Das Kreuz mit Andreas

Seitenblick

Simon Dudle
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Endlich macht es wieder so richtig Spass, abends um kurz vor acht SRF zu schauen. Nach gefühlten neun und gezählten fünf Monaten des Winters sind die Wetterprognosen für das bevorstehende Wochenende Balsam fürs Gemüt, ja eine Art Therapie. Bis zu 13 Stunden Sonne können pro Tag genossen werden. Selbst um 20 Uhr sind noch knappe 20 Grad angesagt. Da wäre es schon fast fahrlässig, die Einladung auf ein Grillfest auszuschlagen.

Vor Ort angekommen, stellt sich aber sodann eine wichtige Frage: Wie nur merke ich mir diese vielen Namen der Anwesenden? Beim Eintreffen kann man sich mit irgendwelchen abgedroschenen Phrasen wie «Es liegt mir auf der Zunge ...» noch über die Runde retten. Spätestens bei der Verabschiedung tief in der Nacht gibt es dann aber keine Ausrede mehr. Entweder der Name sitzt, oder die Zwei steht gross auf dem eigenen Rücken.

Es gilt, sich bereits bei der Begrüssungsrunde möglichst intensiv mit jedem Namen zu befassen. Damit signalisiert man dem eigenen Hirn, dass die Information wichtig ist und abgespeichert werden muss. Laut den Hirnforschern funktioniert am besten, einem Namen ein prägnantes Bild wie zum Beispiel eine grosse Nase, eine Glatze, oder eine Brille zuzuordnen. Soll auch noch ein zweiter Vorname gespeichert werden, sind weitere Brücken nützlich. Zum Beispiel das Andreaskreuz zu Andreas. Auch Fremdsprachen können helfen. Sich bei Urs einen Bär vorstellen, selbst wenn dies von der Postur her nicht passt.

Das Gegenüber bei der Begrüssung, nach der Herkunft des Namens zu fragen, kann ebenfalls nützlich sein. Das ist nicht nur für das eigene Gehirn hilfreich, damit zeigt man auch Interesse und hat schon ein erstes Gesprächsthema. Weitere Tipps: Bei der Vorstellung an jemanden mit dem gleichen Namen denken oder das äussere Erscheinungsbild mit dem Beruf oder der Herkunft in Zusammenhang bringen.

Und wenn das alles nichts hilft: Ein «allerletztes Bier» ist noch immer gegangen, bis nur noch der harte Kern zugegen ist. Der Abend soll ja ausgekostet werden. Wetten, dass dann jeder Name sitzt?

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch