«Das Kinder-Dörfli Lütisburg verbinde ich mit einem Stück Heimat»: Franz Müller verlässt die Verwaltungskommission nach 38 Jahren

Insgesamt 38 Jahre lang war Franz Müller in der Verwaltungskommission des Kinder-Dörfli Lütisburg – 18 davon als Präsident. Nun freut er sich auf den Ruhestand, erzählt von Hochs und Tiefs und warum er so lange in Lütisburg geblieben ist.

Dinah Hauser
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Am Donnerstagabend übergab Franz Müller (links) das Präsidium an Glen Aggeler.

Am Donnerstagabend übergab Franz Müller (links) das Präsidium an Glen Aggeler.

Bild: Dinah Hauser (Lütisburg, 2. Juli 2020)

Gefasst und mit ruhiger Stimme leitet er durch Mitgliederversammlung. Es ist Franz Müllers achtzehnte und letzte als Präsident des Vereins Kinderdörfli St.Iddaheim, dem Förderverein des Sonderschulheims in Lütisburg. Nach insgesamt 38 Jahren des Wirkens in der Verwaltungskommission tritt der 67-Jährige zurück.

22 Mitglieder und viele Gäste sind zur Versammlung erschienen. Darunter Gemeindepräsidenten, ehemalige Mitglieder sowie ehemalige Gesamtleiter. Sie alle wollen Franz Müller einen gebührenden Abschied bescheren. Zuletzt verdrückt Franz Müller dann doch noch eine Träne: Der restliche Vorstand ernennt den Pensionär zum Ehrenpräsidenten und schenkt ihm ein gerahmtes Bild vom bekannten Künstler Walter Dick, welches die Umgebung des Kinder-Dörfli zeigt. Es soll ihn an seine Zeit hier erinnern.

Hanspeter Fust (rechts) ernennt Franz Müller im Namen der Verwaltungskommission zum Ehrenpräsidenten.

Hanspeter Fust (rechts) ernennt Franz Müller im Namen der Verwaltungskommission zum Ehrenpräsidenten.

Bild: Dinah Hauser (Lütisburg, 2. Juli 2020)

Als Gemeindepräsident gekommen, aus Überzeugung geblieben

Zum Kinder-Dörfli kam Franz Müller als ehemaliger Gemeindepräsident von Lütisburg. «Damals war die Meinung, es sei gut, wenn die Gemeinde vertreten ist», erzählt er. Ab 1990 war er dann Gemeindepräsident von Waldkirch. In der Vorstandskommission des Kinder-Dörfli blieb er trotzdem. Warum?

«Das Kinder-Dörfli verbindet mich mit der früheren Zeit und einem Stück Heimat.»

Warum er so lange blieb? «Die Zeit vergeht einfach so schnell», sagt der 67-Jährige schmunzelnd.

Seit vier Jahren ist Franz Müller nun pensioniert. Trotzdem setzte er sich weiterhin für das Kinder-Dörfli ein. Obwohl er nicht direkt mit den Kindern arbeitete, empfand er Freude, sie aufwachsen zu sehen und mitzuerleben, wie sie ihren eigenen Weg in dieser Welt finden. «Das Sonderschulheim ist eine sinnstiftende Institution, die mir sehr am Herzen liegt», sagt Franz Müller.

Innen hat sich viel verändert

In seinen 18 Jahren als Präsident habe es keine grossen Veränderungen gegeben – zumindest nicht solche, die nach aussen hin sichtbar waren. Trotzdem stand ein grösseres Bauprojekt an. Franz Müller hat mit der Verwaltungskommission und dem damaligen Direktor die alten Gebäude auf die neuen Bedürfnisse eines weltlichen Betriebs angepasst. Denn das Kinder-Dörfli war lange Zeit unter geistlicher Führung.

In personeller als auch konzeptioneller Hinsicht wurden neue Strukturen geschaffen. Die Gebäude wurden daraufhin innen saniert und teils umgebaut. Für Franz Müller war es einer der schönsten Momente, als die Arbeiten vor 15 Jahren endlich abgeschlossen waren und er zur Einweihung rufen durfte.

«Alle haben lange darauf hin gearbeitet. Endlich die Früchte zu sehen, war überwältigend.»

Auch die Sanierung des Schwimmbads vor einigen Jahren freute ihn ungemein. «Es zeichnet das Kinder-Dörfli aus und bietet den Kindern eine gute Abwechslung in den Sommermonaten.»

Das Bild soll Franz Müller an seine Zeit in Lütisburg erinnern.

Das Bild soll Franz Müller an seine Zeit in Lütisburg erinnern.

Bild: Dinah Hauser (Lütisburg, 2. Juli 2020)

Höhepunkte überwiegen

Als eine der grössten Herausforderungen beschreibt der Pensionär den Zwist mit der Lehrerschaft vor gut zehn Jahren, worauf hin ein Grossteil der Lehrpersonen die Kündigung einreichte. Seine Zeit in der Verwaltungskommission des Kinder-Dörfli sieht er wie das Leben selbst: Es gibt Hochs, aber auch Tiefs. «Aus meiner Sicht überwiegen aber die Höhepunkte.» Nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, das Präsidentenamt in neue Hände zu geben. Mit Glen Aggeler habe er einen guten Nachfolger gefunden, findet Franz Müller.

Glen Aggeler ist neuer Präsident

Die Verwaltungskommission schlug Glen Aggeler, 1977, als neuen Präsidenten vor. Der gelernte Konstrukteur hat die Polizeischule absolviert und war 13 Jahre in Appenzell Ausserrhoden tätig. Unter anderem war er beim Aufbau des polizeilichen Jugenddienstes beteiligt. Während 7,5 Jahren war er Präsident der Kesb Toggenburg. Glen Aggeler absolvierte die Weiterbildung zum eidgenössisch diplomierten Rechtsfachmann. Er ist heute Mitinhaber und Präsident der Rechtspraxis Aggeler Huber & Partner AG und als Rechtsagent und Kindesvertreter tätig. Seit 2020 ist der dreifache Vater CVP Kantonsrat in Appenzell Ausserrhoden. Einstimmig wurde er zum neuen Präsidenten gewählt. «Ich freue mich Teil einer sinnstiften Organisation zu sein», sagt Glen Aggeler zu seiner Wahl. Er könne von Franz Müller ein gut aufgestelltes Kinder-Dörfli übernehmen und werde sich für gute Rahmenbedingungen einsetzen. «Ich gebe mir Mühe, die grossen Fussstapfen von Franz Müller auszufüllen.»
Bild: Dinah Hauser
Die Verwaltungskommission schlug Glen Aggeler, 1977, als neuen Präsidenten vor. Der gelernte Konstrukteur hat die Polizeischule absolviert und war 13 Jahre in Appenzell Ausserrhoden tätig. Unter anderem war er beim Aufbau des polizeilichen Jugenddienstes beteiligt. Während 7,5 Jahren war er Präsident der Kesb Toggenburg. Glen Aggeler absolvierte die Weiterbildung zum eidgenössisch diplomierten Rechtsfachmann. Er ist heute Mitinhaber und Präsident der Rechtspraxis Aggeler Huber & Partner AG und als Rechtsagent und Kindesvertreter tätig. Seit 2020 ist der dreifache Vater CVP Kantonsrat in Appenzell Ausserrhoden. Einstimmig wurde er zum neuen Präsidenten gewählt. «Ich freue mich Teil einer sinnstiften Organisation zu sein», sagt Glen Aggeler zu seiner Wahl. Er könne von Franz Müller ein gut aufgestelltes Kinder-Dörfli übernehmen und werde sich für gute Rahmenbedingungen einsetzen. «Ich gebe mir Mühe, die grossen Fussstapfen von Franz Müller auszufüllen.»

Dieser wird es nicht ganz einfach haben, da der Kanton St.Gallen kürzlich neue Bildungsauflagen beschlossen hat. Diese haben zur Folge, dass die Organisation des Kinder-Dörfli umstrukturiert und schlanker werden muss.

«Es ist wichtig, behutsam aber auch kritisch auf die neue Situation zu zugehen und sich – wenn nötig – zu wehren.»

Sein Nachfolger habe mit dem Gesamtleiter und der restlichen Verwaltungskommission eine gute Basis, ist Franz Müller überzeugt.

Der Entscheid, kürzer zu treten, habe Zeit gebraucht. Die neu gewonnene Zeit möchte Franz Müller seinem Hobby, dem Golfen, widmen, «aber auch besonders der Familie und den acht Grosskindern. Darauf freue ich mich am meisten».

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