Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Hallenbad Degersheim: Verkauf geplatzt

Das Kantonsgericht hat entschieden: Die Dienstbarkeit, die auf dem Hallenbad-Grundstück lastet, kann nicht gelöscht werden. Damit wird der mit Lukas Reiser abgeschlossene Kaufvertrag zur Makulatur.
Andrea Häusler
Was mit dem leer stehenden Hallenbad in Degersheim geschieht, ist wieder völlig offen. Klar ist nur, dass die «Käuferin» der Liegenschaft, die Schreinerei Hölzli AG, nicht neu bauen darf. (Bild: Andrea Häusler)

Was mit dem leer stehenden Hallenbad in Degersheim geschieht, ist wieder völlig offen. Klar ist nur, dass die «Käuferin» der Liegenschaft, die Schreinerei Hölzli AG, nicht neu bauen darf. (Bild: Andrea Häusler)

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Entscheid des unterlegenen Gemeinderats jedoch definitiv. «Wir werden das Urteil nicht ans Bundesgericht weiterziehen», sagt Degersheims Gemeindepräsidentin Monika Scherrer auf Anfrage.

Was ist passiert? Auf dem Hallenbad-Grundstück lastet eine Dienstbarkeit. Diese war 1971, beim Verkauf der Landparzelle der Kurhaus Sennrüti AG (heute Genossenschaft Ökodorf)an die Hallenbad AG zu Gunsten der Vorbesitzerin errichtet worden. Der Inhalt: Auf dem Grundstück darf ausschliesslich ein Hallenbad gebaut und betrieben werden. Die Dienstbarkeit wurde in der Folge nie bereinigt.

Verkauf unter Vorbehalt

Zum Problem wurde das Servitut im Frühsommer 2015, als die Gemeinde das seit Juni 2014 geschlossene Hallenbad verkaufen wollte. Zwar konnte das Objekt – im Bieterverfahren öffentlich angeboten – für 500000 Franken verkauft, der Kaufvertrag mit Lukas Reiser, bzw. der Schreinerei Hölzli GmbH hingegen nur unter dem Vorbehalt abgeschlossen werden, dass die Bau- und Gewerbebeschränkung im Grundbuch gelöscht wird.

Alles umsonst – zurück auf Feld eins

Jetzt, nachdem das Kantonsgericht den Entscheid des Kreisgerichts Wil-Untertoggenburg geschützt hat und die Faktenlage klar ist, stehen die Gemeinde als Eigentümerin und Lukas Reiser als Käufer vor einem Scherbenhaufen: Der Kaufvertrag ist nichtig. Der Degersheimer Gewerbler hat umsonst Zeit und Geld in die geplante Wohnüberbauung investiert.

«Bedauerlich», kommentiert dieser den Sachverhalt auf Anfrage. Denn die Lage inmitten des bestehenden Quartiers sei für den Bau von Wohnungen geradezu prädestiniert. Positiv wertet er hingegen die Tatsache, dass nun endlich ein Entscheid vorliegt. Und die Gemeinde? Die muss sich nun die Frage stellen, was sie mit der Liegenschaft anfangen soll.

Angebot an Genossenschaft Ökodorf?

Monika Scherrer gibt sich trotz der verfahrenen Situation zuversichtlich. Obwohl sie nicht nachvollziehen kann, dass die Gerichte den Schutz privater Interessen höher gewichtet haben als jenen der öffentlichen. Bauen könne hier zwar nur die Genossenschaft Ökodorf, doch seien der Gemeinde die Hände nicht gebunden: «Es liesse sich beispielsweise Parkierungsraum erstellen oder eine Grünanlage bauen.» Eine weitere Option wäre, die Liegenschaft der Genossenschaft Ökodorf anzubieten, sagt sie.

Sinnvolle Ergänzung

Dass die im einstigen Kurhaus domizilierte alternative Lebensgemeinschaft «Herzfeld Sennrüti» einem Erwerb nicht abgeneigt wäre, ist bekannt. Einerseits aufgrund der Nähe der Objekte, anderseits wegen des wachsenden Raumbedarfs. Genossenschaftspräsident René Duveen bestätigt dies, macht aber klar, dass Ausbaumöglichkeiten auch innerhalb der vorhandenen Gebäude bestünden. Dass ein Erwerb im Rahmen des Bieterverfahrens vor fast vier Jahren kein Thema war, begründet er mit dem Preis. «Der Kauf wäre eine Schuhnummer zu gross gewesen», sagt er. Umso mehr, als der Umbau ja auch hätte finanziert werden müssen.

Aussicht wäre weg gewesen

Duveen verwehrt sich dagegen, jetzt als Buhmann dargestellt zu werden, der das Wohnbauprojekt am Südhang Degersheims zu Fall gebracht hat. «Wir haben uns mehrfach mit Vertretern der Gemeinde und mit Lukas Reiser getroffen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden, sagt er und betont:

«Der Genossenschaft ging es auch weniger um das Bauvorhaben, sondern um den Schutz der Wohn- und Lebensqualität im Ökodorf: Die Grösse und Nähe des geplante Mehrfamilienhaus hätte zu einer enormen Beschattungen und den Verlust der Privatsphäre geführt. Und unsere Aussicht wäre weg gewesen.»

Kooperativ will René Duveen weiterhin bleiben. Denn dass auf der Nachbarparzelle etwas geschieht, ist auch in seinem Interesse. «Sie darf nicht zu einem Schandfleck verkommen.» Und wenn die Gemeinde der Genossenschaft nun tatsächlich ein Kaufangebot unterbreiten würde? «Vertieft haben wir das Thema noch nicht diskutiert. Gesprächen verschliessen wir uns aber sicher nicht», sagt Duveen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.