«Das ist unsere letzte Chance»

Ende 2017 wird die Gemeinde Uzwil das defizitäre Hotel Alpenblick im Bündnerland übergeben und verkauft haben. Das Hotel hat mittlerweile eine neue Betriebsführung, die mit Uzwiler Unterstützung in die neue Saison gestartet ist.

Stefan Etter
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Das Hotel Alpenblick in Tenna hatte jahrelang Verluste eingefahren. Durch die Renovation und die neue Betriebsführung soll sich dies bald ändern. (Bild: pd)

Das Hotel Alpenblick in Tenna hatte jahrelang Verluste eingefahren. Durch die Renovation und die neue Betriebsführung soll sich dies bald ändern. (Bild: pd)

UZWIL/TENNA. «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zuversichtlich zu sein», sagt Thomas Buchli, Gemeindepräsident vom Bündner Safiental. «Doch der Betrieb des Hotels wird eine Herausforderung bleiben.» Die Rede ist vom Hotel Alpenblick in Tenna, das im Bündner Safiental liegt und sich seit Jahren im Besitz der Gemeinde Uzwil befindet. Das Hotel, das einst den Uzwiler Schulgemeinden gehörte und als Klassenlager-Destination diente, war jedoch ein finanzielles Desaster. «Wir mussten jährlich ein Defizit von rund 200 000 Franken stemmen», sagt Thomas Stricker, Verwaltungsleiter der Gemeinde Uzwil.

Reissleine gezogen

So hat sich die Gemeinde im Sommer 2014 dazu entschlossen, vom Engagement beim Hotel Alpenblick zurückzutreten. «Der Gemeinderat hat 2005 Rahmenbedingungen festgelegt, so dass im Notfall die Reissleine gezogen werden kann», sagt Stricker. Das hat die Gemeinde auch getan. «Die jährlichen Defizite, die komplexe Betriebsführung von Uzwil aus und die zentrumsferne Lage des Hotels haben zu dieser Entscheidung geführt.»

Der Rückzug der Gemeinde Uzwil soll aber schrittweise erfolgen. Der Rettungsplan gliedert sich laut Buchli in drei Phasen. Die erste wurde mit der Gründung des Vereins Tenna Plus, der den Betrieb von der Gemeinde Uzwil übernommen hat, bereits vollzogen. Seit dem 21. Dezember läuft der Gastrobetrieb wieder. «Das Hotel war gut ausgebucht über Weihnachten und Neujahr», sagt Buchli. Auch für Januar und Februar sehe es gut für den Betrieb aus. So hätten sie einige Anmeldungen von Schulklassen vorliegen.

Pep durch Renovation

Ausserdem musste die Infrastruktur aufgebessert werden. «Wir mussten Pep in die Liegenschaft hineinbringen, damit die Leute merken, dass etwas passiert», erklärt Buchli. Etliche freiwillige Helfer haben Böden verlegt, abgeschliffen und versiegelt, Möbel ersetzt, Wände frisch gestrichen, das ganze Haus geputzt und die Zimmer hergerichtet. «Neben Materialkosten und dem Kauf von Lebensmitteln fielen auch Lohnzahlungen für Handwerker an.» Die Renovierung kostet den Verein, der über kein Grundkapital verfügt, rund 100 000 Franken. Zum einen hat die Gemeinde Safiental einen A-fonds-perdu-Beitrag von 20 000 Franken überwiesen und ein zinsloses Darlehen von 70 000 Franken gewährt. Zum anderen wird die Gemeinde Uzwil in den nächsten drei Jahren je 150 000 Franken ins Budget aufnehmen. «Wir haben uns während 50 Jahren für das Hotel engagiert», sagt Stricker. «Wir wollen Tenna eine Chance geben, das sind wir schuldig.»

Laut Buchli ist es aber schwierig, in kurzer Zeit auf Erfolgskurs zu kommen. «Wir müssen mit wenig Mitteln viel erreichen.» Derzeit läuft die zweite Phase. In dieser Saison soll der Verein und die neue Wirtin Brigitte Kunz – laut Buchli gastro-erfahren und zielstrebig – mit Vorhandenem starten und nur Akzente setzen. «Die Betriebsführung soll in einer Try-and-Error-Phase ein Gefühl für das Hotel entwickeln.» Rasch ein Konzept übers Knie zu brechen, mache keinen Sinn.

Lagerhaus oder Individualgäste

Gleichzeitig laufen Überlegungen hinsichtlich einer Trägerschaft, die den Betrieb übernehmen könnte. «Dafür ist ein Verein nicht geeignet.» Denkbar sei eine Genossenschaft. Sobald die neue Trägerschaft gegründet ist, soll diese, in einer dritten Phase, Ideen sammeln und die Strategie festlegen. «Entweder soll das Hotel als Lagerhaus dienen oder Individualgäste beherbergen», sagt Buchli. Auch eine Mischlösung sei denkbar. «Das Hotel ist aber als Lagerhaus prädestiniert.» Zudem werde eine neue Website aufgeschaltet und versucht, die Uzwiler so emotional als Kunden zu gewinnen.

Anders als früher werde die neue Führung wieder auf Bewährtes setzen – eine einfache Küche und eine kleine Speisekarte. «Nun gilt es, in den nächsten Monaten und Jahren Erfahrungen zu sammeln», sagt Buchli. Ende 2017 will die Gemeinde Uzwil das Hotel verkaufen. Dann muss ein neues Konzept vorliegen. «Ich bin optimistisch. Das Hotel ist der zweitgrösste Arbeitgeber in der Gemeinde und wichtig für den Tourismus. Das ist wohl unsere letzte Chance.»