Das Thema Humor hat gezündet

Das Pfarrei-Team der Evangelischen Kirchgemeinde Unteres Neckertal ist wieder komplett. Mit Pfarrer Oliver Gengenbach wurde ein Seelsorger für Mogelsberg gefunden, der frischen Elan mitbringt und sich hier wie zu Hause fühlt.

Nadine Rydzyk
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Pfarrer Oliver Gengenbach fühlt sich bereits heimisch in Mogelsberg. (Bild: Thomas Geissler)

Pfarrer Oliver Gengenbach fühlt sich bereits heimisch in Mogelsberg. (Bild: Thomas Geissler)

MOGELSBERG. «Ich bin die Pfarr- inserate durchgegangen und da war eines dabei, was sich von den anderen unterschied – das von Mogelsberg. Denn da stand nicht das Übliche, sondern, dass man einen Menschen mit Humor suche. Das hat bei mir gezündet», fasst Oliver Gengenbach zusammen, welcher Impuls ihn für Mogelsberg entflammt hat. Am 1. März hat er hier seine Stelle als Pfarrer angetreten und vervollständigt damit das Pfarrteam der frisch fusionierten Kirchgemeinde Unteres Neckertal. Der gebürtige Basler fühlt sich bereits absolut wohl. «Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das war ein Fingerzeig von oben», kann er sagen.

Das Okay von oben

Zum einen konnte er schnell feststellen, dass die Aussicht auf ein humorvolles Team und eine ebensolche Gemeinde nicht einfach ein Lippenbekenntnis war, sondern der Realität entspricht, wie er erzählt. Auch das Landleben übt auf den Städter einen grossen Reiz aus. «Ich liebe die Natur und schätze die bodenständige Art der Menschen sehr», erklärt er. Und natürlich ist es auch die Arbeit als Pfarrer selbst, die ihn lockte, übte er die seelsorgerische Arbeit doch in den vergangenen Jahren mehr nebenberuflich aus.

Nach seiner Matura in Basel hat Oliver Gengenbach zunächst zwei Jahre Jura studiert. «Ich merkte dann aber, dass dies nicht das Richtige für mich ist», erinnert er sich. Deshalb absolvierte er zunächst eine KV-Lehre bei einer Bank. In dieser Zeit setzte er sich auch vermehrt mit wirtschaftlichen und philosophischen Fragen und Werten auseinander, sowie mit Sprachen. «Im Laufe der Zeit setzt sich aber immer durch, was einem am nächsten und liebsten ist». Leicht hatte er sich diese Entscheidung aber nicht gemacht. «Es war ein innerer Kampf», erinnert er sich, denn «zu jener Zeit war das Pfarrbild doch sehr verstaubt und abgehoben.» Als er die Zusage für zwei Stipendien bekam, für die er sich beworben hatte, war dies für ihn wie ein «Okay von oben», seinem inneren Wunsch zu folgen.

In Jerusalem studiert

Bevor das Studium schliesslich begann, arbeitete er im Bundesamt für Migration. Ein «Zwischenstop», der ihn später, nach dem erfolgreichen Theologiestudium und Vikariat, noch einmal vom hauptamtlichen Pfarrerdasein wegführen sollte. «Direkt nach dem Studium habe ich keine passende Stelle gefunden», berichtet der 47-Jährige, der 1996/97 in Jerusalem an der Ecole Biblique et Archéologique Française studiert und ein biblisch-archäologisches Studienjahr absolviert hat. Dann öffnete sich erneut eine Tür zum Bundesamt für Migration. Und dort war er schliesslich 12 Jahre lang als Projektleiter tätig. Dem Pfarrwesen aber kehrte er nie gänzlich den Rücken zu. «Nebenbei habe ich immer in Vertretung Gottesdienste gehalten, Beerdigungen durchgeführt und beim Konfirmandenunterricht mitgewirkt.»

Rundum geborgen fühlen

Das positive Feedback aus diesen theologischen Arbeiten bestärkte ihn nach der langen Zeit im Migrationsamt darin, auf die Mogelsberger Ausschreibung hin aktiv zu werden. Nicht zuletzt eben aufgrund des gefragten Humors. Denn wie Oliver Gengenbach auch im Zuge seines zusätzlichen Masterstudiums im Projektmanagement erkannt hat, «ist Humor die Bedingung und ein Indiz für ein gesundes Arbeitsklima. Und das hat mir gezeigt, dass man hier den Sinn für das Wichtige hat.»

An diesem positiven Klima will der neue Pfarrer nun auch aktiv mitwirken und sich mit seinen beiden Kolleginnen als erstes um die Koordination des Konfirmandenunterrichts kümmern. Sein Ziel ist ausserdem, die Gemeindemitglieder allesamt persönlich kennenzulernen, Ordnung in das noch vom Umzug gezeichnete Pfarrhaus zu bringen und sich Orientierung zu verschaffen, was alles auf dem Programm steht. Auf den grossen Alpgottesdienst im August freut sich der begeisterte Wanderer, Sportler, Motorradfahrer und stolze Besitzer eines kleinen Segelbootes bereits jetzt.

Ansonsten lägen ihm besonders die Verkündigung und die Seelsorge. «Damit bin ich vielleicht etwas näher bei den älteren Personen», erzählt er, wo sich eventuell ein Schwerpunkt seiner Arbeit herauskristallisieren könnte. Doch egal ob bei Jung oder Alt – seine Zielgrösse im theologischen Werken findet er im Psalm 23 wieder. «Sich rundum in der Schöpfung und in der Gemeinde geborgen zu fühlen ist der Nutzen, der den Menschen heute oft in der Kirche fehlt.»

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