«Das ist genau meine Stelle»: Die Oberuzwilerin Caroline Bartholet kandidiert für das Gemeindepräsidium von Niederbüren

Caroline Bartholet kandidiert für die Nachfolge von Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein. Sie ist kein unbeschriebenes Blatt: Als Oberuzwilerin ist sie in der Region verankert.

Tobias Söldi
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Ihr Zuhause in Oberuzwil müsste Caroline Bartholet nach Niederbüren verlegen – falls sie ins Amt gewählt wird. (Bild: Tobias Söldi)

Ihr Zuhause in Oberuzwil müsste Caroline Bartholet nach Niederbüren verlegen – falls sie ins Amt gewählt wird. (Bild: Tobias Söldi)

Letzte Woche haben Sie sich der Niederbürer Bevölkerung vorgestellt. Mit welchem Gefühl haben Sie das Podiumsgespräch verlassen?

Caroline Bartholet: Mit einem guten, obwohl ich auch etwas nervös war. Ich habe nach dem Podiumsgespräch viele positive Rückmeldungen erhalten. Ganz toll fand ich, dass so viele Niederbürerinnen und Niederbürer anwesend waren, die sich für Politik interessieren.

Was hat das Stelleninserat bei Ihnen ausgelöst, als sie es entdeckt haben?

Mein erster Gedanke war: «Das ist genau meine Stelle.» Ich wollte schon lange ein Gemeindepräsidium übernehmen, aber trotzdem in der Region bleiben. Da gibt es nicht so viele Stellen. Ausserdem stimmt für mich das 60-Prozent-Pensum und ist mit meinem Kantonsratsmandat vereinbar.

Und wie sieht es privat aus? Sie wohnen an bester Lage in Oberuzwil.

Mein Mann hat mich gefragt: «Bist du sicher?» Wir haben natürlich Diskussionen in der Familie geführt, schliesslich würden wir hier auch einiges aufgeben. Aber meine Familie steht ganz hinter mir.

Kennen Sie Niederbüren?

Ich war mehrmals im Rock- und Pop-Museum, und im Golfclub habe ich einen Schnupperkurs absolviert. Den Freizeitpark kenne ich natürlich wegen meiner Kinder. Auf politischer Ebene habe ich im Zuge der Fusion der Spitex zum ersten Mal mit Niederbüren zu tun gehabt.
Die Liste Ihrer nebenberuflichen Engagements und Mandate ist lang.

Bleibt da genügend Zeit für das Amt als Gemeindepräsidentin?

Auch jetzt arbeite ich 60 Prozent, früher habe ich eine eigene Drogerie geführt. Ich habe immer viele Tätigkeiten miteinander kombiniert. Alles unter einen Hut zu bringen ist letztlich eine Frage der Organisation. Die Fusion der Spitex war sehr intensiv, gibt aber jetzt weniger Arbeit, und auch meine Kinder sind schon älter.

Ihren Sitz im Gemeinderat von Oberuzwil müssten Sie aufgeben.

Ja, den muss ich abgeben, ebenso alle Funktionen, die ich als Gemeinderat bekleide. In anderen Vereinen, etwa bei der Spitex Region Uzwil oder dem Jungunternehmerzentrum Flawil, könnte ich bleiben. Das ist auch ein Vorteil: Ich kann Niederbüren in diesen Vereinen eine Stimme geben.

Wie stehen Sie zur Geschlechterfrage?

Es wäre sicher schön, wenn eine Frau das Amt übernimmt. In der Region sind es mehrheitlich Männer, welche die Gemeinden führen, Frauen hat es nicht so viele. Ich wurde nach der Podiumsdiskussion auch von Frauen angesprochen, die es toll fanden, dass eine Frau kandidiert. Als Mutter bringe ich auch einen zusätzlichen Hintergrund mit: Ich weiss, was es heisst, Beruf und Familie zu vereinbaren, und kenne die Anliegen der Familie.

Wo würden Sie als künftige Gemeindepräsidentin Schwerpunkte setzen?

Ich würde den eingeschlagenen Weg weitergehen. Die Steuern sollen tief sein, dürfen aber nicht um jeden Preis gesenkt werden. Infrastruktur und Eigenständigkeit müssen erhalten bleiben. Die Primarschule soll in Niederbüren bestehen bleiben. Wichtig ist mir auch bezahlbarer Wohnraum für Jung und Alt.

Wo braucht es zusätzlichen Effort?

Den Tourismus könnte man stärken. Niederbüren mit seinem Freizeitangebot könnte über die Region hinaus bekannt sein. Vielleicht fehlt es da an neuen Ideen. Auch das Thema Digitalisierung in Niederbüren würde ich anschauen.

Was wären Ihre ersten Schritte im Amt?

Natürlich müsste ich zuerst die Verwaltung und die wichtigsten Pendenzen kennen lernen. Als einen der ersten Anlässe würde ich bald einen Bevölkerungsanlass organisieren, um die Einwohnerinnen und Einwohner nach den Sonnen- und Schattenseiten von Niederbüren zu fragen, nach ihren Visionen und danach, was sich ändern muss. Dann würde ich auch eine Klausurtagung mit dem Gemeinderat durchführen, um die Legislaturziele anzuschauen und allenfalls zu bearbeiten.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen aufs Amt ein?

Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, dass ich leicht im Vorteil bin, weil ich aus der Region stamme und St. Galler Dialekt rede, aber man darf den Gegner nie unterschätzen.

Als Nachteil könnte sich Ihr Pensum von 60 Prozent herausstellen. Ihr Konkurrent Christoph Koenig steht 100 Prozent zur Verfügung, er würde neben der strategischen Führung von 60 Prozent noch 40 Prozent operativ tätig sein.

Ich sehe als Vorteil, dass ich mich ganz auf die strategische Führung konzentrieren kann, statt noch Detailarbeit beispielsweise in der Steuerverwaltung oder der Bauverwaltung zu übernehmen. Und auch wenn ich nicht immer im Gemeindehaus bin, die Leute können sich trotzdem melden mit ihren Anliegen. Man muss einfach die Sprechzeiten und Zuständigkeiten klar regeln.

Wann und wo wird die Bevölkerung auf Sie treffen?

In den nächsten Wochen stehen diverse Versammlungen an, an denen ich teilnehmen werde. Ich werde auch öfters in Niederbüren unterwegs sein – soweit es die Arbeit zulässt –, zum Einkaufen, zum Essen oder um ein Museum zu besuchen

Steckbrief

– geboren: 6. Juni 1969
– wohnhaft in Oberuzwil
– verheiratet, Mutter von zwei Kindern (17 und 14 Jahre)
– Ausbildung als eidgenössisch diplomierte Drogistin
– Berufserfahrungen: seit zehn Jahren Gemeinderätin und Vizepräsidentin in Oberuzwil; ab April 2019 Kantonsrätin; Führung des Spitexvereins Oberuzwil-Jonschwil-Lütisburg und Projektleitung Spitex Region Uzwil; 20 Jahre Geschäftsführerin der Drogerie Bartholet in Oberuzwil
– Partei: FDP
– Interessen: Politik, Tennis, Kochen

Hinweis: Am 30. April findet eine weitere Podiumsdiskussion statt. Gewählt wird am 19. Mai.