Degersheim lehnt Wiedereröffnung des Hallenbads deutlich ab

DEGERSHEIM. 296 Ja-Stimmen gegenüber 1147 Neinstimmen bei 9 leeren/ungültigen Stimmzetteln. Das Ergebnis der Initiative für eine Wiedereröffnung des Degersheimer Hallenbads hätte deutlicher kaum ausfallen können. Die Stimmbeteiligung lag bei 57,3 Prozent.

Andrea Häusler
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Haben trotz der Enttäuschung das Lachen nicht verloren: Nadine Zwingli Meier, Louis Christ und Anna Rutz (v. l.) gestern vor dem Hallenbad. (Bild: Andrea Häusler)

Haben trotz der Enttäuschung das Lachen nicht verloren: Nadine Zwingli Meier, Louis Christ und Anna Rutz (v. l.) gestern vor dem Hallenbad. (Bild: Andrea Häusler)

DEGERSHEIM. 296 Ja-Stimmen gegenüber 1147 Neinstimmen bei 9 leeren/ungültigen Stimmzetteln. Das Ergebnis der Initiative für eine Wiedereröffnung des Degersheimer Hallenbads hätte deutlicher kaum ausfallen können. Die Stimmbeteiligung lag bei 57,3 Prozent.

Bittere Enttäuschung

Die Mitglieder des Initiativkomitees, die in den vergangenen Wochen mit Flyern, Plakaten und verschiedenen öffentlichen Auftritten für den weiteren Betrieb des aus wirtschaftlichen Gründen geschlossenen Hallenbads gekämpft hatten, sind enttäuscht und desillusioniert. Dies ist umso verständlicher, als der Anteil Ja-Stimmen tiefer ist als die Unterschriftenzahl auf dem Initiativbegehren. «Möglicherweise sind nicht alle, die unterschrieben haben, an die Urne gegangen», mutmasst Louis Christ, einer der Initianten. Ausserdem hätten auch Gegner des Hallenbads die Initiative unterzeichnet, weil sie die Urnenabstimmung wollten.

Degersheim hat verloren

«Verloren», sagt Christ, «haben nicht wir, sondern hat Degersheim. Nach dem Voralpen-Express ist nun mit dem Hallenbad ein weiterer Mosaikstein weggebrochen, der die Gemeinde attraktiv macht». Mit dem Steuerfuss von 162 Prozent – einem Hauptgrund für die Schliessung des Hallenbads – hat sich Louis Christ weitgehend abgefunden. Denn eine Reduktion in den nächsten Jahren hält er für unwahrscheinlich. Entsprechend vertritt er die Auffassung: «Wenn wir schon einen so hohen Steuerfuss akzeptieren müssen, dann soll auch die Infrastruktur attraktiv sein.» Was nun bleibe, sei allein der hohe Steuerfuss.

Hallenbad vorgängig abgehakt

Nadine Zwingli Meier und Anna Rutz, die das Initiativkomitee gestern gemeinsam mit Louis Christ vertraten, sind sich einig: «Auch mit einem Nein war zu rechnen, aber mit keinem so deutlichen – wir sind perplex.» Viele hätten das Thema offenbar nach dem Entscheid der Bürgerversammlung, das Hallenbad im Juni 2014 zu schliessen, bereits abgehakt, vermutet Nadine Zwingli Meier. Als Verliererin sieht sie sich gleichwohl nicht: «Wir haben daran geglaubt, zielstrebig gekämpft in der Überzeugung, etwas Positives zur erreichen für Degersheim; insbesondere auch die Familien und älteren Menschen.» Möglicherweise werde diesen erst nach einiger Zeit bewusst, was sie tatsächlich aufgegeben haben.

Erfreut über die Deutlichkeit

Froh und erleichtert ob dem klaren Entscheid der Stimmbürgerschaft ist dagegen der Degersheimer Gemeinderat. Gemeindepräsidentin Monika Scherrer sagte gestern auf Anfrage: «Das Ergebnis bestätigt unsere Strategie, mit der uns die Bürgerinnen und Bürger beauftragt haben: Nötiges von Wünschbarem trennen, Schulden abbauen, die Infrastruktur erhalten und den Steuerfuss reduzieren.

Nach dem Urnengang steht der Gemeinderat nun wieder dort, wo er anfangs Jahr stehen geblieben war: vor dem Verkauf der Hallenbadliegenschaft. Aufgrund der Initiative seien die Verhandlungen mit Kaufinteressierten ausgesetzt worden, sagt Monika Scherrer. Jetzt würden sie wieder aufgenommen.