DEFEKT: Schon wieder Mängel

Vor gerade einmal fünf Jahren wurden die Lärmschutzwände an der Georg-Renner-Strasse in Wil gebaut. Jedoch müssen sie nun schon zum zweiten Mal repariert werden. Zudem berichtet Anwohner Günther Pohl, wegen dieser Wände sei es lauter geworden.

Simon Dudle
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Sieht fast aus wie Kunst, ist aber ein Defekt: Die Risse in der Scheibe der Lärmschutzwand wurden von einem schlagartigen Stoss verursacht.

Sieht fast aus wie Kunst, ist aber ein Defekt: Die Risse in der Scheibe der Lärmschutzwand wurden von einem schlagartigen Stoss verursacht.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Die Lärmschutzwände, welche sich vom Wiler Gamma-Kreisel Richtung Autobahnzufahrt ziehen und von Anwohnern mittels Unterschriften gefordert worden waren, stehen unter keinem guten Stern. Nach der Inbetriebnahme 2012 ging es kein Jahr, bis die ersten Mängel behoben werden mussten. Bei der Beschichtung der Stahlteile waren Abplattzungen festgestellt worden. Es handelte sich einen Garantiefall.

Doch das Problem ist nicht gelöst. Mehrere Glasscheiben weisen Risse auf. «Sie erhielten einen schlagartigen Stoss. Unklar ist noch, woher dieser Stoss kam», sagt Andreas Kästli, stellvertretender St. Galler Kantonsingenieur. Es wurde Anzeige gegen unbekannt erstattet. Derzeit laufen die Abklärungen, und noch in diesem Monat ist die nächste Sitzung mit der Baufirma anberaumt. Damit sich dieser Fall nicht zu einer endlosen Geschichte auswächst, finden dieses Mal umfangreichere Tests statt, bevor die Reparatur beginnt. «Es handelt sich lediglich um ein optisches Problem», sagt Kästli. Es bestehe also keine Gefahr, dass plötzlich die ganze Wand in sich zusammenstürze.

Begrünung lässt auch nach fünf Jahren auf sich warten

Wann die zweite Sanierungsrunde startet, steht noch nicht fest. Dafür ist für Kästli bereits klar, dass es immer noch um die Mängelbehebung geht und somit ­erneut die Baufirma für den ­Schaden aufkommen muss. «Die ­ganze Sache verläuft nicht ganz glücklich», sagt der stellvertretende Kantonsingenieur. Er tönt damit ein zweites optisches Problem an. Die Begrünung hat nicht geklappt wie geplant. Vor allem auf der Innenseite sind die vorherrschenden Farbtöne Grau und Braun, aber kaum Grün. Dabei war vorgesehen, dass Pflanzen die Wände in Beschlag nehmen und für mehr Farbgenuss sorgen. Auch Günther Pohl findet die Farbgestaltung nicht gelungen. Der Rentner wohnt seit mehreren Jahrzehnten unmittelbar neben der Georg-Renner-Strasse im Reuttistrasse-Quartier. Von seiner Wohnung im 13. Stock hat er eine wunderbare Aussicht auf Wil, das Toggenburg – und die Lärmschutzwände. Der 77-Jährige hat festgestellt, dass es lauter geworden ist, seit diese Wände stehen. «Sie wirken wie ein Schlauch, welcher den Lärm nach oben leitet. Ab der fünften Etage war es früher leiser. Mehrere Leute bestätigen das.»

«Es kann subjektiv lauter empfunden werden»

Ingenieur Kästli gibt an, dass die Lärmschutzwände grundsätzlich jene Reduktionen gebracht hätten, die erwartet worden seinen. Der Lärm sei um bis zu 15 Dezibel reduziert worden. Das entspreche einer Verkehrsreduktion auf weniger als vier Prozent der Gesamtverkehrsmenge. Statt 15000 Fahrzeuge täglich sind es also noch 500.

Allerdings hätten keine Messungen in erhöhten Lagen stattgefunden. Die Feststellung Pohls, es seit lauter geworden, will Kästli keineswegs in Abrede stellen. Er sagt: «Es ergibt sich ein anderes Frequenzbild, da die Lärmschutzwände hohe Frequenzen besser aufnehmen. Die tieferen Töne drücken somit verstärkt durch.» Diese seien langwelliger, und man höre sie besser. «Dies hat zur Folge, dass Lastwagen besser zur Geltung kommen. Es kann also subjektiv lauter empfunden werden, obwohl es gar nicht lauter wird», sagt Kästli.