Das Schöne mit Bildern rühmen: Künstler Arthur Wyss wirft in seiner Ausstellung in Wil einen besonderen Blick auf Landschaften

In Ergänzung zu seinen Bildern hat der Arthur Wyss in der Lokremise Wil ein Rahmenprogramm zusammengestellt, das Kulturliebhaber anlocken soll.

Daniela Huijser
Drucken
Teilen
Arthur Wyss ist ein Optimist. «Ich will nicht alt werden mit einem sauren Gesicht.»

Arthur Wyss ist ein Optimist. «Ich will nicht alt werden mit einem sauren Gesicht.»

Bild: Daniela Huijser

«Rühmen, das ist’s!» Diese Zeile aus einem Sonett des Dichters Rainer Maria Rilke – versehen mit einem Ausrufezeichen – spricht Arthur Wyss direkt aus dem Herzen. Er will mit seinen gemalten Bildern loben, besingen, rühmen.

Zu düster und negativ sei ihm die heutige Kunst oftmals, er wolle die Schönheit in den Vordergrund stellen. Und das tut der Rossrüttener mit der runden Brille und der silberweissen Pagenfrisur in der Lokremise Wil.

Tiere und Landschaften mit Punkten und Linien

Mehr als 170 Bilder, vom ganz kleinen bis zum grossformatigen Gemälde, präsentiert Wyss in seiner sechsten Ausstellung. Den Auftakt machen abstrakte oder, wie er es nennt, ungegenständliche Farbharmonien.

Am Ende des Ausstellungsverlaufs laden 60 kleinformatige Bildchen zum Nahekommen. Sie zeigen einen fast mikroskopischen Blick auf ein Blatt, eine Blume, einen Falter im Verlauf der Jahreszeiten.

Bilder, die fast verspielt übersät sind mit Tausenden kleinster farbiger Punkte und zeigen, was Arthur Wyss auch ist: ein Optimist. «Ich will nicht alt werden mit einem sauren Gesicht», sagt er lachend.

Nicht Punkte, sondern strenge, gerade Linien ziehen sich über die grossen Landschaftsbilder. Aber nicht so, dass sich der Säntis oder der Bodensee hinter einem Gitter befänden. Die Linien verschmelzen mit der Landschaft.

Kunsthistoriker Jörg Jermannbeschrieb es anlässlich der sehr gut besuchten Vernissage am Samstagabend so:

«Das Handwerk und die Fantasie liegen bei Arthur Wyss dicht beieinander. Die Linien sind ein Gegensatz zur lieblichen, magischen Landschaft», .

Jermann ging bewusst nicht auf die Bedeutung der Farben ein, die Arthur Wyss in seinen Werken leuchten lässt. «Lernen Sie die Farben anlässlich einer der Führungen mit dem Künstler kennen», forderte er die Besucherinnen und Besucher auf.

Ein Rahmenprogramm für Kunstliebhaber

Denn «Rühmen, das ist’s!» ist mehr als eine Ausstellung. Es ist ein mehrwöchiger Kunstevent. Arthur Wyss hat in Ergänzung zu seinen Bildern ein Rahmenprogramm zusammengestellt, das Kulturliebhaber über Wil hinaus anlocken soll.

«Ich wollte damit auch neue Ebenen zusammenbringen. Zum Beispiel das Theaterkabarett mit Sybille und Michael Birkenmeier nächsten Samstag. Oder die Gesprächsrunde «Kunst heute – das kann ich auch!» mit dem bekannten Autor Christian Saehrendt am 3. Oktober», sagt Wyss mit Begeisterung.

Kunst nicht nur zu machen, sondern auch zu vermitteln, das ist Arthur Wyss seit jeher wichtig. Das betonte auch Sonja Rüegg, Kuratorin der Kunsthalle Wil, anlässlich der Vernissage. Sie rief in Erinnerung, dass Arthur Wyss die Wiler Rudolf-Steiner-Schule gegründet hatte.

Und dass er während rund 15 Jahren mit seiner Schule Varwe einen grossen Beitrag zum künstlerischen Leben in Wil beisteuerte, weil er Malkurse, aber auch den obligatorischen Vorkurs angeboten hatte.

Die eigene Kunst erhielt aber immer viel Raum. Arthur Wyss malt oft und gerne. Die ausgestellten Werke sind mehrheitlich in den letzten drei, vier Jahren entstanden. Etwas Besonderes erwartet den Besucher am Ende des Rundgangs durch die Lokremise: 14 Bilder zu «Licht und Schwere», betitelt nach Worten der Philosophin Simone Weil.

Sie unterscheiden sich völlig von den restlichen Werken, sind, je nach Stichworten wie «Angst», «Zweifel» oder «Hass» aufwühlend oder beruhigend, etwa «Wahrheit, «Freude» oder «Hoffnung».

Hinweis
Bis 11. Oktober; Führungen und Rahmenprogramm unter arthurwyss.ch/ausstellung2020.