Das Stadion ist zu klein: FC Wil müsste im Fall eines Aufstiegs wohl Ausweichmöglichkeit suchen

Auf dem Platz läuft es dem FC Wil zurzeit sehr gut. Über den Aufstieg machen sich die Verantwortlichen aber noch keine Gedanken. Er dürfte denn auch nicht nur sportlich eine grosse Hürde für den Club werden.

Gianni Amstutz
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Im Bergholz dürfen nach jetzigem Stand keine Super League Partien ausgetragen werden. Das Stadion ist dafür zu klein. (Bild: Michel Canonica)

Im Bergholz dürfen nach jetzigem Stand keine Super League Partien ausgetragen werden. Das Stadion ist dafür zu klein. (Bild: Michel Canonica)

Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger FC Lausanne nach neun gespielten Runden. Der Start des FC Wil in die Meisterschaft war äusserst vielversprechend. Der Auftakt lässt träumen. Träumen vom Aufstieg in die Super League und Spiele gegen den FC Basel, YB und den FC St. Gallen. Tatsächlich ist es das erste Mal seit fünf Jahren, dass die Wiler von der Tabellenspitze grüssen. Und das just in der Saison, auf welche hin die Swiss Football League die Barrage wieder eingeführt hat. Damit können potenziell sogar zwei Challenge League Vereine den Aufstieg schaffen.

An den Aufstieg, der unter den türkischen Investoren noch als Ziel vorgegeben wurde, denkt beim FC Wil trotz der guten Ausgangslage zu diesem Zeitpunkt aber niemand. «Daran habe ich noch überhaupt keinen Gedanken verschwendet», sagt Mediensprecher Dani Wyler. Dass der FC Wil zurzeit auf Platz 1 stehe, sei eine super Momentaufnahme, mehr aber auch nicht. «Wir sind froh, dass es uns so gut läuft. Das ist das Resultat harter Arbeit der Mannschaft und des Staffs.» Nach einem guten Saisonviertel schon abzuheben, wäre laut Wyler aber falsch und entspräche auch nicht dem Selbstverständnis des FC Wil. «In einer Liga mit zahlreichen Aufstiegsaspiranten wie Lausanne, Servette, Aarau und Vaduz sind wir immer noch die Kleinen.»

Die Lizenzvergabe als Spielverderber?

Beim FC Wil gibt man sich zurückhaltend und will auf dem Boden bleiben. Doch was passiert, sollte das Fussballwunder tatsächlich eintreten und der Klub entgegen aller Erwartungen am Ende der Saison noch immer auf Platz 1 stehen? Selbst bei diesem Szenario wäre ein Aufstieg noch nicht in trockenen Tüchern.

Denn nicht immer entscheiden sportliche Leistungen über Auf- und Abstieg im Schweizer Fussball. Manchmal sind auch die Lizenzauflagen der Swiss Football League für die Relegation eines Klubs verantwortlich. Dann nämlich, wenn die Vorschriften nicht erfüllt werden und ein Klub danach den Zwangsabstieg hinnehmen muss. So geschehen in der vergangenen Saison im Fall des FC Wohlen. Doch auch ein möglicher Aufstieg ist an Lizenzvorgaben gebunden. Die Auflagen für die Lizenz II, welche zur Teilnahme in der Super League berechtigt, sind um einiges höher als jene für die Challenge-League-Lizenz.

Im Stadionkatalog der Swiss Football League heisst es beispielsweise, dass ein Super-League-Stadion über mindestens 8000 Sitzplätze verfügen muss. Die IGP-Arena hat allerdings ein Fassungsvermögen von nur 6000 Zuschauern, die Anzahl Sitzplätze liegt zurzeit bei 700.

Wie eine Nachfrage bei der Liga zeigt, ist kein Abweichen von den Grundanforderungen vorgesehen. Zwar könne die Liga das Spielen in einem Stadion mit weniger als 8000 Sitzplätzen erlauben, eine solche Regelung werde aber nur in Ausnahmefällen erteilt, sagt Marc Juillerat, Legal & Club Licensing Officer bei der Swiss Football League. Dies sei beispielsweise dann der Fall, wenn ein Bauprojekt für ein neues Stadion oder eine Erweiterung vorliege. Beides ist im Fall des FC Wil aktuell kein Thema.

Die ungeliebte Ausweichmöglichkeit

Heisst das also, dass die Wiler nur für die Galerie spielen und ungeachtet des sportlichen Erfolgs nicht aufsteigen können? Nicht ganz. «Es besteht die Möglichkeit, auf ein anderes Stadion auszuweichen», sagt Juillerat. Für die Vereine sei dies aber oft keine befriedigende Lösung.

Die hohen Anforderungen für die Super-League-Lizenz seien ein zweischneidiges Schwert. Einerseits seien sie wichtig für ein gutes Produkt, das sich vermarkten lasse. Anderseits müsse die Durchlässigkeit zwischen den Ligen stets gegeben sein, die Lücke dürfe nicht zu gross werden. Die Anforderungskataloge würden deshalb laufend überprüft und bei Bedarf angepasst. «Wichtig ist, das Augenmass zu behalten.» Bis jetzt scheint dies gelungen. Dafür spricht, dass es seit der Einführung des Lizenzverfahrens durch die Uefa 2004 keinen Fall gegeben hat, bei dem der sportliche Aufsteiger der Challenge League wegen fehlender Lizenz nicht aufsteigen konnte.

«Wenn der FC Wil es tatsächlich schaffen würde, wäre das natürlich eine unglaubliche Geschichte. Zwei Saisons nach dem abgewendeten Konkurs in die Super League», sagt Juillerat. Eine Geschichte, wie sie eben nur der Fussball schreiben kann.