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DEGERSHEIM: «Sternen» bleibt ein Gasthaus

Im «Sternen» an der Degersheimer Hauptstrasse endet eine Ära. 60 Jahre war das Gasthaus in Familienbesitz – jetzt hat Marta Honegger die Liegenschaft mangels Nachfolge verkauft. Am 16. Februar ist Austrinkete.
Andrea Häusler

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

«Der Zeitpunkt zum Aufhören ist der richtige», sagt Marta Honegger mit fester Stimme. So, als müsste sie sich selbst vom Gesagten überzeugen. Aufrecht sitzt sie an einem der Wirtshaustische, lässt den Blick durch die noch leere Gaststube schweifen. Sie hat «Zimmerstunde», wie üblich um diese Uhrzeit.

Im Obergeschoss rumpelt es, ächzende und quitschende Töne dringen nach unten. Die neuen Eigentümer, Monika und Stan Ebneter, Inhaber der Switchin GmbH in Wängi, haben bereits mit dem Umbau der Zimmer begonnen. «Alles wird neu», sagt Marta Honegger und schiebt nach, dass die Ausstattung halt schon in die Jahre gekommen sei. Genauso wie sie selber: 36 Jahre lang hat Marta Honegger hinter dem Tresen gestanden. Danebst stets selber gekocht, die Räume in Ordnung gehalten und die Gäste an den Tischen unterhalten. Oft bis tief in die Nachtstunden hinein. «Spät ins Bett zu gehen und frühmorgens wieder im Restaurant zu stehen hat mir nie etwas ausgemacht», sagt die engagierte Wirtin. Sitzleder hat sie nach wie vor. Die Beine spielten jedoch nicht mehr mit, sagt sie. Ein Hauch von Wehmut huscht über ihr Gesicht und verflüchtigt sich sogleich wieder. Verständlich, denn der «Sternen» hat ihr Leben von Kindsbeinen an begleitet und geprägt.

Italienerküche im Erdgeschoss

Man schrieb das Jahr 1957, als Marta Honeggers Eltern Anna und Josef Marogg-Senn die Liegenschaft an der Degersheimer Hauptstrasse 70 erwarben. In die Zeit ihrer Geschäftstätigkeit fielen diverse bauliche Anpassungen. Nach dem Bau des «Tegerscher Stüblis» wurde – nach dem letzten Tanz am Jahrmarkt 1967 – der «Sternen»-Saal in eine Wohnung umgebaut. Als Ersatz diente ab der Fasnacht des folgenden Jahres das berühmt-berüchtigte «Loch», die «Sternen»-Bar, die bis heute Bestand hat. Marta Honegger erinnert sich gut an die Zeit. Auch an die Italienerküche, die in den 60-/70er-Jahren den im «Sternen» untergebrachten Gastarbeitern die Möglichkeit gab, Gerichte aus der Heimat zuzubereiten. Schliesslich hatte sie seit jeher im Familienbetrieb mitgearbeitet.

Nach der Fassadenrenovation im Jahr 1973 und dem Umbau des Restaurants im Jahre 1980 erfolgte 1981 die Übergabe des Gastwirtschaftsbetriebs an die jüngere Generation. Nach dreijährigem Pachtverhältnis konnten Marta und Hansueli Honegger das Gasthaus käuflich erwerben.

Ein Glücksfall in der heutigen Zeit

Die Eröffnung von Reto Breitenmosers Magic Casino und die Nachfrage nach Zimmern durch das Militär seien die Hauptgründe dafür gewesen, dass bereits kurz nach der Übernahme des Betriebs kräftig in den Ausbau neuer Zimmer und in die Infrastruktur investiert worden sei, erzählt Marta Honegger. 1992 habe man dann die Küche erneuert. Diese werde von den neuen Besitzern übernommen, ergänzt sie und meint lachend: «Im Gegensatz zu den meisten anderen Räumen, die im Umbau sind, muss hier noch geputzt werden.»

Den Verkauf an die neue Eigentümerschaft aus dem Kanton Thurgau bezeichnen die Honeggers übereinstimmend als Glücksfall. «Einfach ist es nicht gewesen, Interessierte zu finden, die zu investieren bereit sind und den Betrieb in ähnlicher Form weiterführen möchten», betont Hansueli Honegger.

Austrinkete im Restaurant und in der Bar

Bevor sich das Ehepaar Honegger am 16. Februar mit einer Austrinkete vom «Sternen» und seinen Gästen verabschiedet, um dann, am 19. Februar, die Schlüssel den neuen Besitzern auszuhändigen, geht hier nochmals richtig die Post ab: Am 13. Februar, wenn Marta Honegger letztmals kocht und am Abend zur Austrinkete in die Bar lädt. Am Finale dabei sind auch die langjährigen Serviertöchter Silvia Sauder und Astrid Forrer. Ab dem 19. Februar ist der «Sternen» für vier Wochen geschlossen, um schliesslich unter neuer Führung wiedereröffnet zu werden. Marta Honegger wird man auch künftig im Lokal antreffen: als ganz normaler Gast.

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