Das Riechen der sanften Brise

In Ägypten hat am Montag das traditionelle Sham-al-Nassim-Fest stattgefunden. Sham al Nassim ist ein offizieller ägyptischer Nationalfeiertag.

Lucienne Suter
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Das Osterfest verbringen die Ägypter oftmals auch im Park. (Bild: Lucienne Suter)

Das Osterfest verbringen die Ägypter oftmals auch im Park. (Bild: Lucienne Suter)

In Ägypten hat am Montag das traditionelle Sham-al-Nassim-Fest stattgefunden. Sham al Nassim ist ein offizieller ägyptischer Nationalfeiertag. Dieses Fest ist das Osterfest der Koptisch-orthodoxen Kirche, denn der Koptische Kalender geht dem westlichen Gregorianischen Kalender derzeit um 283 Jahre, acht Monate und zehn oder elf Tage hinterher. Sham al Nassim ist jedoch auch ein pharaonischer Frühlingsbrauch, welcher schon im Alten Ägypten praktiziert wurde.

Ein Tag auf dem Nil

So ist der Ostermontag in Ägypten schon immer ein Feiertag gewesen, welcher von allen Ägyptern, unabhängig ihrer Religion, gefeiert wurde. Nach der Tradition trifft man sich mit der Familie und Freunden zum gemeinsamen Frühstück und verspeist dabei bunt bemalte Eier. Den ganzen Tag verbringen die Ägypter dann in einem Park oder auf dem Land, geniessen die Frühlingssonne und machen ein Picknick. Einige Familien sichern sich zu diesem Fest auch einen Platz auf einem Schiff, um den Tag auf dem Nil zu verbringen, oder gehen mit ihren Kindern in den Zoo. Das traditionelle Essen an diesem Tag besteht einerseits aus den bunt bemalten Eiern, aber auch aus gesalzenem Fisch, Zwiebeln, Bohnen und Salat. Es wird vermutet, dass die Kopten den Brauch mit den bunten Eiern damals von den Pharaonen übernommen hatten. So besagt eine Quelle aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, dass die alten Ägypter ihren Gottheiten am Sham al Nassim gesalzenen Fisch, Salat und Zwiebeln als Opfergaben gebracht hatten.

Ei steht für die Wiedergeburt

Die Bräuche und Rituale, das Bemalen und Essen bunter Eier sowie in Salz eingelegtem Fisch, lassen sich bis zu den Pharaonen zurückverfolgen. Während das Ei für die Wiedergeburt der Menschen steht, wird der salzige Fisch (ein roher Fisch, der im Salz lange haltbar gemacht wurde) mit der Mumifizierung, und somit dem Weiterleben in der Ewigkeit, in Verbindung gebracht. In der orthodoxen Kirche steht das Ei ebenfalls für die Wiedergeburt und auch der Fisch ist ein christliches Symbol. Nach der Christianisierung Ägyptens sei dieser Brauch mit dem christlichen Fest der Auferstehung – dem Osterfest – verbunden, und auf den Ostermontag festgelegt, worden. Auch nach der islamischen Eroberung Ägyptens blieb dieses Fest bis heute an den Koptischen Kalender gebunden, auch wenn der Moslemische Kalender sich nach dem Mond und nicht nach dem Sonnenjahr richtet. Der Ausdruck Sham al Nassim ist schwer in die deutsche Sprache zu übersetzen. Er beutet frei übersetzt «Das Riechen der sanften Brise», was natürlich ein perfekter Name für ein Frühlingsfest ist.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berichtet die 26-Jährige über Erlebnisse in der ägyptischen Hauptstadt.