Das Tabak-Lädeli in Uzwil war ihr Lebensmittelpunkt

42 Jahre lang bediente Johanna von Dach ihre Kunden an der Bahnhofstrasse. Im Oktober ist sie gestorben.

Philipp Stutz
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Johanna von Dach bediente während 42 Jahren ihre Kunden im Kiosk.

Johanna von Dach bediente während 42 Jahren ihre Kunden im Kiosk.

Bilder: Philipp Stutz

Es roch nach Tabak im kleinen Kiosk an der Bahnhofstrasse 100 in Uzwil. Ein würziges, aromatisches Odeur durchdrang den engen Raum. Dort hat Johanna von Dach während Jahrzehnten Kunden bedient. Im Humidor fanden sich edle Zigarren. Etwa Romeo y Julieta, eine der bekanntesten Havannas mit einer Vielzahl von Formaten.

«Die Auswahl der Tabaksorten, ihre wohlabgewogene Mischung und die Vereinigung der Blätter zu duftenden Rauchrollen ist eine Kunst», hat einst Schriftsteller Hermann Burger eine Art Loblied auf die Zigarre angestimmt. Zum Angebot zählten aber auch Villiger-, Wuhrmann- und Rössli-Stumpen, Zigaretten, Pfeifen- und Schnupftabak, Kaugummis, Lottoscheine, Süssigkeiten, Zeitschriften und vieles mehr.

42 Jahre Kunden im Kiosk bedient

Johanna von Dach, früh verwitwet, begann ihre Arbeit jeweils frühmorgens, wenn die Arbeiter der nahen Industrie zustrebten. «Die Arbeit erhält mich jung», hat sie einmal gesagt. Die ältere Dame bediente ihre Kundschaft freundlich, stets mit einem Lächeln auf den Lippen, immer zu einem Scherz bereit. Doch das Geschäft rentierte längst nicht mehr. Lücken in der Auslage zeugten davon. Utensilien wie Pfeifenständer oder Feuerzeuge fanden kaum noch Abnehmer. Und die Stumpenraucher sind am Aussterben. Die Zeit für einen Rückzug war gekommen, die Schliessung rückte näher. Sehr zum Leidwesen von Johanna von Dach, deren Lebensmittelpunkt während 42 Jahren der Kiosk gewesen war. Den 90. Geburtstag, den sie am 28. Dezember hätte feiern können, durfte sie leider nicht mehr erleben. Ende Oktober ist sie gestorben. «Es ist wunderbar, einschlafen zu dürfen, wenn man müde ist», steht auf ihrer Todesanzeige.

Abschied ist mit Wehmut verbunden

Die Verstorbene lebte ganz für ihren Beruf. Sie hat viele Kunden kennen gelernt und Freundschaften geschlossen, mochte nie klagen. Doch die Zeit geht weiter. Und nun sieht es nach einer Renaissance aus. Das Lokal wird umgebaut und soll im Januar wieder eröffnet werden. «G Kiosk» nennt sich das Geschäft, wie einer Affiche zu entnehmen ist. Welches Angebot sich Kunden präsentieren wird, steht nicht fest.

Der Kiosk an der Bahnhofstrasse wird umgebaut.

Der Kiosk an der Bahnhofstrasse wird umgebaut.

Doch das besondere Ambiente, das durch Johanna von Dach geprägt wurde, ist für immer verloren gegangen. «Der Abschied ist mit Wehmut verbunden», sagt deren Sohn Mario, der als Buchhalter tätig ist, im Kiosk zum Rechten gesehen und seine Mutter unterstützt hat. Eine Ära hat geendet, es folgt ein Neubeginn. Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, Erinnerungen in die andere.