Das «Mojo» kommt immer mit

Zum ersten Mal seit Gründung war die Bluesfabrik am Donnerstag ausverkauft. Dafür gesorgt haben das österreichische Blues-Urgestein Eric Trauner und seine Mojo Blues Band.

Michael Hug
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Verscheuchte den Winterblues: Eric Trauner und seine Mojo Blues Band in der Bluesfabrik. (Bild: mhu.)

Verscheuchte den Winterblues: Eric Trauner und seine Mojo Blues Band in der Bluesfabrik. (Bild: mhu.)

MÜNCHWILEN. An den Song haben sich alle rangemacht: «Got My Mojo Morking». Die Liste ist lang: Alexis Korner, Manfred Mann, Canned Heat, Elvis Presley, Rory Gallagher, J. J. Cale, B. B. King, Buddy Guy, Eric Clapton, Johnny Winter und einige mehr. «Got My Mojo Morking» mit seiner Affinität für das Mystische gehört nun mal zum Repertoire eines Bluesmusikers, sozusagen als Talisman für den Erfolg. Vielleicht wurde er sogar dazu geschaffen: «Mojo» ist ein Synonym für Glücksbringer. Den einst nach Amerika deportierten afrikanischen Sklaven brachte der Glücksbringerbeutel mit meist skurrilem Inhalt jedoch kein Glück. Überlebt hat das «Mojo» dennoch, und dank des Blues lebt es immer noch.

Lass den Glücksbringer raus

Im Song «Got My Mojo Morking», geschrieben 1956 vom völlig unbekannt gebliebenen Preston Foster (und popularisiert von Muddy Waters), geht es darum, den «Glücksbringer» arbeiten zu lassen. Doch ausgerechnet bei der Frau, die es be- oder verzaubern soll, versagt das «Mojo». Die Mojo Blues Band hat den Glücksbringer sogar in ihren Namen aufgenommen. Ihr hat er Glück gebracht, und das schon 36 Jahre lang. Denn so lange gibt es die Band um den Österreicher Eric Trauner schon. Trauner hatte mit 19 Jahren offensichtlich einen guten Riecher für den richtigen Inhalt des Glücksbringerbeutels.

Glücksbringerband

Am Donnerstagabend traten Trauner und seine Glücksbringerband in der Bluesfabrik auf. Vielleicht war es der zugkräftige Name, vielleicht auch, weil am Folgetag niemand früh aufstehen musste, vielleicht war's auch der Winterblues – jedenfalls war der Saal zum erstenmal ausverkauft. Co-Initiant und Booker der Bluesfabrik Ruedi Laubacher freute sich: «Mit einem bekannten Namen füllt man einen Saal schnell.» Das Problem ist nur, dass es hierzulande nicht sehr viele berühmte Namen gibt – und die berühmten Namen aus dem Ausland, vorab aus den USA, einfach zu teuer sind für einen mittelgrossen Club.

Entscheidung nicht bereut

Doch den Zuhörenden war dies egal. Sie hatten ihre Entscheidung, an einem ungewöhnlichen Donnerstag auszugehen, nicht bereut. Und sie Band auf der Bühne gab schon gar keinen Grund dazu. Eric Trauner, der stets Gutgelaunte, strahlte wie eh und überstrahlte mit Witz und Entertainment jegliche Gründonnerstagsmelancholie. Drei schnelle Songs im Chicago-Stil spielten er und seine Mannen, dann musste zum erstenmal der Schweiss aus dem Gesicht gewischt werden. «We now play a slow song, because this is obviously a parent party!» Was die durchwegs älteren Gäste im Saal begeistert beklatschten – ob sie sich auf die Verlangsamung freuten oder einfach die Worte nicht verstanden, sei dahingestellt.

Das Versprechen gehalten

Dann liess Trauner sein «Mojo» arbeiten. Und auch diesmal half es nicht bei seiner Angebeteten. Diese sei nämlich, wie er im vorangehenden «FB Blues» darlegte, in den Untiefen des WWW verschwunden. Dann wurde das Tempo wieder schneller, man spielte eigene Songs, man coverte Klassiker, man wischte sich den Schweiss von der Stirn, man sprach Englisch und Deutsch im kreativen Durcheinander: «Ich spreche meistens Englisch in der Schweiz, sonst versteht man mich nicht!», grinste der Wiener. Doch diesmal hielt das «Mojo», was es versprach: Die Mojo Blues Band schenkte den Fans einen beglückenden Abend und verscheuchte den Winterblues.

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