Das Zwiegespräch mit dem Betrachter

Katharina Bierreth-Hartungen stellt ihr Werk «Hören? Sehen? Sprechen?» im Zuzwiler Riet aus. Es ist eine Aufforderung, die kindliche und unbeschwerte Neugierde zu erhalten.

Vivien Steiger
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ZUZWIL. Die Künstlerin Katharina Bierreth-Hartungen aus Mauren, Liechtenstein, hat schon als Kind Krippenfiguren für ihre Eltern modelliert. Und das Kunstschaffen hat sie nie ganz verlassen. Heute befasst sie sich in ihren Arbeiten hauptsächlich mit den Themen Gestik und Mimik. Der Pantomime, Autor und Psychologe Samy Molcho ist eine grosse Inspiration für Katharina Bierreth-Hartungen. Er schrieb Bücher über Körpersprache, welche die Wirkung von Gestik und Mimik auf die zwischenmenschliche Kommunikation beschreiben.

Der Spruch «nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen» ist ein altes japanisches Sprichwort und steht für den vorbildlichen Umgang mit dem Schlechten. Die Künstlerin stellt es in den glückbringenden Figuren der drei weissen Affen dar. «Mit meiner Darstellung der drei Affen in Kinderfiguren möchte ich meine Umwelt dazu aufrufen, ihre kindliche und unbeschwerte Neugier zu erhalten. Bei uns hat der Spruch die Bedeutung <alles Schlechte nicht wahrhaben wollen>, in Japan allerdings <über Schlechtes weise hinwegsehen>.»

Das ausgestellte Werk von Katharina Bierreth-Hartungen «Hören? Sehen? Sprechen?» ist eine Aufforderung, nicht immer wegzuschauen, sondern auch etwas zu tun oder zu sagen. Die drei Figuren halten sich Augen, Ohren und Mund zu, tun es aber doch nicht so richtig. Mit ihrer Kunst will sie ins Zwiegespräch mit dem Betrachter kommen. Der Austausch ist ihr wichtig. «Ich versuche zu erreichen, dass sich der Betrachter das Werk genauer anschaut und eventuell versteckte Aussagen entdeckt», sagt sie.

Gestik und Mimik sind wichtig für das Verständnis. «So gibt es auch schwierige Momente, wenn Handgesten in anderen Ländern eine völlig andere Bedeutung haben.» Katharina Bierreth-Hartungen beschäftigt sich auch oft mit der Frage, wie wir uns verhalten, wenn wir uns nicht mehr in unserem Kulturkreis befinden? «So kommen oft Missverständnisse zustande», sagt sie. Der Begriff «Kunst» ist für die verheiratete Künstlerin wie ein «ausgelutschter Kaugummi». Sie könne mit dem Begriff nicht mehr viel anfangen.

Kunst@Natur, Teil 7: Die Wiler Zeitung porträtiert über die nächsten Monate alle Künstler, die im Zuzwiler Riet ausstellen.