Das Kreiselprojekt überdenken

«<Das Herz der Gemeinde>», Wiler Zeitung vom 8. Februar

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«<Das Herz der Gemeinde>», Wiler Zeitung vom 8. Februar

Wir wissen, dass der Kantonsrat ein weiteres Sparprogramm beschliessen wird und den Gemeinden dadurch noch mehr Geld entzogen wird. Unter diesem Aspekt ist es verantwortungslos, für eine Kreisel-Innenraumgestaltung 82 000 Franken an Steuergeldern auszugeben. Die geplante Innenraumgestaltung des Kreisels Sproochbrugg ist nicht ökologisch. Das Kiesbett wird mit grossem mechanischen oder chemischen Aufwand frei von Spontanvegetation gehalten werden müssen – analog der Kreisel in der Energiestadt Uzwil. Ist es sinnvoll, in jedem Kreisel ein paar Tonnen Stahl in Form von massiven Stahlwänden und Eisenskulpturen zu deponieren? Dieser von der «Art-Garten»-Branche verbreitete Trend hat im öffentlichen Raum nichts verloren. Der Roheisen-Abbau ist kein Fairtrade-Geschäft und führt zu Rodungen von Regenwald und damit zur Vertreibung Einheimischer. Darum sollte mit diesem Rohstoff sparsamer umgegangen werden. Weiter ist fraglich, warum Schilfgras angepflanzt werden soll? Mit diesem Bepflanzungs-Blödsinn im öffentlichen Raum muss aufgehört werden. Eine Atomstrom betriebene Beleuchtung installieren – na ja, man sollte sich mal mit dem Thema Lichtverschmutzung beschäftigen. Zu beachten ist auch, dass die Strassensanierung in erster Linie das Ziel haben sollte, dass es zu weniger Unfällen kommt. Ob eine «beleuchtete Kunstausstellung» dies erreicht, bezweifle ich.

Wie könnte eine nachhaltige Lösung aussehen? Auf der beim Bau entstehenden Kiesfläche wird der Natur Raum gegeben für eine Begrünung auf der Basis von Spontanvegetation. So kann in diesem markanten Punkt ein schönes Spontanvegetations-Element entstehen, das uns an einem sorgsameren Umgang mit unserer Welt animieren soll. Gerade im ländlichen Raum sind solche Flächen wichtig. Die Spotanbegrünung könnte die Bevölkerung daran erinnern, dass die heimische Flora über Jahrhunderte der Gratiszugang der landlosen Bevölkerung zu Nahrung und Medizinalpflanzen war. Dies sollten wir für die nächste Generationen nicht vergessen. Wenn unbedingt Geld verbraucht werden soll, kann eine Skulptur aus unbehandeltem Eichen-Totholz aus den gemeindeeigenen Wäldern aufgestellt werden. Das passt farblich genauso gut wie das geplante Element aus rostigem Metall. Mit dem Verzicht auf Stahlwände und Eisenskulpturen solidarisieren wir uns mit indigenen Völkern anderer Kontinente, deren Lebensräume durch unsere Lebensweise zerstört werden. Vom gesparten Geld könnten problemlos 20 000 Franken an Organisationen überwiesen werden, damit diese Machenschaften der Rohstoffkonzerne, die sich dank Steuergeschenken in der Schweiz ansiedeln, aufdecken können. Es würden auch mindestens 20 000 Franken übrigbleiben für ökologische Aufwertungsmassnahmen bei der Schulhausanlage. Zurzeit ist noch nichts entschieden, und die Bevölkerung darf sich noch in den Entscheidungsprozess einmischen.

Markus Scheiwiller, Wilen 706, 9240 Niederglatt