«Das Mobiliar für die <Schür> fehlt»

Der Freundeskreis Dreibrunnen möchte den Neubau im Wallfahrtsort Maria Dreibrunnen verhindern. Er bezeichnet den Kostenvoranschlag als unvollständig und befürchtet ausufernde Betriebskosten. Kirchenpräsident Grämiger kontert.

Philipp Haag
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Der Neubau soll neben dem Pilgerhaus zu stehen kommen. (Bild: Visualisierung: pd)

Der Neubau soll neben dem Pilgerhaus zu stehen kommen. (Bild: Visualisierung: pd)

WIL. «Die Katholische Kirche hat ein Luxusproblem.» Der Freundeskreis Dreibrunnen wählt deutliche Worte. Die Gruppierung möchte den Neubau «Schür», den der Katholische Kirchenverwaltungsrat im Wallfahrtsort Maria Dreibrunnen für 2,4 Millionen Franken plant, verhindern. Bestandteil des Neubaus sind neben einer offenen Halle auch Gruppen-/Sitzungsräume und ein Bankettsaal für bis zu 150 Personen. Obwohl die Kirchgemeinde bereits Säle an vier verschiedenen Standorten (Pfarreizentrum Wil, Bronschhofen, Wilen und Rickenbach) besitze, wolle sie in Dreibrunnen noch einen fünften bauen. «Dieses Neubauprojekt zerstört den Charakter von Dreibrunnen und hat gravierende Mängel», sagt Hans Fässler vom Freundeskreis Dreibrunnen.

Keine Küche in der Wohnung

Der Freundeskreis nennt in einer Mitteilung mehrere Kritikpunkte. Gravierend ist der Vorwurf, der Kostenvoranschlag sei unvollständig. Fässler verdeutlicht: «Die Küche in der Pächterwohnung fehlt. Eine Garage für den Pächter kommt nicht vor. Auch das Mobiliar im Neubau <Schür> ist nicht aufgeführt.» Sowohl für Küche und Garage als auch für die Möblierung müsse nachträglich ein ansehnlicher Betrag investiert werden, sagt er. «Der Kostenvoranschlag ist vollständig, und es fehlt nichts zum vorgesehenen Betrieb des Pilgerhauses und der neuen <Schür>, kontert Jürg Grämiger, Präsident des Katholischen Kirchenverwaltungsrats. Die Wirtewohnung sei vorhanden und nutzbar. Ob sie dann genutzt werde, werde sich zeigen, wenn der Wirt bestimmt sei. Bezüglich des fehlenden Mobiliars sagte der Kirchenpräsident: «Selbstverständlich ist die betriebsbereite Einrichtung der Gebäude inklusive Neubau <Schür> im Kostenvoranschlag enthalten.»

Der Freundeskreis ist der Meinung, die Betriebskosten für den Neubau würden ausufern. Fässler vermisst konkrete Zahlen. Er nennt ein Beispiel: «Wer ist für die Hauswartung der <Schür> zuständig?» Die Hauswartsarbeiten für die Räume, die kirchlich genutzt würden, könnten doch nicht (unentgeltlich) dem Wirt übertragen werden. «Dafür muss eine Person angestellt werden.» Grämiger sagt dazu: «Wie in der Botschaft aufgezeigt, werden die Betriebskosten Pilgerhaus und <Schür>, soweit mit dem Gastbetrieb zusammenhängend, von diesem getragen.» Der Umgebungsunterhalt werde wie heute von der Kirchgemeinde getragen. Einzig die von der Seelsorge verursachten Betriebskosten würden von der Kirchgemeinde getragen «und soweit möglich von der Franziskanergemeinschaft erledigt». Diese Kosten fielen auch heute an und würden nicht wesentlich höher sein.

Nicht durchdacht

«Die Planung für die Neugestaltung berücksichtigt die örtlichen Verhältnisse nicht und ist wenig durchdacht», bringt der Freundeskreis eine Grundsatzkritik an. Fässler doppelt nach. Der Neubau entspreche keinem Bedürfnis der Kirchgängerinnen und Kirchgänger von Maria Dreibrunnen. Eine Umfrage habe ein solches Verdikt klar zum Ausdruck gebracht. Ausserdem würde ein Platz zerstört sowie Bäume gefällt.

Grämiger hält dagegen: «Die Planung ist sehr wohl und gut durchdacht.» Der Neubau sei richtig plaziert, leicht zurückversetzt gegenüber dem ursprünglichen Scheunenbau an diesem Ort, so dass die Wallfahrtskirche voll zur Geltung komme und einbezogen werde in den Vorplatz. «Da der Neubau der Seelsorge und Gästebetreuung dient, liegt er ideal zwischen Pilgerhaus und Kirche.» Die Bäume seien geschützt, sagt Grämiger, «und werden erhalten.» Auch den Vorbehalt des Freundeskreises, der Saal in der «Schür» sei umständlich zu bedienen, lässt Grämiger nicht gelten. Die Bedienung des Saales sei von der Restaurantküche im Pilgerhaus mit Lift ebenerdig zur «Schür» problemlos machbar mit mobilen Geräten. Zudem sei im Neubau ein gut eingerichtetes Office vorgesehen.

Auch bei den vorgesehenen Parkplätzen ortet der Freundeskreis ein Problem: Heute würden während der Gottesdienste am Sonntag mehr als 70 Autos bei Maria Dreibrunnen parkieren. «Bei dieser Anzahl Fahrzeuge reicht die geplante Parkfläche neben dem Weiher nicht aus.» Den Weg von den bei Grossanlässen nutzbaren Parkfeldern im Industriegebiet erachtet Fässler «bei schlechtem Wetter» als unzumutbar. Ausserdem müsse eine Strasse überquert werden, «was nicht ungefährlich ist». Grämiger ist gegenteiliger Meinung: Mit dem neuen Parkplatz werde die Parkierung gelöst. «Es gibt heute weniger offizielle Parkplätze als nachher mit der geordneten Parkierung.» Für den Sonntagsgottesdienst sei genug Platz vorhanden. Zudem könne bei Grossanlässen neu die Parkierung in der nahegelegenen Industrie genutzt werden. «Die Mörikonerstrasse wird von der Stadt neu gestaltet», sagt Grämiger, «mit Verkehrsberuhigung für Durchfahrende und gestalteten Übergängen.» Kantonspolizei und Stadt hätten das Verkehrskonzept bewilligt.

«4,35 Millionen reichen nicht»

«Ein Projekt mit so vielen Mängeln muss abgelehnt werden», betont der Freundeskreis. Fässler ist überzeugt, die beantragten 4,35 Millionen Franken würden nicht ausreichen. Er befürchtet, den Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern würden die zusätzlichen Kosten in den nächsten Jahren peu à peu präsentiert. Grämiger bezeichnet die Vorwürfe als haltlos «und wenig hilfreich für die Zukunft unseres Wallfahrtsortes Maria Dreibrunnen». Werde der Baukredit bewilligt, «muss und wird er genügen». Zudem müsse die Bauabrechnung nach Vollendung der Kirchbürgerschaft vorgelegt werden. Der Kirchenverwaltungsrat gebe zudem jährlich an der Bürgerversammlung Rechenschaft über Ausgaben und Einnahmen (Jahresrechnung) und beantrage das Budget.

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