen die er ausdrücklich nichts hat und nicht vergisst, im Saal nachzufragen, wieviele Lehrer oder Lehrerinnen da sind, und bei denen ihm aufgefallen ist, wie viele ausländische Freunde sie haben. «Ich habe nichts gegen Ausländer, ein paar meiner besten Freuinde sind Ausländer.» Folgerichtig müssen Lehrer also untereinander mit einer überdurch- schnittlichen Zahl von ausländischen Freunden umgeben sein.

Treuhänder und die Malediven

Ja und dann die Begeisterung. Die Begeisterung, die neuerdings Bankdirektoren an den Tag legen. Das Unwissen über Treuhänder: «Niemand weiss was Treuhänder machen.» Man sähe sie nur im März, wenn sie plötzlich auftauchen und jedem das Ausfüllen der Steuererklärung andrehen möchten: «Dann verschwinden sie wieder für elf Monate auf den Malediven.» Es sind Beobachtungen und Überlegungen des Alltags, derer Kaiser Meister ist. Dabei weiss das Publikum nie, was nun wohlüberlegt (und auswendig gelernt) oder improvisiert ist. Unterhaltung der nachdenkenswerten Art, zwei Treppenstufen höher als flache Comedy.

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