Das Problem nicht verschlafen

Bezahlbarer Wohnraum wird in Wil zur Mangelware. Der SP-Parlamentarier Kilian Meyer fordert in einem Vorstoss den Stadtrat auf, gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern. Mike Sarbach von den Grünen Prowil ist gleicher Meinung.

Philipp Haag
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Kilian Meyer Stadtparlamentarier, SP (Bild: pd)

Kilian Meyer Stadtparlamentarier, SP (Bild: pd)

WIL. Wil hat eine Schattenseite: Obwohl die Stadt schmuck und lebenswert ist, «in guter Pendel-Distanz zu St. Gallen, Winterthur und Zürich», wie der SP-Stadtparlamentarier Kilian Meyer sagt, wird erschwinglicher Wohnraum zur Mangelware, selbst für den Mittelstand. Wil hat in der Region die höchsten Immobilienpreise, die Mietzinsen steigen stetig. Einer, der dies zu spüren bekommen hat, ist Mike Sarbach. Er zieht nun nach Rossrüti. Kürzlich Vater von Mia geworden, braucht der Stadtparlamentarier der Grünen Prowil mehr Wohnraum. Gerne wäre er mit seiner jungen Familie im Wiler Südquartier wohnen geblieben. Doch Mike Sarbach fand kein Haus, das bezahlbar ist, als Eigentum oder zur Miete. Er und seine Frau arbeiten beide Teilzeit, verfügen aber trotzdem über ein ordentliches Einkommen. Der Preis der Liegenschaften, die Mike und Claudia Sarbach begutachtet haben, belief sich selten auf unter einer Million Franken. «Auch Häuser von älteren Personen, an denen seit Jahren keine Arbeiten mehr vorgenommen wurden und in welche rund eine Viertelmillion Franken investiert werden müsste, kosten zwischen 850 000 Franken und einer Million Franken», sagt Sarbach. Mit der Zeit hätten sie festgestellt, dass in Wil keine Liegenschaft zu finden sei, die sie finanzieren könnten.

«Mit Glück», wie er betont, fanden sie einen Reihenhausteil im Zentrum von Rossrüti, wohin sie gerne umziehen, sobald dieses nach einem Umbau bezugsbereit ist. Dass es in Wil schwierig ist, mit einem durchschnittlichen Lohn Wohneigentum zu finden, registriert Sarbach auch in seinem Umfeld. Für ihn ist es darum angebracht, «dass der Stadtrat endlich eine aktive Bodenpolitik betreibt.» Dies bedeutet: Grundstücke nicht ausschliesslich an Investoren abgeben, die nur eine hohe Rendite anstreben. «Die Stadt muss dem gemeinnützigen Wohnbau eine Chance geben», sagt Sarbach.

Keine «Wohnungsnot-Stadt»

Sarbach unterstützt ein Postulat von Kilian Meyer, der vom Stadtrat verlangt, den gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern. «Trotz reger Bautätigkeit und tiefer Zinsen schiessen die Mietpreise in die Höhe», sagt der Stadtparlamentarier. Gebaut werde, was am besten rentiere: Teure Eigentumswohnungen und kleine Wohnungen für Singles und Paare. Vor allem junge Familien mit einem Durchschnittslohn würden keine preisgünstige, an einem geeigneten Ort gelegene Wohnung mehr finden. Wenn Wil nicht zu einer «Wohnungsnot-Stadt» werden will, müsse die Stadtregierung rasch Gegensteuer geben. «Sie darf das Problem nicht verschlafen», sagt Meyer. Er fordert darum Steuerungsmassnahmen. Zum Beispiel: Die Abgabe von zinsgünstigem Land im Baurecht an Investoren, falls diese zu mindestens 40 Prozent preisgünstigen Wohnraum realisieren. Oder: Abgabe von Land an Wohnbaugenossenschaften, die preisgünstigen Wohnraum erstellen und Gemeinderichtlinien vermieten.

Meyer kann sich durchaus vorstellen, dass auf dem Hofberg, wo die Stadt Land besitze, preisgünstige Wohnungen entstehen, «anstatt weitere Pizzaschachteln». Dass es sich um einen Eingriff in den freien Markt handelt, ist sich der Politiker bewusst. Wenn der Markt nicht das anzustrebende Ergebnis hervorbringe, sagt der Meyer, «ist es Aufgabe der Stadt, regulierend zu handeln». In Wil müssten alle Einkommensklassen und Berufsgruppen Platz haben und über ein angemessenes Wohnungsangebot verfügen. Viele jener Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet seien, trügen das funktionierende Leben einer sozial durchmischen Stadt entscheidend mit, kulturell, politisch oder in Vereinen. Der Stadtparlamentarier erwartet vom Stadtrat ein Konzept und eine Strategie, wie bezahlbarer Wohnraum gefördert werden kann, die über das Zeughausareal, das die Stadtregierung in diesem Zusammenhang nennt, hinausgehen.

Auch Sulzer und Stutz

Des Problems bewusst ist sich auch der SP-Stadtrat Dario Sulzer. Er sieht die Stadt in einer Mitverantwortung und befürwortet Steuerungsmassnahmen für erschwinglichen Wohnraum. Dem gemeinnützigen Wohnungsbau Priorität einzuräumen, diese Auffassung vertritt auch der Stadtratskandidat Daniel Stutz von den Grünen Prowil. Für ihn ist eine Wohnbaugenossenschaft für das Zeughausareal eine Option, «die zu prüfen sich lohnt».

Der Stadtrat nennt regelmässig das Zeughausareal als möglichen Standort für erschwingliche Wohnungen. (Bild: Philipp Haag)

Der Stadtrat nennt regelmässig das Zeughausareal als möglichen Standort für erschwingliche Wohnungen. (Bild: Philipp Haag)