Das macht die Stadt Wil für die Gleichstellung von Behinderten

Wie kann die Stadt Wil die Gleichstellung von Behinderten auf allen gesellschaftlichen Ebenen erreichen? Um diese Frage zu beantworten, hat der Stadtrat das Leitbild «Menschen mit Behinderung» verabschiedet.

Gianni Amstutz
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Relieflinien am Boden helfen Sehbehinderten dabei, sich zu orientieren. Bild: Josephine Opprecht

Relieflinien am Boden helfen Sehbehinderten dabei, sich zu orientieren. Bild: Josephine Opprecht

Die Ampel beim Fussgängerstreifen am Schwanenkreisel schaltet auf grün. Eilig überqueren die Leute die Strasse, denn selbst ohne jedwede Einschränkung passiert es, dass das orange Licht bereits aufleuchtet, bevor man die andere Strassenseite erreicht hat. Wie ist es da beispielsweise für blinde Menschen möglich, die nicht im selben Tempo vorankommen, es rechtzeitig über die Strasse zu schaffen?

Solche und ähnliche Probleme im Leben von Menschen mit Behinderung will die Stadt nun verstärkt angehen. Dazu hat der Stadtrat ein Leitbild verabschiedet. Denn bisher existierten in der Stadt keine eigenen Grundlagen. Die Bundesverfassung und das Behindertengleichstellungsgesetz garantieren zwar bereits Rechtsgleichheit, die über den Rahmen der blossen Beseitigung rechtlicher Ungleichheiten hinaus geht und Massnahmen zur Beseitigung der Benachteiligung von Behinderten vorsieht.

Leitbild gibt die Richtung vor

«Es war nicht so, dass wir bisher nichts in diesem Bereich gemacht hätten», sagt Stadtrat Dario Sulzer. Bei öffentlichen Bauten oder Bushaltestellen beispielsweise sei die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung schon immer ein wichtiges Kriterium gewesen. Mit dem Leitbild verfüge die Stadt nun über einen konkreten Rahmen, welcher die Richtung vorgebe, wohin sie sich in Fragen der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung entwickeln will. Einerseits wirke das Leitbild gegen innen als klares Bekenntnis und Zielformulierung des Stadtrats, anderseits habe es auch eine Wirkung gegen aussen.

«Es ist ein deutliches Zeichen, dass uns dieses Thema ein wichtiges Anliegen ist und wir konkrete Lösungen auf dem Weg zu einer behindertengerechteren Stadt erreichen wollen.»


Zur Erarbeitung der Grundlagen des Leitbildes gab die Kommission Gesundheit, Alter, Behinderung ein Studierendenprojekt an die Fachhochschule St. Gallen in Auftrag. Daraus entstanden sind sechs Handlungsfelder, denen die Stadt bis 2021 besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen will. So sollen Menschen mit Behinderung sich im öffentlichen Raum sowie in städtischen Gebäuden möglichst frei bewegen können. Ausserdem soll selbstbestimmtes Wohnen gefördert und die Gesellschaft für die Anliegen von Behinderten sensibilisiert werden.

Sechs Handlungsfelder


Aus den sechs Handlungsfeldern hat die Stadt konkrete Massnahmen definiert, die erreicht werden sollen. Diese sind aber eher zurückhaltend formuliert. Oft ist das Wort «prüfen» zu lesen. So zum Beispiel bei Trottoirabsenkungen oder einem Zugang zu den Perrons von der Bahnhofunterführung Ost mittels Lift oder Rampe.

«Man könnte immer mehr machen, doch wir wollten den Massnahmenplan nicht überladen»

sagt Sulzer. Alle vier Jahre soll das Leitbild auf seine Gültigkeit überprüft, angepasst und mit neuen Schwerpunkten belegt werden. Ein formuliertes Ziel des Massnahmenplans ist es, dafür direkt Betroffene und deren Angehörige in die Prozesse miteinzubeziehen.