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Das Schulzimmer ist seine Bühne

Stefan-A. Rankl gehörte einst zum Ensemble des Theaters St. Gallen. Seit zwölf Jahren ist er Lehrer an der Oberstufenschule Sproochbrugg und lässt jährlich Theaterstücke massgeschneidert für die Schüler schreiben.
Zita Meienhofer
Seine Stimme wollte nicht mehr: Rankl wechselte vom Sänger zum Oberstufenlehrer. (Bild: Zita Meienhofer)

Seine Stimme wollte nicht mehr: Rankl wechselte vom Sänger zum Oberstufenlehrer. (Bild: Zita Meienhofer)

Eigentlich braucht er es nicht zu betonen, denn es ist auf den ersten Blick zu erkennen. «Kleider sind mir wichtig», sagt Stefan-A. Rankl, Lehrer an der Oberstufenschule Sproochbrugg, Zuckenriet. Beim Interview-Termin ist er denn schon fast «brav» angezogen – keine knalligen Shirts oder bunte Socken. Allerdings fällt Stefan-A. Rankl nicht nur wegen seiner Kleider auf. Er fällt auch auf, weil er die Theaterstücke, die die Schülerinnen und Schüler in seinen Trimesterkursen besuchen, für sie schreiben lässt – bei Susanne Schemschies, der Leiterin des Jungen Gärtnerplatztheaters in München. Sie kennt er von der gemeinsamen Zeit beim Theater St. Gallen – Stefan-A. Rankl war als Sänger tätig, Susanne Schemschies als Dramaturgin.

Nach Theaterleben wieder in Schulalltag hineinwachsen

Seither sind zwölf Jahre vergangen, seit es Stefan-A. Rankl mit seiner Stimme «nicht mehr so gut hatte», wie er sagt. «Da war ich froh, dass ich einst eine Ausbildung als Oberstufenlehrer absolviert hatte.» Rankl, im oberösterreichischen Linz aufgewachsen, studierte nach seiner Lehrer-Ausbildung unter anderem am Brucknerkonservatorium in Linz, am Mozarteum zu Salzburg und an der Musikhochschule in Basel klassischen Sologesang. Während zehn Jahre gehörte er anschliessend zum Solisten-Ensemble des Theaters St. Gallen und war als freischaffender Tenor tätig. Zurück in der Schulstube habe er vorerst wieder in den Unterrichtsalltag hineinwachsen müssen. Neben Musik und Latein ist er an der Oberstufenschule Sproochbrugg für die Band und den Chor zuständig. Da er Theatererfahrung hatte, wurde er beauftragt, jährlich einen Trimestertheaterkurs für die Schülerinnen und Schüler anzubieten.

Dafür lässt er nun sein Netzwerk spielen, seine Beziehung zur einstigen Dramaturgin am Theater St. Gallen: Die Rollen in den jeweiligen Stücken sind den Darstellerinnen und Darstellern auf den Leib geschrieben. «Ich schicke ihr ein Foto sowie eine Beschreibung der Darstellenden aus meiner Sicht», erklärt Stefan-A. Rankl, «weitere Vorgaben gibt es nicht». Susanne Schemschies, die die «Jugendabteilung» des bekannten Theaters in München führt, weiss, welche Themen bei den Jugendlichen gefragt sind, dass das Aufzeigen der Sorgen und Nöte in diesem Alter wichtig ist. Das aktuelle Stück befasst sich mit Basteln für Weihnachten – und mit Zwischenmenschlichem. Eine Thematik, welche Pubertierenden enorm wichtig ist. Die Teilnehmer des Trimesterkurses agieren allerdings nicht nur in ihren Rollen auf der Bühne, sie sind auch für die Realisierung oder Organisation der Requisiten, Kostüme – kurzum für das Drum und Dran zuständig.

Schauspielerei ist körperlich intensive Arbeit

Viel Zeit bleibt Stefan-A. Rankl nicht für die Einstudierung des Stücks. Der Trimesterkurs dauert zwölf Wochen, das heisst, zwölf Nachmittage stehen ihm dafür zur Verfügung. Etwa die Hälfte der Zeit brauche es, bis die Schülerinnen und Schüler aus sich herauskommen. «Während dieser Zeit muss ich alles geben, es ist eine körperlich intensive Zeit», erklärt er. Körperlich intensiv wie die Schauspielerei eben sei. Die Schülerinnen und Schüler erleben ihren Lehrer von einer ganz anderen Seite, da wird ernsthaft gearbeitet, aber auch herumgeblödelt.

Inhalt des Stücks

Die «AG Weihnachtsdeko» hat ein Problem: Frau Schnäbeli, die Leiterin, vernachlässigt die AG sträflich. Saskia und Peter können die unterschiedlichen Charakterköpfe der Gruppe nur bedingt unter einen gemeinsamen Hut bringen. Dennoch muss der Weihnachtsbasar zur rechten Zeit abgehalten werden. Geht das? Eine Frage der Koordination? Oder doch ein Ding der Unmöglichkeit. (pd)

Stefan-A. Rankl schätzt diese Zeit, in der ihn schon öfters Szenen stark berührt haben, in denen der Mehraufwand enorm ist und er öfters auf seiner Liege in der Aula, wo er unterrichtet, übernachtet – statt nach Speicher zu seiner Frau und seinen beiden Töchtern zu fahren. Dazu sagt er: «Das mache ich gerne, das ist es mir Wert.» Und immer wieder spürt er, wie die Jugendlichen mit Elan dabei sind, wie sie zu den Proben während der Freizeit erscheinen. Das ist es, was ihn fasziniert, zu sehen, dass die Jugendlichen zu etwas motiviert werden können, wenn sie entdecken, dass etwas entsteht. Seine Trimesterkurse sind begehrt, «obwohl die Schülerinnen und Schüler wissen, dass es beim Rankl streng wird», erklärt er. «Klar», sagt er, «hat es immer wieder solche, die nichts mit mir anfangen können, die ich nicht erreiche, die kommen auch nicht in die Theaterkurse».

In den Dorfvereinen spielt die Gemeinschaft

In seiner Freizeit spielt die Musik ebenfalls eine grosse Rolle. Leitete er in den vergangenen Jahren einige Chöre oder sang in Gruppierungen, hat er nun das Singen «ganz aufs Eis gelegt». Er spielt Eufonium – aktuell beim Musikverein Speicher und bei der Brass Band Zuckenriet. Was ihm gefällt, bei Dorfvereinen mitzuspielen? «Die Gemeinschaft, weil man sich da kennt», sagt er und fügt lachend an, «und weil ich da mit ein paar Schülern zusammenspielen kann».

Hinweis

«AG Weihnachtsdeko» wird am Donnerstag, 29. November, 19.30 Uhr, in der Aula Sproochbrugg, Zuckenriet, aufgeführt. Anschliessend adventliche Klänge des Ad-hoc-Bläserensembles mit Punsch und Guetzli im Pausenhof

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