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DEGERSHEIM: Rachels Grab jenseits der Mauer

Nach wie vor weilt Pastoralassistentin Bettina Flick in Palästina. Ihr zweiter Bericht aus dem Heiligen Land befasst sich mit Rachel, der einzigen Patriarchenfrau, die nicht in Hebron, sondern in Bethlehem bestattet ist.
Rachels Grab an der Mauer in Israel. (Bild: PD)

Rachels Grab an der Mauer in Israel. (Bild: PD)

«Wir machen uns in einer kleinen Gruppe auf den Weg. Zuerst müssen wir durch den Checkpoint auf die israelische Seite. Auch wenn ich diese so langsam gewöhnt bin, ist es immer wieder ein mulmiges Gefühl, durch den Metalldetektor zu gehen, den Pass vorzuweisen und eventuell befragt zu werden», schreibt die Degersheimer Pastoralassistentin aus ihrem Einsatz als Menschenrechtsbeobachterin von Peace Watch Switzerland in Palästina. «Auf der anderen Seite führt der Weg der Mauer entlang bis zu einem weiteren Checkpoint. Dort erklären uns die Soldaten, dass wir zu Fuss nicht weitergehen dürfen. Nur Autos oder Busse können zum Grab von Rachel gehen. Warum? ‹Weil Sie nicht durchgehen können›, so die wenig aufschlussreiche Antwort. Kurz vor dem Aufgeben gibt uns ein mit seinem Vorgesetzten zutelefonieren, wiederholt aber: ‹Sie können hier nicht zu Fuss durch, weil Sie hier nicht zu Fuss durchgehen können.› Wir gehen zurück zum ersten Checkpoint und suchen ein Taxi. Die Soldaten winken uns erleichtert zu, wie sie uns in einem Auto sehen.

Pilgerort für jüdische Frauen

Die Strasse, die vor uns liegt, überrascht uns: Sie ist beidseitig mit neun Meter hohen Mauern begrenzt. Die nächste Überraschung war dann Rachels Grab. Ich hatte einen Pilgerplatz erwartet mit einem schönen Gotteshaus – aber nichts Schönes war da. Einfach ein Kreisel am Ende der Sackgasse, ein kleiner Parkplatz, ein gesicherter Eingang zu einem Militärcamp und Verbotsschilder. Und ein paar Türen, gekennzeichnet für «Männer» bzw. «Frauen».

Wir treten durch eine Tür ein und auch im Innern ist nichts Schönes. Ein schmaler Raum mit ein paar Synagogenbänken, weiter vorne ein Steinsarkophag, wie ich sie schon von Hebron kenne und viele betende Jüdinnen. Uns wird erklärt, dass dies vor allem ein Pilgerort für jüdische Frauen ist, die Rachel ihre Sorgen anvertrauen. Ich bedecke mein Haar mit einem Schal und gehe nach vorne zum Sarkophag, um zu beten. Einige der Jüdinnen berühren den Sarkophag mit einer Hand oder mit ihrer Stirn, manche weinen.

Vater und Sohn durch Mauer getrennt

Wir suchen ein Taxi, um zurückzufahren, gelangen durch den Checkpoint auf die palästinensische Seite. Wir kommen zum Haus der Familie Anastas, das von drei Seiten von der Mauer umgeben ist. Jonny Anastas zeigt auf einen Spalt zwischen zwei Betonelementen: «Schaut durch! Hier ist Rachels Grab!» Tatsächlich, direkt hinter der Mauer ist der kleine Parkplatz. Jonny erzählt uns, dass sein Haus vor dem Mauerbau an der belebten Hauptstrasse nach Jerusalem gelegen habe. In fünf Minuten konnte er zu seinem Vater gehen, der an der gleichen Strasse lebte. Nun hat die Mauer die Strasse abgelöst. Die Mauer läuft nicht entlang der sogenannten «green line», der Grenze, die von der UN als Grenze zwischen Israel und Palästina bestimmt wurde, sie liegt grösstenteils auf palästinensischem Gebiet: Wohl deshalb, weil damit Rachels Grab auf israelischer Seite liegt.

Früher war die Ruhestätte für alle zugänglich, schliesslich ist Rachel auch eine wichtige Frau in der christlichen und muslimischen Religion. Und wenn Jonny seinen Vater besuchen will, braucht er eine Sondergenehmigung, um israelisches Gebiet zu betreten. Weil er Christ ist, bekommt er sie zweimal im Jahr – einmal zu Weihnachten und einmal Ostern.» (bf)

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