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DEGERSHEIM: Fruchtsalat aus guten Wünschen

«Abschiede sind Tore in neue Welten.» Was Einstein sagte, wollen sich Pfarrer Bernard Huber und seine Frau Barbara zu Herzen nehmen. Gestern sagten sie der Evangelischen Kirchgemeinde nach 17 Jahren Adieu.
Andrea Häusler

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Das Thermometer zeigt minus 11 Grad an. Feine Schneeflocken tanzen durch die eisige Luft. Der Frühling scheint fern. «Noch 35 Tage dauert es, dann ist Ostern», sagt Bernard Huber zu Beginn seines letzten Gottesdienstes als Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Degersheim.

Es ist 9.40 Uhr. Die Kirche ist gut gefüllt. Auch katholische Mitchristen sind gekommen, Vertreter anderer Kirchgemeinden und Mitglieder der weltlichen Behörden. Nicht allein um Abschied zu nehmen, auch um zu danken. Gut 17 Jahre lang hat Pfarrer Huber in der Gemeinde gewirkt. Unwesentlich kürzer als sein Vorgänger, Samuel Kast, der es auf 21 Jahre gebracht hatte, wie Alain Girardet, Vizepräsident der Kirchenvorsteherschaft im Predigtgespräch mit dem scheidenden Seelsorger sagt. «Bleibt Bernard Hubers Nachfolger genauso lange wie er, schreiben wir das Jahr 2035 – wer weiss, wie die Welt dann ausschauen wird.»

Wein und ein signierter Schirm

Im Interview mit Girardet lässt Bernard Huber die Gemeinde offen teilhaben an seinen persönlichen Lebens- und Glaubenserfahrungen. Jesus’ zentrale Rolle im Leben und die Hoffnung auf die Ewigkeit liessen Bedrängnis und Not geduldiger ertragen, Schweres nachträglich als Gewinn empfinden, sagte der Pfarrer. Das Wissen darum, dass das Beste erst bevorsteht, mache es einfacher, heiter und zuversichtlich durchs Leben zu gehen.

Egal, ob die Sonne scheint, Schnee oder Regen fällt. Letzteren braucht Pfarrer Huber künftig ohnehin nicht mehr zu scheuen. Dank der Kinder, die ihm, begleitet vom Lied «Underem Schirm vom Höchschte», einen Regenschirm reichen. Später, beim Apéro, werden die Kirchbürger das Geschenk mit ihrer Unterschrift zum Erinnerungsstück machen. Auch eine Flasche Wein nimmt Bernard Huber in seine neue Heimat Herisau mit. Der Pfarreibeauftragte der Seelsorgeeinheit Magdenau, Hans Brändle, überreicht sie ihm mit Wilhelm Buschs Worten: «Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben».

Trinken wird Huber den guten Tropfen möglicherweise bereits nächste Woche, wenn er sinnierend vor seinem Computer sitzt und den Anfang für sein drittes Buch sucht. Denn er möchte nach seiner Pensionierung in erster Linie schreiben. «Am Donnerstag werde ich starten», sagt er, «und dann Vollgas geben.»

Die Energie dafür könnten ihm die imaginären Früchte von Urs Meier-Zwingli geben. Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft verband Hubers Tätigkeit mit den Eigenschaften von Früchten. Der Zitrone etwa, die sauer, vitaminreich und in der Küche ein Geschmacksverstärker sei. Pfarrer Huber habe stets die richtige Dosierung gefunden, die Frische bewahrt, auch wenn ihm etwas sauer aufgestossen sei. Weiter sagte er: «So, wie sich die Pilzfäden unter der Erde verbinden und junge Pilze hervorbringen, möge ihm sein zwischenmenschliches Netzwerk eine reiche Ernte bescheren.» Und der Apfel, die Frucht der Versuchung? «Lacoste – da konnte der Pfarrer nicht widerstehen», weiss Meier-Zwingli. Schliesslich waren da noch der wild geformte Ingwer, die lächelnd gebogene Banane und die Oliven als Symbol für Teamfähigkeit.

Fruchtige Erinnerungen an Degersheim

Ein ganzer Baum dieser mediterranen Teamwork-Früchte wird im Sommer die Terrasse des Pfarrerpaars im Ruhestand schmücken. Wenn es diese Ruhe überhaupt gibt. Bereits beim Apéro zupft ein Mädchen ungeduldig an Hubers Hosenbein: «Meine Enkelin», stellte er die Kleine mit warmem Lächeln vor. Sie ist nicht die einzige. Inzwischen ist die übernächste Huber-Generation auf fünf angewachsen. Langweilig wird der neue Lebensabschnitt also mit Sicherheit nicht.

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