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Das letzte Hemd verkauft: Die Flawiler Kinderkleiderbörse im Frühling findet nach 48 Jahren nicht mehr statt

Der Grund: sinkende Nachfrage nach gebrauchten Kinderkleidern und Spielsachen. Doch nicht überall zeigt sich dasselbe Bild: Die Kinderartikelbörse in Wil läuft ganz nach Wunsch der Organisatoren.
Tobias Söldi
Marianne Häfele, Kinderkleiderbörse Flawil

Marianne Häfele, Kinderkleiderbörse Flawil

«Der Aufwand lohnt sich einfach nicht mehr», sagt Marianne Häfele, Hauptverantwortliche der Kinderkleiderbörse, die jeweils im Frühling im katholischen Pfarreizentrum stattfindet. «Die Besucherzahlen sind extrem schlecht. Wir haben immer weniger Leute, die Artikel bringen, und auch immer weniger Käuferinnen und Käufer», sagt Häfele.

Nach 48 Jahren hat die Frauengemeinschaft St. Laurentius Flawil, die als Trägerverein der Kinderkleiderbörse fungiert, deshalb entschieden, die Frühlings-Börse nicht mehr durchzuführen. «Schweren Herzens», wie es in ihrer Mitteilung heisst. Es ist allerdings ein Entscheid, der sich abgezeichnet hat: In den letzten zehn Jahren hat die Nachfrage nach gebrauchten Kinderkleidern und Spielsachen konstant abgenommen. «Früher wurden wir beim Anliefern der Artikel beinahe überrannt und kamen kaum nach mit Sortieren. Heute sind im Gegensatz dazu fast zu viele Frauen anwesend», sagt Häfele.

Herbst läuft besser als Frühling

Warum diese Entwicklung? «Wir erklären sie uns damit, dass neue Sommerkleider heute extrem günstig zu haben sind», sagt Häfele. «Bei einigen Kleiderketten kriegt man für wenig Geld ein neues T-Shirt oder einen Rock.» Der Besuch einer Kleiderbörse lohnt sich deshalb schlicht nicht mehr.

Weniger düster zeigt sich das Bild bei der Kinderkleiderbörse im September, die ebenfalls von der Frauengemeinschaft St. Laurentius organisiert wird. «Winterkleider sind teurer als Frühlings- oder Sommerkleider», sagt Häfele. Einen fast neuen Skianzug für 20 statt 120 Franken zu kaufen, sei attraktiv. Die Herbstbörse, die dieses Jahr am 18. September stattfindet, kann sich deshalb nach wie vor behaupten. «Aber auch sie läuft nicht mehr so gut wie vor zehn
Jahren. Das Angebot wird allerdings mehr geschätzt. Der Aufwand lohnt sich noch», sagt Häfele.

Ein neues Format in Degersheim

Jeanette Van Caenegem, Tischbörse Degersheim

Jeanette Van Caenegem, Tischbörse Degersheim

Flawil ist kein Einzelfall. Die Frühlingstischbörse in Degersheim hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. «Es ist tatsächlich schwierig, die Kinderkleiderbörse aufrechtzuerhalten», sagt Jeanette Van Caenegem, die zusammen mit Alexandra Chennaoui die Tischbörse in
Degersheim organisiert. Van Caenegem berichtet von denselben Problemen, die Häfele für Flawil beschrieben hat. Aber: «Die Börse abschaffen wollen wir auch nicht», sagt Van Caenegem.
Aus diesem Grund testet man in Degersheim ein neues Format.

Erwachsene können dieses Jahr erstmals für zehn Franken einen der 22 Tische mieten, um Kinderkleider, Spielzeuge oder Umstandsmode zu verkaufen. Die Einnahmen werden dabei gespendet. «Jeder kann seine Sachen selbst verwalten», sagt Van Caenegem. So sinkt der Aufwand für die Organisatoren, mussten die 25 bis 30 Helferinnen früher doch sämtliche Artikel entgegennehmen, kontrollieren, sortieren, von Hand beschriften und verteilen. «Aufwand und Ertrag haben nicht mehr übereingestimmt», sagt Van Caenegem. Zudem seien viele der Helferinnen schon älteren Semesters, und junge Mütter hätten immer weniger Zeit, sich zu engagieren.

Ob das neue Konzept Erfolg hat, wird sich am 20. März zeigen, wenn das Evangelischen Kirchgemeindehaus in Degersheim zur Kleiderbörse wird. Van Caenegem hofft auf das Beste: «Tischbörsen sind toll. Es treffen so viele unterschiedliche Menschen, Mütter, Kinder und Kulturen aufeinander.»

Börsen in Wil laufen immer besser

Ein ganz anderes Bild als in Degersheim und in Flawil zeigt sich in Wil: «Der Umsatz und die Zahl der Artikel haben in den letzten Jahren zugenommen», sagt Bettina Osterwalder, die zusammen mit Fiona Graf die Kinderartikelbörse organisiert. Sie findet am 20. März im Katholischen Pfarreizentrum statt. «Wir können nicht klagen.» Auch zwischen Frühlings- und Herbstbörse bemerkt Osterwalder keinen grossen Unterschied. «Beide laufen sehr gut.» Zahlen belegen das: Zwischen 2015 und 2018 ist die Anzahl der angenommenen Artikel im Fall der Wiler Frühlingsbörse von 2826 auf 3131 angestiegen, bei der Herbstbörse sogar von 2787 auf 4258.

Mentalitätswandel, Qualität und Auswahl

Was macht Wil anders? Über die Gründe kann Osterwalder nur mutmassen. So stellt sie etwa einen Mentalitätswandel fest, welcher Second-Hand-Börsen entgegenkommt: «Die Leute denken immer mehr an Nachhaltigkeit und werfen Sachen weniger schnell weg. Viele Leute finden es sinnvoll, Kleider in eine Börse zu bringen statt zu entsorgen.»

Zudem lege man in Wil besonderen Wert auf die Qualität der abgegebenen Artikel. «Bei uns müssen die Leute ihre Sachen persönlich abgeben und vorzeigen.» Dadurch sei zwar der Kontrollaufwand gross, dafür bekommen die Käuferinnen und Käufer aber saubere und funktionstüchtige Ware. «Es spricht sich herum, dass die Sachen bei uns in gutem Zustand sind», so Osterwalder. Dabei beschränkt sich die Kinderartikelbörse in Wil nicht allein auf Kinderkleider. «Wir haben vermehrt Bücher und Spiele im Sortiment, im Frühling etwa Dreiräder oder Trottinette. Das liegt sehr im Trend.»

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