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Eine «Stube»
für Zeitgeschichtliches: Drei Chronisten arbeiten Degersheims Geschichte auf

Hanspeter Indermaur, Silvan Locher und Leo Kessler: Drei Degersheimer kümmern sich neu als Chronisten um das historische Erbe ihrer Gemeinde.
Andrea Häusler
Hanspeter Indermaur mit seiner Dokumentation über die skizzierte Dorfansicht von J. Reich aus dem Jahr 1850. (Bild: Andrea Häusler)

Hanspeter Indermaur mit seiner Dokumentation über die skizzierte Dorfansicht von J. Reich aus dem Jahr 1850. (Bild: Andrea Häusler)

Flawil und Oberuzwil haben ihre Ortsmuseen, Uzwil immerhin das Archiv der Kulturgut-Vereinigung. Degersheim hatte nichts dergleichen, bis der Kultur- und Heimatverein Magdenau-Wolfertswil im August im alten Schützenhaus einen Ausstellungsraum für Erhaltenswertes aus der «Unteren Gegend» eröffnete. Jetzt doppelt die Gemeinde nach. Geschichtlich relevante Dokumente, Fotografien, Bilder, aber auch Alltagsgegenstände aus Degersheims Vergangenheit – alles, was sich unter dem Begriff «ausseramtliche Zeitdokumente» subsumieren lässt – sollen in einer Chronikstube bewahrt werden.

Dafür hat der Gemeinderat Hanspeter Indermaur, Silvan Locher und Leo Kessler (für Wolfertswil) zu Gemeindechronisten ernannt und ihnen, in einer Leistungsvereinbarung, konkrete Aufgaben im Zusammenhang mit der Festhaltung der Gemeindeereignisse von einst bis in die heutige Zeit übertragen. Dem geschichtsinteressierten Trio stehen beim Werkhof ein Büro und ein Archivraum zur Verfügung.

Grundstein für eine umfassende Sammlung

Im Archiv lagert seit Anfang September das, was Hanspeter Indermaur seit 1972 privat gesammelt hatte: alte Zeitungsartikel, Dokumente, Fotografien, aber auch Arbeiten, die er anhand des historischen Materials selbst verfasst hat. All das ist mit dem Einzug in die Chronikstube ins Eigentum der Gemeinde übergegangen. Indermaur ist froh darüber: «Damit bleibt die Sammlung der Nachwelt über mein Dasein hinaus erhalten.»

«Die Chronikstube ist kein Museum,
könnte jedoch irgendwann als Grundlage
dafür dienen.»

Es hat noch Stauraum auf den Regalen. Und das ist gut so. Denn mit Indermauers Beständen wurde erst der Grundstock gelegt. Sukzessive soll das Archiv nun auf- und ausgebaut werden. Wobei hier nicht nur alte Dokumente langfristig gesichert werden sollen, sondern auch (Alltags-)Gegenstände – schlicht alles, was mit der Vergangenheit der Gemeinde, dem Lebens von einst, zu tun hat. «Vieles ist bereits verlustig gegangen, bei Räumungen entsorgt worden», bedauert Hanspeter Indermaur. Die Chronikstube soll die Einwohner für den Wert von Zeitzeugen sensibilisieren, aber auch dazu ermutigen, ihre Kostbarkeiten in gute Hände zu geben, wenn sie dafür keine Verwendung mehr haben. «Es gibt beispielsweise Postkartensammlungen, die unbedingt erhalten werden müssen», sagt er.

Dann zieht der pensionierte Oberstufenlehrer die bekannte Dorfansicht von J. Reich aus dem Jahr 1850 aus einem Karton: eine Fotografie. Er habe nie Originale angenommen, sagt Hanspeter Indermaur, die Trouvaillen stattdessen mit der Kamera festgehalten. Dadurch habe er auch Zugang zu Exponaten gehabt, welche den Besitzern teuer und wichtig sind.

Mehr als nur Sammeln und Archivieren

Die Aufgabe der Chronisten gehe über das Sammeln und Aufbewahren hinaus, macht Indermaur klar. Ziel sei es auch, das Material in einen Kontext zu stellen, die Bedeutung einzuordnen und wo möglich Bezüge zur Gegenwart herzustellen. «So, wie ich dies mit J. Reichs Skizze gemacht habe», sagt er und legt eine gebundene Dokumentation auf den Tisch. Darin hat er das Wissen über jedes von Reich gezeichnete Degersheimer Gebäude in Wort und Bild festgehalten. Im weiteren sollen Ereignisse und Entwicklungen der neueren Zeit konserviert und für die Zukunft hinterlegt werden. In einem ersten Schritt werde nun eine Datenbank eingerichtet, in der jedes Dokument erfasst ist.

«Die Chronikstube ist kein Museum», macht Indermaur klar und fügt augenzwinkernd an: «Es könnte aber als Grundlage für eines dienen.» Auch seien die Exponate nicht ausgestellt, könnten jedoch für Ausstellungen benützt und auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Chronisten werden übrigens nicht entlöhnt, erhalten jedoch in Anerkennung ihrer Arbeit eine Entschädigung.

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