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Interview

«Patent Ochsner ist uns zu teuer»: Das «Festival am Gleis» in Degersheim setzt auf junge, lokale Bands

Das «Festival am Gleis» in Degersheim präsentiert sich dieses Jahr neu gestaltet, verrät Vereinspräsident Urs Graber.
Tobias Söldi
Der Headliner am letztjährigen Festival am Gleis: Marc Sway. Dieses Jahr stehen unter anderem Velvet Two Stripes aus St. Gallen auf der Bühne. (Bild: Christoph Heer)

Der Headliner am letztjährigen Festival am Gleis: Marc Sway. Dieses Jahr stehen unter anderem Velvet Two Stripes aus St. Gallen auf der Bühne. (Bild: Christoph Heer)

In einigen Wochen, am 10. August, findet das «Festival am Gleis» statt. Wie laufen die Vorbereitungen?

Urs Graber: Wir sind ziemlich auf Kurs. Das Booking ist gelaufen, jetzt sind das Gastro-, das Bau- und das Backstage-Team gefordert. Ausserdem suchen wir noch die letzten Helferinnen und Helfer.

Erwartet die Gäste dieses Jahr etwas Neues?

Ja. Die Gestaltung des Festivalgeländes wird anders sein. Es wird etwas heimeliger, soviel kann ich bereits verraten. Aber es soll eine Überraschung werden für das Publikum.

Wie viele Stunden werden in die Organisation des Festivals investiert?

Das ist schwierig zu sagen. Wir sind acht Leute im OK. Manche sind das ganze Jahr über immer wieder mit dem Festival beschäftigt, zum Beispiel mit der Sponsorensuche, andere sind vor allem in den Wochen vor dem Anlass eingespannt. Auch beim Booking, für das ich zuständig bin, gilt:

Nach dem Openair ist vor dem Openair.

Sie buchen schon für die nächste Ausgabe?

Ich bin bereits am Aussondieren fürs 2020. Im Januar habe ich sogar eine Band für die übernächste Ausgabe 2021 angeschrieben, weil sie so gefragt ist.

Ist es schwierig, Bands nach Degersheim zu locken?

Wir bringen das Programm eigentlich immer gut zusammen. Wichtig ist es, ein Gespür dafür zu haben, welche Bands zusammenpassen. Und natürlich muss auch das Budget berücksichtigt werden. Das ist nicht immer einfach.

Von den grossen Openairs hört man jeweils die Klage, dass die Bands immer teurer werden.

Das ist schon so. Ein Headliner wie in den Vorjahren geht ins Geld. Uns stellt sich da die Frage, ob wir einen Headliner wollen, der viel Geld vom Budget wegnimmt.

Was ist die andere Option?

Auf ein Aushängeschild zu verzichten und sich dafür breiter und mit kleineren, aber keineswegs schwächeren Bands aufzustellen. Im Ganzen wird die Qualität der Musik so gesteigert.

Welche Gruppe übersteigt das Budget?

Patent Ochsner zum Beispiel ist ein stiller Wunsch einiger OK-Mitglieder. Aber diese Band können wir uns momentan schlicht nicht leisten.

Wie stossen Sie eigentlich auf die Bands?

Ich lasse mich von anderen Openairs inspirieren oder von Musik, die ich im Radio höre oder an Konzerten sehe. Dieses Jahr hat sich etwa ein Drittel der Bands von sich aus bei uns beworben, den Rest haben wir angefragt.

Grosse Openairs spezialisieren sich zunehmend auf ein bestimmtes Publikum oder eine bestimmte Musikrichtung. Ist das auch in Degersheim so?

Wir wollen vermehrt regionale, junge und aufstrebende Bands präsentieren. Dieses Jahr sind zum Beispiel zwei Gewinner des Nachwuchswettbewerbs BandXOst dabei. Jedes Jahr tritt auch eine Coverband auf, was vor allem beim älteren Publikum gut ankommt.

Und musikalisch?

Da bleiben wir rockig-poppig. Das hat sich bewährt.

Die Schweiz hat die höchste Festivaldichte der Welt. Wie behauptet man sich da?

Wir platzieren uns sehr regional. Die Gäste kommen zum grössten Teil aus dem Dorf. Natürlich schauen wir auch, dass wir das Festival nicht auf das gleiche Wochenende legen wie ein andere Veranstaltungen in der Region. Da sprechen wir uns aber auch mit den anderen Openairs unserer Grösse ab.

Welches ist Ihr Lieblingsfestival?

Für mich ist das Clanx Festival in Appenzell eines der schönsten: die Gestaltung des Geländes, das Gastro-Konzept und die Nachhaltigkeit beeindrucken mich. Da haben wir uns auch schon die eine oder andere Idee geholt.

Zurück nach Degersheim: Auf welchen Act freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

Eigentlich auf alle. Wir sind dieses Mal sehr breit aufgestellt, alle Bands sind musikalisch sehr hochstehend. Besonders gespannt bin ich auf die Band Šuma Čovjek, die eine Art Balkan-Pop spielen.

Warum?

Ich habe sie bereits zweimal gesehen. Sie sorgen immer für eine tolle Stimmung, weil sie das Publikum in ihre Show mit einbeziehen. Besonders ist bei ihnen sicher auch, dass sie auf vier Sprachen singen und Bläser auf der Bühne haben.

Wie sieht die Zukunft des Festivals aus?

Nach dem Openair gibt es immer eine Schlussitzung, an der wir unsere Erfahrungen austauschen und besprechen, ob es weitergeht – aber davon gehen wir eigentlich immer aus. So entwickeln wir uns laufend weiter. Ein Thema, das bald sicher einmal auf uns zukommen wird, ist die Frage, ob und wie uns der Umbau des Bahnhofs tangiert. Wann das der Fall ist, steht aber noch in den Sternen.

Vor drei Jahren ist das Festival an den heutigen Standort beim Bahnhof gezogen. Hat sich die Lage bewährt?

Ja, sehr. Der Standort mit dem Höfli Pub, dem Pärkli und der Nähe zum Bahnhof ist genial und sehr schön. Hier haben wir auch mehr Platz, ist die Zahl der Gäste doch von 200 auf 1000 gestiegen. Ausserdem sind wir mitten im Dorf. Die Bewohner gelangen fast direkt von der Haustüre aufs Gelände.

Von Rock bis Balkanpop

Das «Festival am Gleis» findet am Samstag, 10. August, beim Bahnhof Degersheim statt. Auf der Bühne stehen die s’Coolband der Musikschule Uzwil, die Appenzeller Singer-Songwriterin Riana, der Bünder Sänger Kaufmann, die St. Galler Coverband Red Cube, die schweizerisch-bosnisch-algerischen Šuma Čovjek mit ihrer Mischung aus Balkanpop, Chanson, Oriental, World und Brass sowie die St. Galler Rockband Velvet Two Stripes. Tickets und weitere Infos unter www.festivalamgleis.ch. (pd)

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