DEGERSHEIM: Klangkörper aus den Wäldern der Ostschweiz

Die Syna-Sektion Region Wil verband ihre Hauptversammlung mit einem Besuchserlebnis in der Klangarena von Oliver Lüttin. Der Künstler baut aus Baumstämmen Instrumente.

Drucken
Teilen
Oliver Lüttin zeigt den Besuchern seine Instrumente. (Bild: Ernst Inauen)

Oliver Lüttin zeigt den Besuchern seine Instrumente. (Bild: Ernst Inauen)

In einer eineinhalbstündigen Führung und musikalischen Demonstrationen gewährte der Baumkünstler und Musiker Oliver Lüttin den Besuchern einen Einblick in seine fantastische Welt. Bereits auf dem Weg vom Dorf hinauf zu seinem ehemaligen Bauernhaus fallen die zwei riesigen Mammutbäume hinter der Liegenschaft auf. Vor einem von ihnen steht der Tempel, der für den Künstler den Respekt vor der Natur verkörpert. Er beherbergt seit der Hochzeit mit seiner thailändischen Frau Suchai einen goldenen Buddha. Oliver Lüttin erwies sich als guter Gastgeber und unterhaltsamer Erzähler. Zum Apéro begrüsste er seine Gäste im Atelier inmitten einer Auswahl von exotisch anmutenden Holzinstrumenten. Seine Ausführungen startete er mit einem Blick auf seine künstlerische Entwicklung.

Vom Maurer zum Instrumentenbauer

Schon in der Jugend habe er eine starke Zuneigung zum Wald empfunden, erzählte Lüttin. Nach einer Maurerlehre habe er sich in verschiedenen Funktionen des Bauhaupt- und Nebengewerbes handwerkliche Fähigkeiten erworben. Sein Leben sei aber keineswegs gerade verlaufen. «Wie bei einem knorrigen Baum gab es Wendungen und Astlöcher, Spalten und Ritzen.» Auf einer Reise durch Australien habe er das Ur-Instrument der Aborigines, das Didgeridoo entdeckt, und sei von der Einfachheit fasziniert gewesen, erzählte Lüttin. «Das hat mich auf die Idee gebracht, selber die gewachsenen Formen von Hölzern zu nutzen und aus ihnen Instrumente zu bauen. Das Zusammenwirken von natürlichen Materialien und den Klängen des spielenden Menschen bringt die Schönheit der Schöpfung zum Ausdruck.»

So habe er in den Wäldern der Ostschweiz nach hohlen Bäumen gesucht, deren Formen ihn für seine künstlerische Arbeit anspornten. Der 52-jährige Baumkünstler verwendet für den Bau seiner aussergewöhnlichen Instrumente verschiedenste Baumarten. So bearbeitete er einen über drei Meter langen Buchenstamm zu einem vielseitigen Klangkörper, dem er rund 350 Töne entlocken kann.

Viele seiner Ideen entstehen aus Zufall

Oliver Lüttin demonstrierte mit Beispielen seine musikalische Fertigkeit und sein Talent. Beispielsweise konnten die Zuhörer die Melodien eines Hackbretts erkennen oder fremdartige Klänge aus anderen Kulturen hören. Viele Erkenntnisse und Ideen würden aus Zufall entstehen, sagte er. Einen anderen hohlen Baumstamm gestaltete der Künstler zu einem Xylofon. Je nach Holz- oder Steinplatten ertönen verschiedene Klänge. Die Besucher zeigten sich vom Ideenreichtum und den musikalischen Demonstrationen des Gastgebers begeistert. Neben seiner künstlerischen Arbeit und den Atelierführungen bietet Oliver Lüttin Workshops an und Konzerte, die er mit anderen Musikern organisiert. Er wirkt auch als Kursleiter im Bereich Instrumentenbau.

Nach der Führung und einer von der Gewerkschaft gesponserten Mahlzeit wurde die Hauptversammlung abgehalten. Im Mittelpunkt standen die Wahl der neuen Präsidentin Nina Portmann und die Ehrung von sieben langjährigen Mitgliedern.

Ernst Inauen

redaktion@wilerzeitung.ch