Das lange Warten auf Frau Holle: Dorfskilifte der Region Wil und Toggenburg stehen noch immer still

Die Skiliftbetreiber aus der Region Wil und Toggenburg hadern mit dem ausbleibenden Schnee.

Gianni Amstutz
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Der Winter ist deutlich zu warm. Die Skilifte in mittleren Höhenlagen stehen deshalb still.

Der Winter ist deutlich zu warm. Die Skilifte in mittleren Höhenlagen stehen deshalb still.

Bild: Alexandra Wey/Keystone

Sie muten fast ein wenig an wie Relikte vergangener Tage, die kleinen Skilifte in der Region Wil und Toggenburg. Sie stammen meist aus Zeiten, in denen  Skiferien im Wallis oder in Graubünden aus Kostengründen für viele Familien kein Thema waren. Kleine von Vereinen betriebene Skilifte ermöglichten den Skispass vor der Haustüre. Sie tun das noch immer, auch wenn die finanzielle Situation bei vielen angespannt ist.

In diesem Winter macht nun Frau Holle den Skiliftbetreibern in der Region das Leben zusätzlich schwer. Von Schnee ist auch Ende Januar noch keine Spur. Das Thermometer zeigt in diesen Tagen rund sieben Grad an. Mancherorts fallen die Temperaturen nicht einmal nachts unter den Gefrierpunkt.

Die Bügellifte stehen still

«Es hat etwas Neuschnee gegeben, aber leider zu wenig. Fürs Skifahren reicht es aber noch nicht.» Diese Tonbandaufnahme des Skilifts Tanzboden in Ebnat-Kappel wurde am 13.Dezember aufgenommen. Die Hoffnung auf mehr Schnee wurde seither nicht erfüllt. Noch immer konnte der Skilift nicht in Betrieb genommen werden, wie ein Blick auf die Website zeigt. Dort heisst es: «Natürlich sind wir am Skilift schon lange parat – es fehlt nur der Schnee. Wir hoffen, dass dieser bald und in reichlicher Menge kommt.»

Der Skilift Tanzboden ist damit nicht alleine. Auch bei den anderen Skiliftbetreibern in mittleren Lagen stehen die Bügellifte still. Die Verantwortlichen nehmen das mit einer Prise Galgenhumor. «Das Wetter können wir leider nicht ändern», sagt Urs Stutz, Verwaltungsratspräsident des Skilifts Degersheim, lachend. Finanziell ist der schneefreie Winter für die Skilift Degersheim AG zwar verkraftbar, eine Häufung wäre aber ein Desaster.

«Wir hatten in unserer Geschichte auch schon Jahre, in denen wir den Lift gar nicht laufen lassen konnten»

Viermal sei das schon vorgekommen. Allerdings könne er sich nicht erinnern, wann es in einem Winter letztmals so warm war.

Hansueli Rechsteiner, Betriebsleiter des Skilifts Hemberg, ist ein bisschen Frustration über den ausbleibenden Schnee anzumerken. «Normalerweise ist unser Skilift sehr gut besucht.» Die Leute kämen aus einem grossen Umkreis, um auf dem Hemberg ein paar Schwünge im Schnee zu ziehen.

«Vor allem für die Kinder tut es mir leid, dass sie dieses Jahr bisher hier nicht Ski fahren konnten»

Er habe verschiedene Anfragen erhalten, ob sich denn gar nichts machen liesse, um heuer doch noch am Hemberg Ski zu fahren. «Da tut es mir schon fast weh, absagen zu müssen.» Die angestrebten 30 Betriebstage wird man voraussichtlich nicht erreichen. Damit würde der Skilift rote Zahlen vermeiden und hätte vielleicht noch etwas übrig, um «ein kleines Pölsterchen» für Reparaturen oder sonstige Anschaffungen beiseitelegen zu können.

Das wird diesen Winter nicht möglich sein – auch in Gähwil nicht. Dort würden laut Theo Messmer, Vizepräsident des Verwaltungsrats, schon zwei gute Wochen Betrieb genügen. Auch er ist nicht allzu optimistisch, dass dieser Wert noch erreicht wird. «Wir hoffen natürlich weiter auf Schnee und wären innert fünf Minuten bereit, aber zurzeit sieht es nicht gut aus.»

25 bis 40 Zentimeter Neuschnee wären nötig

Um die Skilifte einzuschalten, bräuchte es denn auch nicht nur ein paar Flocken, sondern ordentliche Mengen Schnee. Je nachdem, ob der Boden gefroren ist, und abhängig von der Lage benötigten die Skigebiete zwischen 25 und 40 Zentimeter Neuschnee.

Selbst wenn dieser noch kommt, wird die Saison bestenfalls eine durchzogene Bilanz aufweisen. Die Weihnachtsferien sowie die Sportferien sind für die Dorfskilifte die Hauptsaison. Danach, so der Tenor, flaue die Lust aufs Skifahren und damit die Besucherzahlen jeweils ab.

In dieser Saison fielen die Weihnachtsferien für die Betreiber ins Wasser – und auch für die Sportferien, die in vielen St.Galler Gemeinden diese Woche beginnen, sieht es schlecht aus. Den Prognosen nach wird es zwar Niederschlag geben, die Temperaturen sind für Schnee aber zu hoch.

Nicht für alle Skiliftbetreiber ist warmer Winter schlecht

Akut gefährdet ist keines der angefragten Skigebiete. Fixe Lohnkosten müssen keine bezahlt werden, da die Arbeit an den Skiliften von Landwirten aus den jeweiligen Dörfern verrichtet wird. Diese stehen auf Abruf bereit.

Trotzdem schrumpft das Polster aus guten Saisons durch einen schneefreien Winter erheblich. Kosten für Aufbau und Abbruch sowie Versicherungskosten müssen unabhängig des Wetters und der Betriebstage bezahlt werden. Ein Jahr mit roten Zahlen ist deshalb umso ärgerlicher. Geldreserven, die für die Instandhaltung der Maschinen, Ersatzteile oder Neuanschaffungen benötigt werden, schmelzen dahin.

Glücklicherweise können die Betreiber auf Unterstützung der jeweiligen Gemeinde sowie private Gönner oder Genossenschaftsmitgliedern zählen. Das gibt den Verantwortlichen etwas mehr finanziellen Spielraum.

Nicht für alle Skiliftbetreiber aus der Region ist der ausbleibende Schnee ein Ärgernis. In Mogelsberg hat der Verkehrsverein den Lift gar nicht aufgestellt. Dies aber nicht wegen des fehlenden Schnees, sondern weil unerwartete Wartungsarbeiten anstanden. Dass diese Saison keine Betriebstage verzeichnet werden, fällt Stefan Hochreutener, Präsident der Verkehrsvereins, bei diesen Wetterbedingungen nun deutlich leichter.